Forschung zur Zukunft des Internet-Routings
:
Zusammenarbeit mit der University of Toronto
02.10.2025

Prof. Dr. Rieger, Lucas Nickel, J.J. Garcia-Luna-Aceves und Dr. Morteza Moghaddassian
Im Mittelpunkt dieser Kooperation steht die Entwicklung eines neuartigen, intent-basierten und oszillationsfreien Routings für den Internet-Backbone, an dem Prof. Garcia-Luna-Aceves bereits seit seiner Zeit an der University of California, Santa Cruz, als Principal Scientist am Palo Alto Research Center (PARC) und als Center Director bei SRI International (SRI) in Menlo Park forscht. Gemeinsam mit Professor Garcia-Luna-Aceves, Dr. Morteza Moghaddassian (beide University of Toronto) und dem Masterstudenten Lucas Immanuel Nickel von der Hochschule Fulda und dem DE-CIX in Frankfurt – welcher für sechs Monate mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) am CENIT tätig ist, um seine Abschlussarbeit anzufertigen – widmet sich die Forschungskooperation der Anpassung des Border Gateway Protocol (BGP). Ziel ist es, die Pfadauswahl stärker an den spezifischen Anforderungen verschiedener Anwendungen zu orientieren. Dadurch können beispielsweise Anwendungen, die eine hohe Interaktivität bzw. geringe Latenz erfordern über andere Pfade von der Quelle zum Ziel geleitet werden, als Anwendungen, die eine hohe Bitrate (Up-/Download-Geschwindigkeit) benötigen. Auch eine adaptive Vermeidung bestimmter Transit-Router z.B. bestimmter Internet-Anbieter oder Länder wird damit ermöglicht. Dies lässt sich auch mit neuen Internet-Standards, die dies nutzen können, wie z.B. Multi-Path QUIC oder Transport Services kombinieren, die etablierte Socket-Programmierung bei der IETF erweitern und ablösen sollen.
Die Zusammenarbeit fügt sich nahtlos in die laufenden Projekte am CENIT ein, darunter Intent-Oriented Networking (ION) und Manifest-based Intelligent Transport Services (MINTS) ein. Die entwickelten Konzepte wurden im Rahmen der Masterarbeit in der Open Source Routing-Platform goBGP prototypisch implementiert und anhand großer Netztopologien (z.B. basierend auf einer Referenz Topologie des deutschen Forschungsnetzes mit 50 Knoten) in einer Kubernetes-Testumgebung getestet. Hierzu sind gemeinsame Veröffentlichungen und ein weiterer Austausch mit zukünftigen Masterand*innen und Promovend*innen geplant.
Der Besuch in Toronto bot nicht nur wertvolle Einblicke in die aktuelle Forschung, sondern lieferte auch wichtige Impulse für zukünftige gemeinsame Forschung und Lehre.