Tagung „Geschlechterverhältnisse und Ernährungssysteme im Wandel"

Aktuelle Debatten um transformative Zusammenhänge von Geschlecht und Ernährung

15.-16.01.2021, Online

Die Frage von Persistenz und Wandlungsfähigkeit von Geschlechterverhältnissen ist zentraler Gegenstand der Geschlechterforschung und rückt seit einigen Jahren auch wieder stärker in den Fokus gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Parallel verändern und diversifizieren sich sowohl Produktion als auch Konsum von Lebensmitteln. Ernährung ist dabei nicht bloß eine physische Notwendigkeit, sondern gleichsam mit sozialen Praktiken verbunden, die in ihrer Art und Ausgestaltung eine starke Identifikations- und Distinktionsfunktion besitzen. Dies bezieht sich keinesfalls nur auf die Nahrungsaufnahme als solche, sondern beginnt mit dem vermittelten Ernährungswissen, der Produktion und Distribution von Lebensmitteln, der Zubereitung von Speisen und letztlich der Ausgestaltung der Mahlzeiten. Diese Praktiken sind auf verschiedene Weise mit Geschlechterverhältnissen verschränkt. So lässt sich beispielsweise beobachten, wie über Ernährungspraktiken Geschlecht hergestellt wird und der Zugang zu Ressourcen der Nahrungsmittelproduktion zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt sind. Mit und durch die Corona-Pandemie gerät auch die un-gleiche Verteilung von Aufgaben der Ernährung und Versorgung als soziale Reproduktionsarbeit im und außerhalb des Haushalts stark in den Fokus.

Diese Verschränkungen sind Ausgangspunkt dieser Tagung, die einen Blick auf die transformativen Zusammenhänge von Geschlecht und Ernährung werfen will. Der Fokus liegt damit auf den Wechselwirkungen der Wandlungsprozesse von Geschlechterverhältnissen und Ernährungssystemen und thematisiert die gegenseitigen Wirkkräfte von (Re-)produktion sowie (De-)stabilisierung von Geschlechterverhältnissen in sich verändernden, zunehmend differenzierten und damit vielschichtigen Ernährungssystemen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern bestehende Geschlechterverhältnisse Wandlungsprozesse der Ernährungssysteme hemmen oder diese womöglich befördern.

Zur Identifizierung entsprechender Potenziale und Risiken sollen aktuelle Erkenntnisse und Forschungsansätze diskutiert und Forschungsdesiderate in diesem interdisziplinären Forschungsfeld herausgearbeitet werden. Es stellen sich hierbei Fragen danach, welche Kontinuitäten und Wandlungsprozesse sich mit Blick auf Geschlechterverhältnisse zeigen, wenn sich Produktions- und Kon-sumptionsformen von Lebensmitteln verschieben und transformative Praktiken entstehen. Welche Geschlechterzuschreibungen werden beispielsweise im Kontext der Ernährungsbildung wie vermittelt? Welcher vergeschlechtlichenden Bilder bedienen sich alternative Ernährungsnetzwerke? Wie wirkt sich die zunehmende Außer-Haus-Verpflegung auf die Arbeitsteilung im Haushalt aus? Wie werden Veganismus und Männlichkeit verhandelt? Welche Verschiebungen der Geschlechterverhältnisse lassen sich durch und in der Corona-Pandemie beobachten?

Anmeldung zur Teilnahme bei angelina.heumueller@oe.hs-fulda.de.

Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier.

Die Ankündigung der Veranstaltung im pdf-Format finden Sie hier.

 

Veranstalterinnen:

Prof. Dr.

Jana Rückert-John

Dekanin

Soziologie des Essens

Gebäude 40 , Raum 008
Prof. Dr.Jana Rückert-John+49 661 9640-+49 661 9640-3885
Sprechzeiten
Dienstags 17 Uhr; in den vorlesungsfreien Zeiten nur nach Vereinbarung

Carla-Mareike Wember

Gebäude 40 , Raum 207