Suche nach Therapie und Beratung

Wie gehe ich vor, wenn ich eine psychotherapeutische Behandlung suche?

Für eine psychotherapeutische Behandlung braucht man Leidensdruck und  Motivation, durch Gespräche die seelische Problematik mit fachlicher Hilfe anzugehen bzw. aufzuarbeiten.

Nach einer Motivationsphase z.B. durch den Hausarzt, Angehörige oder Helfer in Notfallsituationen geht es nun darum, die geeignete Therapieform und den geeigneten Therapeuten bzw. Therapeutin zu finden. Zu den Therapieformen finden Sie unten weitere Informationen.

Die Suche nach einem Therapeuten/in hängt ab von dem Versorgungsangebot vor Ort, von der Art der Therapie, für die Sie sich entschieden haben oder die Ihnen empfohlen wurde. Wenn Sie noch nicht wissen, welche Therapierichtung sinnvoll ist, sollten Sie mit einem Therapeuten, Facharzt,  einer Ambulanz oder qualifizierten Beratungsstelle 1 bis 2 diagnostische Gespräche zur Indikationsstellung und Beratung führen und sich entsprechende Adressen geben lassen. Für das diagnostische Erstgespräch beim ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten sollten Sie sich einen Überweisungsschein des Hausarztes, auf dem "Psychotherapie" und eventuell eine Verdachtsdiagnose steht, ausstellen lassen. Sie können mit ärztlichen Psychotherapeuten (meist Fachärzte) und mit psychologischen Psychotherapeuten auch direkt ohne Überweisungsschein ein Erstgespräch vereinbaren. Fragen Sie beim telephonischen Erstkontakt nach, welche Formalitäten erforderlich sind.

Häufig müssen Patienten mehrere Therapeuten/innen in einem Erstgespräch aufsuchen, um den/die richtige/n zu finden. Neben der Fachkompetenz muss die zwischenmenschliche „Chemie“ stimmen: Sie sollen das Gefühl haben, sich vertrauensvoll mitteilen und öffnen zu können. Sie können im gleichen Quartal nacheinander mehrere Erstgespäche führen, um den passenden Therapieplatz zu finden; hier benötigen Sie jeweils einen Überweisungsschein des Hausarztes. 

Nach z.B. zwei diagnostischen Erstgesprächen kommen Sie und der Therapeut/in zu einer Therapievereinbarung. Je nach Therapie muss der/die Therapeut/in bei der Kasse einen ausführlichen Antrag zur Kostenübernahme über die geplante Therapie verfassen. Dieser Antrag wird von der Kasse in einem separaten, verschlossenen Briefumschlag an einen Gutachter weitergeleitet, der über die Indikation und die Kostenübernahme entscheidet. Die Angaben, die der Gutachter erhält, sind anonymisiert. Die Krankenkasse kennt nur die allgemeine Diagnose, sie hat keinen Zugang zu den Inhalten des Antrags. Dieser Prozess dauert mehrere Wochen. Bis zum Therapiebeginn, der sich manchmal einige Wochen oder mehrere Monate (da aktuell kein Therapieplatz frei ist) hinzieht, macht es Sinn, einige Termine zur Überbrückung zu vereinbaren.

Werden Beratungstermine und psychotherapeutische Behandlung von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) und Privaten Krankenversicherung (PKV) bezahlt?

GKV: Der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) obliegt die Sicherstellung der ambulanten Versorgung der in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versicherten Bevölkerung (ca. 90 %). Die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen ist durch Richtlinien der GKV geregelt. Die damit verbundenen Kosten werden von den Krankenkassen bei gegebener Indikation und nach gutachterlicher Prüfung übernommen. Der Therapeut muss von der KV für die gewählte Psychotherapiemethode zugelassen sein.
PKV: Private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen haben unterschiedliche, aber ähnliche Regelungen wie die GKV.

Wer ist was in der psychotherapeutischen Versorgung?

