Urban Citizenship: Zur Debatte um Stadtbürgerschaft im kommunalpolitischen Kontext
Vortrag PD Dr. Henrik Lebuhn, Stadt- und Regionalsoziologie & Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung, HU Berlin
Mittwoch, 21. Januar 2026 18-19 Uhr in Gebäude 20 Raum 010
Moderation: Ilker Ataç
Migration ist in Deutschland seit jeher ein gesellschaftlich umstrittenes Thema. In den letzten Jahren haben sich die öffentlichen Debatten jedoch noch einmal stark zugespitzt, auch aufgrund einer zunehmenden rechten Rhetorik und dem Erstarken rechter Bewegungen und Parteien. Das stellt vor allem auch Verantwortliche aus kommunalen Verwaltungen und Politik vor große Herausforderungen. Denn sie müssen einen Umgang mit jenen Menschen finden, die aufgrund ihres ausländerrechtlichen Status von verschiedenen Ausschlüssen betroffen sind und nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben vor Ort teilhaben können. Das betrifft z.B. die Gesundheitsversorgung, schulische Bildung oder Wohnunterbringung. Vor diesem Hintergrund wird eine Transferwissensstudie vorgestellt, die 2023/24 im Auftrag des vhw-Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung an der Humboldt Universität zu Berlin entstanden ist. Diese setzt sich mit der internationalen Debatte um "Stadtbürgerschaft" auseinander. Unter dem Begriff werden in der Stadt- und Migrationsforschung seit den 1990er Jahren lokale Politiken der Teilhabe diskutiert; insbesondere mit Blick auf die Ein- und Ausschlüsse im Alltagleben von Menschen mit prekärem oder fehlendem Aufenthaltsstatus. Auf theoretisch-analytischer Ebene bietet die Debatte ein Gerüst zum besseren Verständnis von "unsichtbaren" Grenzen und dem abgestuften Zugang zu Rechten und Ressourcen in der Stadt. Normativ wird mit Blick auf den urbanen Alltag argumentiert, dass Zugehörigkeit und Teilhabe nicht an die Nationalität und den Aufenthaltsstatus gekoppelt werden sollten, sondern sich über den Wohnort und den Lebensmittelpunkt definieren müssen. Ausgewählte Praxisbeispiele aus Städten, die sich als Sanctuary Cities, Solidarity Cities oder solidarische Städte explizit einer migrationsfreundlichen Politik verpflichtet sehen, ergänzen den konzeptionellen Teil und illustrieren das Konzept der "Stadtbürgerschaft" und dessen Umsetzung.
Der Vortrag ist öffentlich und die Teilnahme kostenlos. Studierende sind herzlich willkommen!