Inklusionsfördernde, interaktive Erklärelemente in barrierefreien E-Formularen

Ziel war die Entwicklung und Erprobung barrierefreier e-Formulare (BEF), die durch die Anreicherung mit sogenannten interaktiven „Erklärelementen“ den Zugang zu Formularen für Personen mit kognitiv bedingten Sprachproblemen, im Projekt als Klienten bezeichnet, erleichtern. Diese Erklärelemente decken sowohl die Vermittlung von Informationen an die Anwender ab, als auch die Bereitstellung von Informationen, typischerweise per Formulareingabe, seitens der Anwender. Im Zentrum des Vorhabens stand die Erforschung innovativer Erklärelemente: Als statische Elemente wurden Bilder, Symbole, Icons und Texte in einfacher Sprache untersucht. Als dynamische Erklärelemente wurden handlungsorientierte 3D-Szenen als Avatar-Animationen erstellt.

Ergänzt wurde das Vorhaben durch die Entwicklung eines Software-Werkzeugs zur BEF-Erstellung und -Nutzung im Forschungsprojekt ITP@BEF. Das vorliegende Projekt inBEF baute auf die dort entstandene BEF-Applikation (Umgebung zur Nutzung von BEF) auf und entwickelte diese weiter, vor allem im Bereich der Benutzungsschnittstelle.

Die in Beratungsgesprächen für Menschen mit Beeinträchtigungen (psychische und geistige Behinderungen) durchgeführte Hilfe- und Teilhabeplanung diente als beispielhafter Anwendungsbereich. Dazu existierte bereits ein PDF-basiertes Formular des Projektpartners IPH – die sogenannte ITP (Integrierte Teilhabeplanung) – sowie eine Version davon in leichter Sprache. Die ITP stellt einen (Gesprächs-)Prozess dar, was sich im ITP-Formular widerspiegelt und in Form einer interaktiven Anwendung weit sinnvoller umgesetzt werden konnte als mit einem klassischen Formular-Format. Das ausgefüllte ITP-Formular wiederum ist Grundlage der Finanzierung der Hilfeleistungen für die Klienten

Der Fokus hinsichtlich der Barrierefreiheit lag im Vorhaben auf Personen mit eingeschränkten Kommunikationsfähigkeiten, die in unterschiedlicher Art und Weise sowohl sprachlich (Schreiben und Lesen) wie auch im kommunikativen Ausdruck gehandicapt sind. Diese Nutzer bildeten im Projekt die primäre Zielgruppe eines BEF und der darin enthaltenen Erklärelemente.

Für die Gestaltung der Benutzungsschnittstelle wurden einschlägige Normen und gängige Richtlinien aus dem MCI-Bereich sowie als Zielgruppen-spezifische Anpassung und Ergänzung selbst erarbeitete Richtlinien herangezogen. Die sehr frühe Einbeziehung der Klienten im exemplarischen Anwendungsbereich zusammen mit einer in mehreren Iterationen erfolgten Entwicklung resultierte in ein benutzer- bzw. klientenzentriertes Design der BEF-Applikation. Durch die durchgängig angewendete iterative und partizipative Vorgehensweise konnten die Anforderungen der Anwender umfassend berücksichtigt werden.

Es zeigte sich, dass der Zugang zur BEF-Applikation verbessert wurde, indem zu den jeweiligen zu vermittelnden Sachverhalten verschiedene, alternative Arten von Erklärelementen (Text, Bild, Animation etc.) zur Verfügung standen. Es wurden damit Klienten erreicht, die bedingt durch ihre kommunikativen Beeinträchtigungen oftmals in ihren Kompetenzen des Denkens und Verstehens unterschätzt werden. Hier griffen die erstellten animierten 3D-Szenen mit Avataren besonders gut. Konzentration und Interesse bzgl. der Inhalte in den Videos waren ausdauernd feststellbar. Durch den Einsatz von Avatar-Animationen, welche symbolhaft verschiedene Handlungsszenarien abbilden, war das Verstehen von Inhalten besser möglich. Die reduzierte visuelle, stilisierte Gestaltung dieser dynamischen Figuren erreichte hier Menschen mit sogenannten Lernschwierigkeiten gut und beförderte die kognitive Auseinandersetzung mit Inhalten, die aufgrund ihrer Komplexität sonst, ohne diese technische Unterstützung, unerreichbar bleiben.

Einzelbilder aus der Szene "sich in verschiedenen Umgebungen fortbewegen"
Einzelbilder aus der Szene "sich in verschiedenen Umgebungen fortbewegen"

Auch führte die partizipative Entwicklung zu einem Ansatz, der ein BEF für Klienten verschiedenartig individualisierbar macht, z.B. über Adaptierungsfunktionen für Texte und Bilder/Erklärelemente. Zur Berücksichtigung unterschiedlicher Beeinträchtigungen unterstützt die BEF-Applikation exemplarisch die Eingabe durch Touch- und Touchless-Gesten.

Neben der konkreten Verbesserung von BEF, vor allem durch den systematischen Einsatz von interaktiven Erklärelementen, trug das Projekt allgemein zu Fragen der kognitiven Zugänglichkeit bei und erzielte neue Erkenntnisse im Bereich des erforderlichen klienten-zentrierte Designs.

Über die beispielhafte Anwendungsdomäne des Projektes hinaus lassen sich zum einen die entwickelten Erklärelemente verwenden und zum anderen mittels der BEF-Umgebung (der zweiten Komponente des BEF-Werkzeugs) weitere BEF erstellen. Zudem ist der Einsatz nicht nur auf die Zielgruppe der kognitiv Beeinträchtigten beschränkt.

An dem interdisziplinären Projekt beteiligten sich Forscher der Fachgebiete Mensch-Computer-Interaktion, Softwaretechnik, Heil- und Behindertenpädagogik und Kognitive Psychologie, ein Beratungsunternehmen im Bereich personenzentrierter Hilfen sowie zwei Einrichtungen der Behindertenhilfe.

Kooperationspartner

Projektteam

Kontakt

Birgit Bomsdorf

Prof. Dr.

Birgit Bomsdorf

Dekanin des Fachbereichs Angewandte Informatik

Medieninformatik, Mensch-Computer-Interaktion

Gebäude 46, Raum 328
Prof. Dr. Birgit Bomsdorf +49 661 9640-327
Sprechzeiten
Mi 09:00 – 10:00 Uhr Nach Vereinbarung auch zu anderen Zeiten möglich

Projektinformation

Schlagworte:
interaktive Erklärelemente, 3D-Avatar-Szenen, elektronische Formulare, Barrierefreiheit, Inklusion, Usability, benutzerzentrierte Entwicklung und Evaluation, Web Engineering

Förderung: 
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderlinie "FHprofUnt - Forschung an Fachhochschulen mit Unternehmen"

Projektlaufzeit: 
September 2012 - Juni 2015

 

 

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