Projekt integrativer Sport: Ein Theorie-Praxis-Seminar des Fachbereichs Sozialwesen an der HS Fulda

Integrationssport

Die Integration von Menschen mit einer Behinderung in das gesellschaftliche Leben als erklärtes Ziel kennt im Schulbereich verschiedener Bundesländer unterschiedliche Modellversuche, jedoch bleibt sie für den außerschulischen Bereich in Deutschland weitestgehend noch immer eine Vision. Es dominiert die institutionalisierte Segregation behinderter Menschen. Zum "Normalitätsprinzip", wie es etwa in Schweden gilt, ist es noch ein weiter Weg.
Integration von Menschen mit einer Behinderung im Sport kennt vielfältige Ansätze. In Sportvereinen werden teilweise Sinnes- und Körperbehinderte (außer CP) in verschiedenen Sportarten integriert, die Einbeziehung von Menschen mit einer geistigen Behinderung scheint sich problematischer darzustellen.
Projekte mit Familiensportgruppen (Kapustin in Würzburg; Rheker in Paderborn) oder das Projekt "Integrationssport" der Hessischen Sportjugend (Fediuk in Kassel) unter Einbeziehung von Studenten wird hauptsächlich über die Kooperation "geübter" Nichtbehinderter (Familienangehörige, Studierende) mit den geistig Behinderten realisiert.

Integrative Sportgruppen können unterschiedlich organisiert sein:

  • In einem Verein des Behinderten - Sportverbandes bzw. dessen Landesverbände, wobei das integrative Moment durch die Teilnahme von Partnern oder interessierten Freunden erfüllt wird,
  • In Sportabteilungen anderer Vereine oder Institutionen (z. B. Jugendzentren),
  • Als Kooperationsprojekt zwischen Institutionen/Bildungseinrichtungen (z. B. HS) und Behinderten- oder Rehabilitationseinrichtung.

Als Ziele werden für die behinderten Teilnehmer angestrebt:

  • Soziale Integration in eine neue, feste Gruppe außerhalb der Behinderteneinrichtung,
  • Entwicklung gegenseitiger Akzeptanz in der Auseinandersetzung mit nichtbehinderten (jüngeren) Erwachsenen,
  • Entwicklung einer realistischen Selbsteinschätzung im sportlichen und sozialen Verhalten.

Für Nichtbehinderte steht die Förderung ihrer sozialen Kompetenz im Vordergrund, bezogen auf

  • Kennen und akzeptieren lernen von Menschen mit beeinträchtigtem Leistungsvermögen, Abbau von Ängsten im Umgang mit ihnen,
  • Entwickeln von Fähigkeiten des kompetenten, einfühlsamen Helfens und Verstehens von Menschen mit Behinderungen,
  • Erleben von Freude und Spaß beim gemeinsamen Handeln im Sport.

Unter der Prämisse des gegenseitigen Annehmens und der Schaffung von Voraussetzungen zum individuellen und differenzierten Entfalten von Fähigkeiten und Fertigkeiten steht das gemeinsame Erleben der Leistungsmöglichkeiten im Zentrum des Integrationssportes.

Folgende Anforderungen charakterisieren den Integrationssport allgemein:

  • Die Sicherstellung eines behindertenspezifischen Übungsangebotes unter Berücksichtigung der Entwicklungsbesonderheiten der Teilnehmer,
  • Die Auswahl von behindertengerechten Übungen bzw. Modifizierung von Angeboten entsprechend der Bedürfnisse der Behinderten
  • Wahrung von Gleichberechtigung und Mitbestimmung bei der Auswahl und Durchführung des Sportangebotes.

Kommunikation und Interaktion von Behinderten und Nichtbehinderten sowie die Kooperation zwischen ihnen als Hauptmethode prägen den Integrationssport. Gemeinsames sportliches Handeln bei den verschiedenen Übungsformen bilden die Basis für die Realisierung der genannten Ziele des integrativen Sports.

"Integration hätte nichts mehr und nichts weniger zu leisten, als den durch Ausgrenzung behinderten oder von Ausgrenzung bedrohten Menschen in die belebte Beziehung der Menschen unter- und miteinander zurückzugeben bzw. ihn vor der Ausgrenzung zu bewahren, indem die kooperativ-kommunikative Kompetenz der Gemeinschaft gestärkt, der Dialog intensiviert wird."
(Georg Feuser)