
Hebammen (und ihr männliches Pendant, in Deutschland Entbindungspfleger genannt) begleiten Frauen und ihre Kinder und Familien in Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit sowie bei Fragen der Familienplanung. Beim physiologischen Verlauf dieser Prozesse tun sie dies selbständig und eigenverantwortlich ohne ärztliche Anordnung. In Deutschland üben sie Vorbehaltstätigkeiten aus. Dies bedeutet, dass bei jeder Geburt eine Hebamme, aber nicht zwingend ein Arzt oder eine Ärztin zugegen sein muss. Auch die Wochenbettbetreuung ist eine den Hebammen vorbehaltene Tätigkeit.
Hebammen betrachten die reproduktiven Prozesse (rund ums Kinderkriegen) als primär gesunde, vitale und biografisch bedeutsame Lebensabschnitte, bei denen die Bedürfnis- und Ressourcenorientierung sowie die Selbstbestimmung der zu betreuenden Frauen im Vordergrund stehen.
Um diesen Aufgaben verantwortungsvoll und kompetent gerecht werden zu können, müssen Hebammen auch jederzeit die Grenzen zur Pathologie erkennen und entsprechend reagieren und angemessen an andere Berufsgruppen und Angebote weitervermitteln können. Dafür brauchen sie eine fundierte Ausbildung hinsichtlich sowohl der physiologischen als auch der pathologischen Verläufe.
Den Informations-Flyer zum Studiengang Hebammenkunde können Sie hier öffnen.

Als zweite deutsche Hochschule hat Fulda am 14.10.2011 die Genehmigung des Sozialministeriums zur Durchführung eines primärqualifizierenden Studienangebotes erhalten. Dabei führt die Hochschule das Studium Hebammenkunde in Kooperation mit Versorgungseinrichtungen der peripartalen Versorgung (Kliniken, Geburtshäusern, Hebammenpraxen) durch. In das achtsemestrige Studium sind 3000 Stunden Praxis integriert. Derzeit baut der Fachbereich ein Hebammen-Skills-Lab auf , um mit den Studierenden im fachpraktischen Unterricht gezielt die notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten einzuüben.
Das Studium befähigt die Studierenden, wissenschaftlich fundiert die Tätigkeit als Hebamme auszuüben, d.h. Frauen und deren Angehörige in der Familienplanungsphase, während der Schwangerschaft, der Geburt, dem Wochenbett und der frühen Familienphase zu beraten und zu begleiten, regelhafte Geburten zu leiten, Komplikationen des Geburtsverlaufs frühzeitig zu erkennen, Neugeborene zu versorgen, den Wochenbettverlauf zu überwachen und eine Dokumentation über den Geburtsverlauf anzufertigen. Ausbildungsziel ist eine wissenschaftlich fundierte Hebammentätigkeit im Sinne der „reflektierten Praktikerin“.
Das Studium schließt mit dem Bachelor of Science in Hebammenkunde und dem staatlichen Hebammenexamen und der Erlaubnis zur Führung der Berufserlaubnis Hebamme ab. Damit kann der Beruf sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland ausgeübt werden.
Der Studiengang ist erstmals zum Wintersemester 2012/13 gestart. Es konnten alle 30 Plätze besetzt werden.
Im Frühjahr 2012 wurde der Studiengang erfolgreich akkreditiert. Ebenso konnte in diesem Jahr Frau Prof. Dr. Babette Müller-Rockstroh für die Professur Hebammenwissenschaften und als Studiengangsleitung begrüßt werden.
Hinweis: Die Bezeichnung Hebamme schließt auch Entbindungspfleger ein, und der Studiengang steht selbstverständlich auch männlichen Studieninteressierten offen.
Mit der Verabschiedung der Modellklausel (Gesetz zur Einführung einer Modellklausel in die Berufsgesetze der Hebammen, Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, Art. 2 vom 24.07.2010) bietet sich erstmals die Möglichkeit, ein Ausbildungsangebot für Hebammen an der Hochschule anzubieten. Eine Akademisierung des Hebammenberufes kann dazu beitragen, den veränderten gesellschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen der Tätigkeit von Hebammen in erhöhtem Maße zu entsprechen, die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Kontext zu stärken und die berufliche Mobilität von Hebammen zu verbessern. Hebammen wird zudem die Möglichkeit eröffnet, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen.
Aktuell üben Hebammen ihren Beruf in zunehmendem Maße als Selbstständige (z.B. als Beleghebammen) oder außerklinisch (in hebammengeleiteten Institutionen wie Praxen oder Geburtshäusern) aus. Daraus leitet sich die Notwendigkeit ab, dass Hebammen befähigt werden, eigenverantwortliche Entscheidungen auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse treffen und begründen zu können. Der entsprechende Erwerb von Methodenkompetenz und eine systematische Verankerung wissenschaftlicher Perspektive ist ein wesentlicher Gesichtspunkt für die Akademisierung der Hebammenausbildung. So wird dem Fach Hebammenkunde die Möglichkeit geschaffen, sich als Wissenschaft zu etablieren, die klinisch forscht und Wissen systematisch weiterentwickelt.
Neben der stark naturwissenschaftlich-medizinischen Ausrichtung der Hebammenausbildung sollen auch psychosoziale Schwerpunkte bereits in der Ausbildung gesetzt werden.
Der Konzeption des Studienganges ging eine Befragung von potentiellen Arbeitgebern und Hebammen voraus. Die Vorstellungen der Berufspraxis zu den Anforderungen an die Hebammenausbildung sind im Studienkonzept soweit erfüllt, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen dies zulassen. In folgenden Punkten ist die Weiterentwicklung des Hebammenberufes realisiert:
Die Philosophie des Studienganges ist, dass das Studium vermitteln muss, wie in der konkreten Versorgungssituation von Schwangeren, Gebärenden, jungen Müttern und Neugeborenen klinische Entscheidungen getroffen werden. Diese Entscheidungen setzten das Verstehen der physiologischen oder pathologischen Prozesse voraus, müssen unter Abwägung von wissenschaftlichem Erkenntnisstand, der eigenen Erfahrung und den Wünschen der Betroffenen getroffen und in praktisches Handeln umgesetzt werden.
Das entscheidungsorientierte Lernen konkretisiert, welche Fachkompetenz (Verstehen der physiologischen oder pathologischen Prozesse), welche Methodenkompetenz (Finden und Bewerten der relevanten Studien; Umsetzung der Entscheidungen in praktisches Handeln als Hebamme), welche Sozialkompetenz (Erkunden der Präferenzen der Betroffenen) und welche Selbstkompetenz (Reflexion der eigenen klinischen Erfahrung und des persönlichen Handelns) auf welche Art von Handlungskompetenz (Verantwortungsübernahme für klinisch relevante Entscheidungen, gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Klientinnen) von Hebammen gerichtet sind. Die praktische Ausbildung im Studienverlauf und ihre Reflexion in der Lehre ermöglicht ergänzend nicht nur, klinische Erfahrungen zu sammeln, sondern auch zu reflektieren, ob und inwieweit solche Entscheidungen zugleich abhängig von institutionellen, strukturellen, personellen und ökonomischen Rahmenbedingungen sind und wie dies ethisch zu bewerten ist.
Erste Reaktionen aus der lokalen Presse zum geplanten Hebammenstudiengang:
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