PQHD: Hintergrundinformationen

Was sind haushaltsnahe Dienstleistungen?

Haushaltsnahe Dienstleistungen (HDL) umfassen vielfältige Aufgaben, die auch als familienbezogene,
familienunterstützende, haushaltsbezogene oder haushalts- und personenbezogene Dienstleistungen bezeichnet
werden (Bröcheler und Maier-Ruppert 2018). Für die jeweiligen Begriffe bzw. Tätigkeiten gibt es verschiedene
Definitionen.

Die Definition vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die auch der
sozialwissenschaftlichen Definition entspricht, lautet:

„Haushaltsnahe Dienstleistungen sind für viele Menschen eine wichtige Serviceleistung, die Erleichterung im Alltag schafft, und es ermöglicht, mehr Zeit mit der eigenen Familie zu verbringen, sich Hobbys oder dem beruflichen
Fortkommen zu widmen. Die Leistungen sollten von qualifiziertem Personal erbracht werden, das hauswirtschaftliche, pflegerische und/oder erzieherische Fähigkeiten, Lebens- und Berufserfahrung und einen ausgeprägten Sinn für die Dienstleistungen mitbringt. Das wird in einem professionellen und vertrauensvollen Umgang mit den Kundinnen und Kunden deutlich. Dazu zählt auch die Wahrung der Privatsphäre“ (BMFSFJ 2018).


Folgende Tätigkeiten werden dazu gezählt: Reinigung, Wäschepflege, Gartenarbeit, kleine Reparatur- und
Instandhaltungsarbeiten, Zubereitung von Mahlzeiten, Einkäufe erledigen, Aufräumarbeiten, Unterstützung
pflegebedürftiger Angehöriger und Seniorinnen und Senioren, Fahrdienste, Kurier- und Botendienste, Unterstützung bei organisatorischen Tätigkeiten sowie Haus- und Tiersitting. Ausgenommen werden Tätigkeiten, für die eine
Fachausbildung benötigt wird, wie z.B. medizinische Alten- und Krankenpflege oder spezialisierte Handwerksleistungen (BMFSFJ 2018).

Davon abzugrenzen ist die steuerrechtliche Definition:

„Unter haushaltsnahen Dienstleistungen im Sinne des § 35a Absatz 2 Satz 1 Alternative 2 EStG werden Leistungen
verstanden, die eine hinreichende Nähe zur Haushaltsführung aufweisen oder damit im Zusammenhang stehen
(BFH-Urteil vom 20. März 2014, BStBl II S. 880). Das sind Tätigkeiten, die gewöhnlich Mitglieder des privaten Haushalts
erledigen und für die fremde Dritte beschäftigt werden oder für die eine Dienstleistungsagentur oder ein selbstständiger Dienstleister in Anspruch genommen wird.“ (BMF 2016)


Der Unterschied liegt darin, dass hierbei nicht die Tätigkeiten ausgeschlossen werden, für die eine besondere
Fachausbildung benötigt wird. So sind zum Beispiel spezialisierte Handwerksleistungen steuerlich als HDL absetzbar.

Aktuelle Situation

1.    Nachfrage: Etwa 10 % der privaten Haushalte in Deutschland nehmen HDL in Anspruch. Nachgefragt werden HDL eher von Haushalten mit hohen Einkommen und dabei vor allem von Haushalten mit erwerbstätigen Müttern und
älteren Menschen (Prognos 2012). Besonders durch die Pflege-Entlastungsleistungen liegt das Nachfragepotential noch weitaus höher.

2.    Beschäftigungsverhältnisse: Schätzungsweise sind 80 % der im HDL-Bereich Arbeitenden irregulär bzw. illegal
beschäftigt. Des Weiteren werden die HDL über Minijobs oder durch Dienstleistungsanbieter (Unternehmen in privater oder freier Trägerschaft) erbracht.

3.    Qualifikationen: Für die zwei Hauptbeschäftigungsformen (illegal, Minijobs) ist keine entsprechende Qualifizierung nötig, sodass die Qualität der Arbeit nicht gewährleistet werden kann. Die Dienstleistungsanbieter beschäftigen in der Regel qualifiziertes Personal. Überwiegend arbeiten Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund in den
Haushalten (Institut der Deutschen Wirtschaft 2016).

