50 Jahre Hochschule Fulda
22.01.2024
50 Jahre Hochschule Fulda

Zum Start in das Jubiläumsjahr gab es auch Geburtstagstorte, die Hochschulpräsident Karim Khakzar gemeinsam mit dem Präsidium anschnitt (von links): Dr. Anke Günther (Leiterin der Präsidialbüros), Prof. Dr. Jörg Kreiker (Vizepräsident für Digitalisierung), Prof. Dr. Kathrin Becker-Schwarze (Vizepräsidentin für Lehre und Studium), Prof. Dr. Karim Khakzar und Prof. Dr. Claudia Kreipl (Vizepräsidentin für Forschung und Transfer). Foto: Hochschule Fulda / Alexander Mengel

Ein halbes Jahrhundert Lehre, Forschung, Praxis: Die Hochschule Fulda feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen.

Die Anfänge im Gründungsjahr 1974 waren eher bescheiden. An der damaligen Fachhochschule waren gerade einmal 750 Studierende eingeschrieben. Heute sind es knapp 9.000 junge Menschen, die an acht Fachbereichen in rund 60 Studiengängen an der Hochschule Fulda studieren. Die Zahl der Beschäftigten ist inzwischen auf über 850 angestiegen. Damit hat sich die Hochschule Fulda auch zu einer wichtigen Arbeitgeberin in der Region entwickelt.

Heute zählt die Hochschule Fulda zu den führenden Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Deutschland und genießt bundesweit einen hervorragenden Ruf. Ihren festen Platz in der deutschen Bildungslandschaft hat die Hochschule Fulda nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass sie immer wieder eine Vorreiterrolle einnahm. Hochschulpräsident Prof. Dr. Khakzar, seit 2008 im Amt, zieht Bilanz: „Wir können stolz sein auf diese 50 Jahre, auf das, was wir gemeinsam erreicht haben. Die Hochschule Fulda leistete immer wieder Pionierarbeit im deutschen Hochschulsystem, unter anderem mit der Einführung innovativer Studiengänge wie Hebammenkunde, Diätetik, Physiotherapie, Sozialrecht oder International Business and Management und mit innovativen Formaten, beispielsweise im Blended Learning-Bereich. Mit unserem eigenen Profil, das durch die Themen Lebensqualität und Gesundheit geprägt ist, haben wir uns bundesweit einen Namen gemacht.“
In der Tat: In dem profilgebenden Thema finden sich in allen acht Fachbereichen vielfältige Studienangebote sowie zahlreiche Forschungsaktivitäten und Transferprojekte. Im bundesweiten Vergleich ist die Hochschule Fulda in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Lebensmittel und soziale Nachhaltigkeit führend, denn keine andere Hochschule kann hier eine größere Vielfalt an Studiengängen, mehr Studierende und mehr Professuren vorweisen. Den Beschluss der europäischen Regierungen zur Umstellung aller Studiengänge auf die zweistufigen Bachelor- und Masteranschlüsse – bekannt als Bologna-Reform – setzte die Hochschule Fulda Anfang der 2000er-Jahre zügig und konsequent um. Seitdem sind die Abschlüsse denen an klassischen Universitäten gleichwertig.

Eigenständiges Promotionsrecht als erste HAW in Deutschland – aktuell promovieren 190 Doktorand*innen
Ein besonderer Meilenstein für die Hochschule war aus Sicht des Präsidenten im Jahr 2016 die Verleihung des eigenständigen Promotionsrechts als erste HAW in Deutschland für die forschungsstarken Fachrichtungen „Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Globalisierung, Europäische Integration und Interkulturalität“, „Public Health“ sowie „Soziale Arbeit“ durch den damaligen hessischen Wissenschaftsminister und heutigen Ministerpräsidenten Boris Rhein. Inzwischen gehören auch die beiden Fachrichtungen „Angewandte Informatik“ sowie „Mobilität und Logistik“ dazu und weitere werden folgen. Das eigenständige Promotionsrecht erlaubt der Hochschule Fulda die Verleihung des Doktortitels und unterstützt damit die anwendungsorientierte Forschung für drängende gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel und Digitalisierung. Derzeit promovieren rund 190 Doktorand*innen an der Hochschule Fulda, davon über 100 an einem Promotionszentrum im Rahmen des eigenständigen Promotionsrechts. Die Qualität der Promotionen überzeugte jüngst auch ein hochkarätig besetztes Gutachtergremium, so dass das ursprünglich auf sechs Jahre befristete Promotionsrecht 2022 auf Dauer erteilt wurde.

Stark in Querschnittsdimensionen: Gleichstellung, Chancengerechtigkeit, Internationalisierung
Besonders erfolgreich ist die Hochschule Fulda darin, gesellschaftlich relevante Themen in der Breite der Hochschule zu verankern. So ist rund die Hälfte der Professuren weiblich – ein Wert, der deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt und der einer konsequenten, strategischen Frauenförder- und Gleichstellungsarbeit zu verdanken ist. Die Aktivitäten der Hochschule für mehr Chancengerechtigkeit und Gleichstellung, für Vielfalt und Diversität wurden mehrfach ausgezeichnet. Auch in den Querschnittsaufgaben Digitalisierung und nachhaltige Entwicklung stellt sich die Hochschule mittlerweile strategisch auf.