Psychotherapien werden im Rahmen der ambulanten Versorgung (Kassenpatienten im Bereich der GKV) von folgenden Fachleuten, die von der Kassenärztlichen Vereinigung zugelassen sind, durchgeführt.
Ihre Bezeichnungen sind historisch gewachsen, verändern sich gelegentlich und sind nicht immer einfach zu verstehen. Folgende Ärzte/innen, Psychologen/innen und Kindertherapeuten/innen sind in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung tätig:

Für Erwachsene:

1.   Psychotherapeutisch tätige Ärzte
      Arzt oder Facharzt mit Zusatzausbildung Psychotherapie

2.   Fachärzte für Psychotherapeutische Medizin oder
      Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
      Facharzt mit Schwerpunkt Psychosomatik und Psychotherapie

3.   Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie (und Neurologie)
      Facharzt mit Schwerpunkt Psychiatrie und Psychotherapie
      Einige sind zugleich Fachärzte für neurologische Erkrankungen

4.   Psychologische Psychotherapeuten
      Psychologe mit Zusatzausbildung Psychotherapie

Für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr:

5.   Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie
      Fachärzte mit Schwerpunkt Psychiatrie und Psychotherapie

6.   Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten
      Psychologen oder Pädagogen mit einer Zusatzausbildung in Kinder-     
      und Jugendlichen-Psychotherapie.

Welche Psychotherapieverfahren sind in der ambulanten Versorgung zugelassen?

Aus der o.g. Fachbezeichnung des Arztes/der Ärztin bzw. des/der Psychologen/in wird leider nicht deutlich, für welche Art von Psychotherapie der Therapeut qualifiziert und von der Kassenärztlichen Vereinigung zugelassen ist. Dies können Sie bei der KV, manchmal bei Ihrer Krankenkasse, aber am besten bei dem Arzt bzw. Psychologen selbst erfragen.
Sie finden in den nachfolgenden Therapeutenlisten einen Link zum Ärzte- Verzeichnis der KV, in dem die Therapierichtung, Sprechzeiten und Kontaktdaten des Therapeuten angegeben sind.

In den Richtlinien zur psychotherapeutischen Versorgung sind im Wesentlichen zwei Therapierichtungen zugelassen:

1.   die psychoanalytisch begründeten Verfahren

Hier wird die unbewusste Psychodynamik des Patienten d.h. die Entstehung der seelischen Störungen durch Konflikte oder Traumen im Laufe der Biographie sowie das Auftauchen in der aktuellen Lebenssituation behandelt. Diese Dynamik spiegelt sich auch im Kontakt zwischen dem Patient und dem Therapeuten wider (Übertragung, Gegenübertragung). Ziel dieser Therapieformen ist das Verständnis und die Beseitigung der zugrundeliegenden unbewussten Konflikte und eventueller Beeinflussung der seelischen Struktur des Patienten.

2.   die Verhaltenstherapie

Hier geht es um die Beeinflussung und Veränderung von seelischen Störungen auf der Basis der Lerntheorie. Ziel ist primär die Symptombeseitigung und Verhaltensänderung durch verschiedene Methoden und Übungen.

3.   weitere Methoden

Ferner sind noch übende und suggestive Techniken zugelassen wie: 
Autogenes Training, Muskelrelaxation nach Jacobson und Hypnose.

Andere Formen von Psychotherapie wie z.B. „Klientenzentrierte Psychotherapie nach Rogers“, „Gestalttherapie“ oder „Systemische Psychotherapie“ sind keine von der GKV anerkannten Therapieverfahren und werden von den Krankenkassen nicht finanziert.

Welche Formen von Psychotherapie werden in der ambulanten Versorgung angeboten und wie viele Behandlungsstunden werden von der GKV finanziert?

In den Psychotherapie-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen sind folgende Verfahren möglich:

1.  Psychoanalytische Verfahren:

     1.1  Kurzzeittherapie (max. 25 Behandlungsstunden a 50 min)
     1.2  Langzeittherapie
            1.2.1  Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (max. 100 Std.)
            1.2.2  Analytische Psychotherapie (max. 300 Std.)

2.  Verhaltenstherapie (VT):

     2.1  Kurzzeit-VT (max. 25 Std)
     2.2  Langzeit-VT (max. 80 Std.)       

Diese Behandlungen sind Einzeltherapien. Es gibt für nahezu alle Formen auch Gruppentherapien, wobei sich die max. Behandlungsstunden reduzieren.