4.    Angebotsstruktur und Markttransparenz: Neben der Beschäftigung über Minijobs besteht die Angebotsstruktur aus haushaltsnahen Dienstleistungsunternehmen, Solo-Selbstständigen, Online-Vermittlungsplattformen,
Nachbarschaftshilfen und Pflegediensten. Regional gibt es dabei große Unterschiede.

Herausforderungen

1.    Nachfrage und Image: Derzeit kann die aktuelle Nachfrage nicht bedient werden. Bestehende Unternehmen haben Schwierigkeiten sich zu vergrößern und Neugründungen von Unternehmen gibt es wenige. Grund dafür ist fehlendes qualifiziertes Personal für den HDL-Bereich. Das negative Image von HDL im Privathaushalt in der Gesellschaft und die zudem geringe Bezahlung in diesem Bereich führen dazu, dass sich potenzielle Fachkräfte anderweitig orientieren. Die aktuelle gute Arbeitsmarktsituation für Arbeitnehmer*innen unterstützt das zusätzlich. Für die Stärkung der
Angebotsseite haushaltnaher Dienstleistungen werden neue qualifizierte Fachkräfte dringend benötigt. Das kann nur zusammen mit einer Imageaufwertung gelingen. Zusätzlich müssten Privathaushalte bereit sein, eine angemessene Qualität der Dienstleistungen entsprechend zu entlohnen.

2.    Beschäftigungsverhältnisse: Eine weitere Herausforderung liegt in den bestehenden Beschäftigungsverhältnissen, die hauptsächlich illegal oder Minijobs sind. Die wenigen sozialversicherungspflichtigen Anstellungen sind meist in
Teilzeit. Dadurch zahlen Arbeitnehmer*innen, in diesem Fall hauptsächlich Frauen, weniger Rentenbeiträge und können eher von Altersarmut betroffen sein.
Der Schwarzmarkt, aber auch viele Minijobanstellungen, verstärken zudem die Problematik von mangelnder Qualität und Zuverlässigkeit der Dienstleistungen, die durch nicht qualifiziertes Personal einhergeht. So kann es zur
Unzufriedenheit bei den Kund*innen, den Privathaushalten kommen.

3.    Angebotsstruktur und Markttransparenz: Potentielle Nachfrager*innen haben Schwierigkeiten den Markt zu
überblicken und ein geeignetes Angebot zu finden. Regionale Unterschiede und eine große Heterogenität der
Angebotsseite bewirken, dass sich die Professionalisierung und Qualitätssicherung haushaltsnaher Dienstleistungen als eine große Herausforderung und gleichzeitig als eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe darstellen.

Quellen:
Bundesministerium der Finanzen (Hrsg) (2016): Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushalts-nahe
Beschäftigungsverhältnisse und für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen (§35a EStG); Überarbeitung des BMF-Schreibens vom 10. Januar 2014 (BStBl I 2014 Seite 75)

Bundesfinanzhof-Urteil (BFH) vom 20. März 2014, BStBl II S.880

BMFSFJ Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2018): Professionalität bringt ihre Vorteile. Online unter: https://www.hilfe-im-haushalt.de/fileadmin/user_upload/Docs/BMFSFJ-Hilfe-im-Haushalt-den-Job-ausueben.pdf

Bröcheler, Mareike; Maier-Ruppert, Inge (2018): Betreuungsleistungen als haushaltsnahe Dienstleistungen - Definition und Abgrenzung. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft e. V. Online unter: https://www.dghev.de/fileadmin/user_upload/600_Publikationen/680_Positionspapiere/201810_dgh_Positionspapier__Betreuungsleistungen.pdf

IW Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.) (2016): Arbeitsplatz Privathaushalt. Online unter: https://www.iwkoeln.de/studien/iw-kurzberichte/beitrag/dominik-enste-arbeitsplatz-privathaushalt-295664.html

Prognos AG (Hrsg.) (2012): Dynamisierung des Marktes haushaltsnaher Dienstleistungen. Basel/Berlin. Online unter: https://www.prognos.com/fileadmin/pdf/publikationsdatenbank/121123_Prognos_Studie_Endbericht_Dynamisierung_Markt_HHDL.pdf