Entwicklung und Erprobung eines Software-Werkzeugs zur Realisierung von barrierefreien e-Formularen unter Einsatz von interaktiven Erklärelementen

In dem Vorhaben wurde ein Software-Werkzeug zur ingenieurmäßigen Erstellung und Nutzung barrierefreier e-Formulare (BEF) entwickelt und erprobt. Diese e-Formulare zeichnen sich dadurch aus, dass sie sogenannte interaktive "Erklärelemente" beinhalten, welche die Verwendung der Formulare für Personen mit kognitiv bedingten Sprachproblemen, im Projekt als Klienten bezeichnet, erleichtern. Während das vorliegende Projekt auf die Entwicklung eines Software-Werkzeugs zur BEF-Erstellung und -Nutzung fokussierte, beschäftigte sich das ergänzende Forschungsprojekt inBEF mit der Erforschung und Entwicklung innovativer Erklärelemente.

Als beispielhafter Anwendungsbereich diente die in Beratungsgesprächen für Menschen mit Beeinträchtigungen durchgeführte Hilfe- und Teilhabeplanung. Dazu existierte bereits ein PDF-basiertes Formular des Projektpartners IPH - die sogenannte ITP (Integrierte Teilhabeplanung) - sowie eine Version davon in leichter Sprache. Dieses ITP-Formular wird vom zweiten Projektpartner EVIM bereits seit einigen Jahren eingesetzt und ist Grundlage der Finanzierung der Hilfeleistungen für die Klienten.

Die ITP stellt aber auch einen (Gesprächs-)Prozess dar, was sich in einigen Besonderheiten des ITP-Formulars und der Art seiner Verwendung widerspiegelt. Dem konnte durch die Umsetzung der BEF in Form einer interaktiven Anwendung, der BEF-Applikation, weit besser Rechnung getragen werden, als mittels eines klassischen Formulardokuments, angezeigt etwa in einem PDF-Reader. Beispielsweise unterstützt die BEF-Applikation mehrere Versionen von Erklärelementen zu einem Sachverhalt, zwischen denen gewählt werden kann, um den individuellen Bedürfnissen von Klienten entgegen zu kommen. Insofern wurde das als BEF implementierte ITP-Formular im Projektverlauf vom ursprünglichen Formular-Format zu einem Instrument zur Unterstützung des Prozesses der integrierten Teilhabeplanung weiterentwickelt.

Der Fokus hinsichtlich der Barrierefreiheit lag auf Personen mit eingeschränkten Kommunikationsfähigkeiten, die in unterschiedlicher Art und Weise sowohl sprachlich (Schreiben und Lesen) als auch im kommunikativen Ausdruck gehandicapt sind. Diese Nutzer sind die im Projekt betrachtete primäre Zielgruppe eines BEF. Im Vordergrund der Entwicklung standen Nutzungsszenarien, in denen ein Klient das Formular zusammen mit einer weiteren Person, z.B. einem professionellen Betreuer oder einem Angehörigen, ausfüllt. Im Projekt als Assistenten bezeichnet, bilden diese Anwender eine weitere große Nutzergruppe.

Im Rahmen des durchgeführten Projekts wurden zwei zentrale softwaretechnische Ergebnisse entwickelt und erprobt:

  • das BEF-Werkzeug zur systematischen Erstellung und Nutzung, insbesondere zum Testen von barrierefreien bzw. barrierearmen e-Formularen, und
  • die ITP-BEF-Umsetzung, die als konkreter Anwendungsfall eine exemplarische Umsetzung des existierenden PDF-Formulars der ITP (integrierte Teilehabeplanung) als BEF darstellt.

Das BEF-Werkzeug umfasst als Teilergebnisse das BEF-Meta-Modell, das BEF-Autorenwerkzeug zur Erstellung von Formularen und die BEF-Applikation zur interaktiven Nutzung der Formulare. Das Werkzeug folgt dabei einem modell-basierten Ansatz, wobei Modelle von BEF auf drei Abstraktionsstufen existieren:

  • das Meta-Modell, das die Bausteine und Konstruktionsvorschriften zur Formularerstellung beinhaltet,
  • die damit erstellten leeren Formularbögen (Formular-Modell) und
  • die konkreten Formularinhalte einzelner Formulare (Formular-Instanzen).
Überblick über die Komponenten des BEF-Werkzeugs sowie die beinhaltete Modell-Hierarchie
Überblick über die Komponenten des BEF-Werkzeugs sowie die beinhaltete Modell-Hierarchie

Zusätzlich zu den Anwendungsdaten sind diese Modelle in einer Datenbank hinterlegt, über die die Erstellung und Modifizierung der verschiedenen BEF erfolgt.

An dem interdisziplinären Projekt beteiligten sich Forscher der Fachgebiete Mensch-Computer-Interaktion, Softwaretechnik, ein Beratungsunternehmen im Bereich personenzentrierter Hilfen sowie eine Einrichtung der Behindertenhilfe.

Kooperationspartner

Projektteam

Kontakt

Birgit Bomsdorf

Prof. Dr.

Birgit Bomsdorf

Dekanin des Fachbereichs Angewandte Informatik

Medieninformatik, Mensch-Computer-Interaktion

Gebäude 46, Raum 328
Prof. Dr. Birgit Bomsdorf +49 661 9640-327
Sprechzeiten
Di 11.00 - 12.00 Uhr Nach Vereinbarung oder per Aushang in System2Teach auch zu anderen Zeiten möglich.

Projektinformation

Schlagworte: 
elektronische Formulare, Barrierefreiheit, Usability, modellbasierte Entwicklung, Softwareentwicklung, Web Engineering

Förderung: 
Land Hessen, Innovationsförderung Hessen, LOEWE-Förderlinie 3 (KMU-Verbundvorhaben)

Projektlaufzeit: 
April 2012 - Dezember 2014

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