Studierende der Hochschule Fulda werden zudem gezielt auf die Anforderungen einer zunehmend globalisierten Welt vorbereitet. Die Hochschule setzt sich das Ziel, den Anteil internationaler Studierender bis 2025 auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen. „Wir stehen bereits kurz davor, dieses Ziel zu erreichen. In diesem Semester haben wir erstmals einen Anteil von 19 Prozent erreicht. Bei den Erstsemestern lag der Anteil im laufenden Wintersemester sogar bei 25 Prozent“, freut sich der Präsident. Dieser Schritt ist für ihn angesichts des demographischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Wandels und insbesondere vor dem Hintergrund des erheblichen Fachkräftemangels von großer Bedeutung.

Vollmitgliedschaft in der Europäischen Hochschulallianz E³UDRES²
Als eine große Auszeichnung sowie als einen enormen Impuls für die Internationalisierung der Hochschule Fulda betrachtet Khakzar die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Hochschulallianz E³UDRES² seit 2023. Neun europäische Hochschulen, die in kleinen und mittelgroßen Städten außerhalb der großen Metropolregionen angesiedelt sind, bilden diese strategische Allianz, die von der EU in den kommenden vier Jahren mit ca. 14,4 Millionen Euro gefördert wird. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, ihre eher ländlich geprägten Regionen zu vernetzen und ihre langfristige Entwicklung zu zukunftsfähigen und nachhaltigen Regionen zu unterstützen. Der Hochschulpräsident sagt: „Von dem internationalen Netzwerk profitieren künftig Studierende, Lehrende und Forschende ebenso wie Stadt und Region.“ Die Zusammenarbeit mit europäischen Partnerhochschulen wird seiner Ansicht nach zu einem wichtigen Lösungsbeitrag für die Herausforderungen der Region, der Wirtschaft und der Hochschule selbst.

Selbstverständliche Zusammenarbeit mit regionalen Partnern
Das Beispiel E³UDRES² zeigt: Die Hochschule Fulda ist international ausgerichtet und weltoffen, aber gleichzeitig regional fest verwurzelt. In einem Umkreis von etwa 100 Kilometern ist sie die einzige staatliche Hochschule und trägt damit eine besondere Verantwortung für die Region Osthessen. „Während die Hochschule in ihren Anfangsjahren noch als Fremdkörper in der Region wahrgenommen wurde, arbeiten wir heute ganz selbstverständlich mit Partnern aus Stadt und Landkreis gemeinsam an Innovationen für Wirtschaft und Gesellschaft“, betont Khakzar. Prägend dafür war die Einrichtung des Regionalen Innovationszentrums für Gesundheit und Lebensqualität (RIGL-) Fulda, mit dem die Hochschule den Transfer in die Region durch ein Netzwerk von fast 140 Praxispartnern noch einmal auf eine neue Stufe heben konnte.

Campus als Aushängeschild
Erfolgreiche Lehre und Forschung brauchen Platz. Der Campus der Hochschule ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Dabei hat die Hochschule stets hohen Wert auf städtebauliche und architektonische Qualität gelegt, wovon zahlreiche Architekturpreise für die Gebäude und die Außenanlagen zeugen. Zuletzt wurden Anfang 2023 auf dem Gelände der ehemaligen „Mühle Heyl“ neue Räumlichkeiten feierlich eröffnet. Aktuell plant die Hochschule, wie ein von der RhönEnergie erworbenes Areal im Sinne der Lehre und Forschung der Zukunft bestmöglich genutzt werden könnte. Kein Zufall: Das Areal grenzt unmittelbar an den bisherigen Campus an. Denn zum Profil der Hochschule gehört auch, dass alle acht Fachbereiche auf einem zusammenhängenden Campus untergebracht sind. Die kurzen Wege fördern die Zusammenarbeit über Fachdisziplinen hinweg – genau das, was es für Lösungen der großen gesellschaftlichen Herausforderungen braucht. „Wir hoffen, dass in unserem Jubiläumsjahr viele Menschen aus der Region und auch viele unserer Alumni den heutigen Campus mit seiner hohen Aufenthaltsqualität erleben werden“, so Khakzar.  

Jubiläums-Website und viele Veranstaltungen
Das gesamte Jubiläumsjahr wird von zahlreichen Veranstaltungen begleitet, darunter im Sommer ein offizieller Festakt im Beisein des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein und eine hochkarätig besetzte Tagung zum Thema Frauen in der Wissenschaft, aber auch ein „Studium Generale“ gemeinsam mit der Volkshochschule der Stadt Fulda, in dem Gäste aus Wissenschaft und Gesellschaft drängende Fragen unserer Zeit beleuchten. Im Herbst ist zudem ein großer Tag der offenen Tür geplant.

Die Jahrestagung der Hochschulrektorenkonferenz, der Interessensvertretung und Stimme der knapp 300 staatlichen Universitäten und HAWs, Kunst- und theologischen Hochschulen in Deutschland, wird im Mai anlässlich des Jubiläums ebenfalls an der Hochschule Fulda ausgerichtet. Dass eine Jahrestagung der HRK erstmalig seit ihrer Gründung 1990 an einer HAW stattfindet, gilt als Zeichen großer Anerkennung und Wertschätzung für die Hochschule Fulda, ist Khakzar überzeugt.

Die Hochschule Fulda lädt Studierende, Mitarbeitende und die gesamte Region ein, die Erfolge der vergangenen 50 Jahre zu feiern und den Blick auf eine vielversprechende Zukunft zu richten. Auf einer eigenen Jubiläums-Website (www.hs-fulda.de/50jahre) können Interessierte in der Hochschul-Historie stöbern und sich über die verschiedenen Jubiläumstermine und -aktionen informieren. Übrigens: Die Seite bietet einen ersten Vorgeschmack auf die komplett neu gestaltete Hochschul-Webseite, die pünktlich zum Festakt im Juni 2024 live gehen wird – im neuen, modernen Corporate Design der Hochschule Fulda.