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HEAT

Hessischer Aktionsplan zur Vermeidung Hitzebedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen der Bevölkerung (HEAT)

Zielstellung:
Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung und Implementierung eines Maßnahmenplans für das Land Hessen, der über das bereits implementierte Hitzwarnsystem in Hessen hinaus die Erreichbarkeit vulnerabler Bevölkerungsgruppen durch das Versorgungssystem verbindlich sichert und  die zur Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen notwendige Datenerhebung und Datenaufbereitung in die Regelaufgaben der Gesundheitsversorgung integriert.

Hintergrund und Problemstellung
Offiziellen Berechnungen zufolge starben während des Sommers 2003 innerhalb eines Zeitraums von wenigen Wochen ca. 50.000 Menschen in Europa an den Auswirkungen der extremen Hitze (Sardon 2007). Da eine Zunahme von Wetterextremen im Zuge des Klimawandels auch für Deutschland prognostiziert ist, betrifft ein zentrales Ziel der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel die Prävention von Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Hitzestress (DAS 2008).

Untersuchungen in den USA, in Australien und in Europa konnten nachweisen, dass die Sterberate während der Hitzeperioden über alle Altersgruppen erhöht ist, jedoch ältere und alte Menschen überproportional von der Übersterblichkeit betroffen sind (Kovats und Hajat 2008). Diese Angaben lassen sich nach bisherigen Erkenntnissen auf Deutschland übertragen. Alte Menschen, die zu Hause leben, sind genauso gefährdet wie in Heimen lebende (Heudorf und Meyer 2005). Für Menschen allen Alters besteht, je nach Vorerkrankungen, Wohn-, Arbeits- und Lebenssituation, ein erhöhtes Gesundheitsrisiko während Hitzeperioden (RKI 2004). Umfassende Präventionsmaßnahmen mit der Etablierung effektiver Warn-, Vorbeugungs- und Früherkennungssysteme sind daher erforderlich.

In einigen Ländern Europas wurden bereits Hitzeaktionspläne zum Schutz der Bevölkerung eingeführt (European Commission; WHO 2004, WHO 2008). Hessen war das erste Bundesland, das in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst als Reaktion auf den Sommer 2003 ein Hitzewarnsystem aufbaute. Verbindliche Handlungszwänge ergeben sich hieraus jedoch nur für die an der stationären pflegerischen Versorgung beteiligten Einrichtungen und Behörden (HSM 2008). Welche Art der Umsetzung die vom zuständigen Ministerium und den Gesundheitsämtern z.B. an das vertragsärztliche Versorgungssystem, die Rettungsdienste und die Krankenhäuser ausgesprochenen Empfehlungen in den letzten Jahren erfuhren, ist nicht bekannt.

Umsetzung
Auf der Basis der Ergebnisse einer Stärken- und Schwächenanalyse des Hessischen Hitzewarnsystems soll in der Zusammenschau mit den Erkenntnissen europäischer Nachbarländer über wirksame Public Health Maßnahmen während Hitzeereignissen eine geeignete Präventionsstrategie entwickelt und in einen Vorschlag für einen Interventionsplan des Landes Hessen übersetzt werden. Hierzu sind folgende Arbeitsschritte erforderlich: 

1. Stakeholder-Analyse zum bestehenden hessischen Hitzewarnsystem
Erwartet werden Erkenntnisse über die Erfolgsfaktoren und Schwachstellen des bestehenden Hitzewarnsystems aus Sicht der verantwortlichen Akteure sowie über Anpassungsmöglichkeiten und Anpassungsbereitschaft.

2. Analyse von Maßnahmenplänen in europäischen Ländern
Erwartet werden Erkenntnisse über die Rahmenbedingungen, notwendigen Ressourcen und Erfolg versprechenden Strategien der Entwicklung eines Hitzeaktionsplans für Hessen.

3. Konzeption eines Monitoringsystems zur Bedarfsanalyse und Evaluation
Erwartet werden Erkenntnisse darüber, in welcher Form und unter welchen Bedingungen ein Monitoring realisierbar ist.

4. Konsensbildungsprozess für einen Hessischen Hitzeaktionsplan
Erwartet wird ein tragfähiger umfassender Aktionsplan für das Land Hessen mit bundesweitem Modellcharakter.

Literatur

DAS: Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel, Bundesrepublik Deutschland, 2008

European Commission: Preparedness national plans for future heat waves. http://ec.europa.eu/health/ph_information/dissemination/unexpected/unexpected_3_en.print.htm

Heudorf U, Meyer C 2005: Gesundheitliche Auswirkungen extremer Hitze – am Beispiel der Hitzewelle und der Mortalität in Frankfurt am Main im August 2003. Gesundheitswesen 67: 369-374.

HSM: Hessisches Sozialministerium 2008: Hitzewarnsystem in Hessen. Aktenzeichen II 5.3 / V 3.1, 22. April 2008.

Kovats RS, Hajat S 2008: Heat Stress and Public Health: A Critical Review. Annu. Rev. Public Health, 29:41–55.

RKI: Robert Koch Institut 2004: Hitzewellen und extreme Klimaereignisse – Herausforderungen für das Gesundheitswesen. Epidemiologisches Bulletin 2004, 25: 200.

Sardon JP: The 2003 heat wave. Euro Surveill. 2007; 12(3): www.eurosurveillance.org/viewArticle.aspx?ArticleId=694

WHO Europe (Hrsg.) 2004: Heat-waves: risks and responses. Health and Global environmental Change, No. 2.

WHO Europe (Hrsg.) 2008: Heat-Health Action Plans. Guidance.

 

  

Projektleitung: 
Prof. Dr. Henny Annette Grewe (Ansprechperson)
Prof. Dr. Beate Blättner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
Silvia Heckenhahn M.Sc. Public Health

Wissenschaftliche Hilfskraft:
Elisabeth Weyer-Menkhoff
Julia Hofmann

Projektförderung durch:
HLUG

Projektlaufzeit:
01.10.2009 – 31.10.2012