Rückblick: ELVe Nachwuchspreisverleihung am 13.12.2023

10 Jan 2024

Das Wissenschaftliche Zentrum ELVe zeichnete auch im Dezember 2023 wieder herausragende Abschlussarbeiten im Rahmen des ELVe-Nachwuchspreis aus.

Neun Abschlussarbeiten, darunter eine Masterarbeit, acht Bachelorarbeiten sowie eine Projektarbeit, wurden durch die Betreuenden für den Nachwuchspreis empfohlen. Die zur Bewertung eingereichten Arbeiten umfassten erneut ein breites Themenspektrum und lieferten neue Erkenntnisse und praktische Empfehlungen zu verschiedenen Handlungsfeldern, wie der Gemeinschaftsverpflegung, der Ernährungsberatung und -bildung, der Gesundheitsversorgung und der Konsumforschung.
Drei der eingereichten Arbeiten wurden schließlich in den Kategorien „Ernährung“, „Lebensmittel“ und „Versorgung“, die die Kernschwerpunkte des Zentrums ELVe sind, durch den Nachwuchspreis ausgezeichnet. 

Der Stress für die Zelle – oxidativer Stress
Oxidativer Stress wird mit zahlreichen chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Doch wie lässt sich dieser im menschlichen Organismus bestimmen? Dafür hat Nina Sonntag in ihrer Bachelorarbeit einen neuartigen in vitro-Reportergen-Assays entwickelt und validiert, um die Aktivität des sogenannten Keap1-Nrf2-Signalwegs zu messen und damit den oxidativen Stress im Humanserum zu bestimmen. Biomarker für oxidativen Stress im Humanserum können zum Beispiel für die Bewertung des Behandlungserfolgs von Krankheiten relevant sein. Im Rahmen der Arbeit wurde eine stabile HEK293-Reporterzelllinie verwendet, die mit Humanserumproben behandelt wurde, woraufhin die oxidative Belastung durch drei Interventionen erhöht wurde: eine Radfahreinheit unter Belastung, die Einnahme des Medikaments Tecfidera® und eine Ganzkörper-Kryostimulation. 
Das experimentelle Vorgehen, in dessen Rahmen Nina Sonntag ambitioniert Neuland betrat, und die sorgfältige und gut ausgearbeitete Methodik wurden von der Jury besonders betont. Die Arbeit, die Professor Dr. Marc Birringer im Rahmen des Studiengangs Oecotrophologie betreute, erhielt damit den ELVe-Nachwuchspreis in der Kategorie „Ernährung“.

Mit Insekten in der Gemeinschaftsverpflegung für die Umwelt? 
Insekten können eine ressourcenschonende und umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichem Fleisch darstellen und weisen zudem ein wachsendes Marktpotenzial auf. In der Gemeinschaftsverpflegung stehen ihrem Einsatz allerdings zahlreiche Herausforderungen entgegen. Das fand Manuel Girlach in seiner Bachelorarbeit zur Integration von insektenbasierten Mahlzeiten in das Speiseangebot der Mensa der Hochschule Fulda heraus, indem er Literaturreviews und eine standardisierten Onlinebefragung von 333 Mensagästen der Hochschule Fulda durchführte. Das Ziel des Absolventen des Bachelorstudiengangs war es, Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um Insekten in das Speiseangebot der Hochschule Fulda zu integrieren. Die Arbeit von Manuel Girlach verdeutlichte nicht zuletzt das Potential der Insekten durch das festgestellte Interesse an insektenbasierten Mahlzeiten bei einem nicht unerheblichen Teil der Mensagäste. 
Nicht nur wegen der hohen aktuellen Relevanz des Themas vor dem Hintergrund des gravierenden ökologischen Impacts unserer gegenwärtigen Ernährungssysteme und der tragenden Rolle der Gemeinschaftsverpflegung wurde die Arbeit im Schwerpunkt „Lebensmittel“ ausgezeichnet. Die von Professorin Dr. Linda Chalupová betreute Arbeit bestach außerdem durch ein gutes und plausibles methodisches Vorgehen und eine hohe Praxiszugewandtheit.

Wenig erforscht, hoch relevant – Lehrküchen in der Gruppen-Ernährungsberatung
Lehrküchenveranstaltungen (LKV) sind Teil eines Methodenrepertoires, um Erkrankte im Rahmen von Rehabilitationsmaßnahmen therapeutisch dabei zu unterstützen, sich selbstständig gesundheitsbewusst zu ernähren. Allerdings gibt es für den Einsatz von LKV islang keine konkreten Vorgaben oder Kriterien.  Preisträgerin Anne Földesi befasste sich deshalb mit dem Stellenwert der bislang wenig erforschten ernährungsmedizinischen Interventionsmaßnahme. Durch ein qualitatives Forschungsdesign mit Ernährungsfachkräften identifizierte sie unter anderem die praktischen und strukturellen Herausforderungen in der Umsetzung von LVK und entwickelte wesentliche Handlungsempfehlungen für die Qualitätssicherung und -verbesserung. Die Arbeit der Oecotrophologie-Absolventin liefert wichtige Grundlagen für ein laufendes Forschungsprojekt. 
Nach Auffassung der Jury zeichnete sich die von Professorin Dr. Sigrid Hahn betreute Arbeit durch eine umfassende und gründliche Durchdringung des Themas und die gute methodische Umsetzung aus. Auch wurde der Beitrag zur Schließung einer Forschungslücke in der ernährungstherapeutischen Versorgung gelobt. So erhielt Anne Földesi den Nachwuchspreis im Schwerpunkt „Versorgung“.

„Isst das Kunst oder kann das weg?!“
Das Studienprojekt im Rahmen des Studiengangs Oecotrophologie mit diesem mehrdeutigen Titel erhielt in diesem Jahr den Nachwuchspreis für die beste Projektarbeit. Das Projekt hatte zum Ziel, eine breite Öffentlichkeit für das Thema Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren und zugleich Möglichkeiten zu deren Vermeidung aufzuzeigen. Die Projektgruppe, die aus Johanna Gibbe, Fee Sophie Günther, Theresa Lappel, Marcel Piontkowski, Sara Schreiber, Jonathan Schwarz und Piotr Swinarski bestand, machte unter Betreuung von Professorin Dr. Rohtraud Pichner auf vielfältige und kreative Weise auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Neben mehreren künstlerischer Inszenierungen (unter anderem in Kooperation mit einer Street-Art-Künstlerin) zu Diensten der Lebensmittelwertschätzung entwickelte die Projektgruppe Bildungseinheiten für Schulklassen, einen Aktionsstand auf der Landesgartenschau sowie Workshops für die MINT-Labor-Tage. Zudem wurde eine bestehende Onlinepräsenz überarbeitet, ein Pinterest-Account erstellt und ein lokaler Zeitungsbeitrag initiiert.

Die Projektarbeit beeindruckte die Jury nicht nur durch den innovativen und kreativen künstlerischen Ansatz, sondern auch durch das vielgestaltige Kommunikationsdesign zur Stärkung der Reichweite der entwickelten Inhalte. Auch die Praxisrelevanz und das bewiesene hohe Engagement sowie die sehr gute Team- und Koordinationsfähigkeit der Studierenden überzeugten. Die Arbeit leistet nicht zuletzt einen richtungsweisenden Beitrag im Handlungsfeld nachhaltiger Ernährung. 

Fotocredit: Carola Holler/ELVe