Veranstaltungsdetails
ELVe-Jahrestagung 2025
13.12.2025
Deutlich wurde einmal mehr: Die Notwendigkeit von Transformationsprozessen hin zu nachhaltigen und zukunftsfähigen Ernährungssystemen ist in weiten Teilen der Gesellschaft unbestritten. Uneinigkeit aber besteht über die Wege und Bedingungen für diesen Wandel. Zwischen sozialer Gerechtigkeit, technologischer Innovation und wirtschaftlicher Tragfähigkeit entstehen Spannungsfelder, die zugleich Herausforderungen, aber auch Chancen für neue Lösungswege eröffnen.
Die Tagung unterstrich, wie wichtig inter- und transdisziplinäre Forschungsansätze sind, um Zielkonflikte sichtbar zu machen und ihnen konstruktiv zu begegnen. Zugleich eröffnete sie Raum für disziplinübergreifenden Austausch, Vernetzung und ein gemeinsames Weiterdenken der „Ernährung der Zukunft“.
Eröffnet wurde die Tagung durch Prof. Dr. Martina Ritter, Vizepräsidentin für Forschung und Transfer der Hochschule Fulda, während Prof. Dr. Tonia Ruppenthal als Mitglied der ELVe-Zentrumsleitung im Anschluss in das Tagungsthema einführte.
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Keynote:
Dr. Martin Kussmann vom Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) Bayern eröffnete die Tagung mit seiner Keynote „Thoughts about food – food for thought“. In einem pointierten Überblick verdeutlichte er, wie eng Ernährung, Planetary Health und die Belastungsgrenzen unseres Ernährungssystems miteinander verknüpft sind. Dabei betonte er die Notwendigkeit einer umfassenden Transformation hin zu gesunden, nachhaltigen und verantwortungsvoll gestalteten Ernährungssystemen – gestützt durch moderne Forschung, Digitalisierung und innovative Technologien.
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Moderiert von Prof. Dr. Antje Risius widmete sich die erste Session der Tagung dem Themenfeld „Plant-based Foods – technologischer Fortschritt und Limitationen“:
Prof. Dr. Rohtraud Pichner von der Hochschule Fulda (Fachbereich Oecotrophologie) machte in Vertretung für Mehdi Shah den Auftakt und stellte Ergebnisse seiner Promotionsarbeit zu aktuellen Ansätzen der Optimierung pflanzlicher Fermentationsprodukte vor. Die vorgestellte Arbeit zeigte, dass hybride Hafer-Lupinen-Formulierungen das Potenzial haben, Defizite pflanzlicher Joghurtalternativen zu reduzieren – ohne Zusatzstoffe und mit verbesserter Sensorik und Stabilität. Damit verdeutlicht die Arbeit, wie technologische Entwicklung und regionale Rohstoffe zum Aufbau nachhaltiger und akzeptierter Alternativen beitragen können.
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Daniel Steinhausen, Absolvent der Hochschule Fulda (Fachbereich Lebensmitteltechnologie), stellte Ergebnisse seiner Bachelorarbeit vor, für die er im letzten Jahr mit dem ELVe-Nachwuchspreis (Prämierung herausragender Abschlussarbeiten) ausgezeichnet wurde. Er evaluierte Umweltauswirkungen von Produkten aus Cellular Agriculture, einer Technologie zur kontrollierten Kultivierung von Zellen in Bioreaktoren. Seine Analysen zeigen: Während innovative Zellkulturverfahren neue Wege eröffnen, sind sie ökologisch bislang nur bei bestimmten Luxusprodukten wie Kaffee konkurrenzfähig – ein Hinweis auf die Komplexität technologischer Lösungen in der Transformation.
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Der Vortrag „Umweltauswirkungen unterschiedlicher Ernährungsstile in Deutschland“ von Felix Lücking von der corsus corporate sustainability GmbH in Hamburg musste krankheitsbedingt leider ausfallen.
Die zweite Session, moderiert von Prof. Dr. Tonia Ruppenthal, richtete den Fokus auf „Alternative Formen der Ernährung“ aus einer soziologischen Perspektive:
Dr. Martin Winter und Désirée Janowsky von der Hochschule Fulda (Fachbereich Oecotrophologie) gaben Einblicke in das Teilprojekt Nutritionen des DFG-Forschungsimpuls SaFe – Shaping Future Society. Ihre Analyse alternativer Ernährungsformen – von solidarischer Landwirtschaft bis Food Coops – zeigte, wie gemeinschaftsbasierte Ansätze ökologische, soziale und ökonomische Herausforderungen zugleich adressieren und Impulse für nachhaltige Ernährungspraktiken geben. Der Beitrag machte sichtbar, welches transformative Potenzial gemeinschaftsbasierte Ernährungsformen für eine nachhaltige Zukunft haben und lieferte Impulse für wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatten über alternative Wege des Ernährungshandelns.
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Prof. Dr. Joachim Allgaier moderierte die dritte Session zum Thema “Fehlernährung – Herausforderungen und Perspektiven“:
Prof. Dr. Tilman Kühn von der Hochschule Fulda (Fachbereich Oecotrophologie) stellte aktuelle Daten zum Double Burden of Malnutrition in Indien vor. Die Ergebnisse zeigen parallel sinkende Untergewichts- und stark steigende Übergewichts- und Adipositasraten – besonders in benachteiligten Gruppen. So wurde deutlich, dass nachhaltige Ernährungssysteme weltweit vor komplexen sozialen und gesundheitlichen Herausforderungen stehen und integrierte Strategien nötig sind, um zugleich Mangel- und Überernährung zu adressieren.
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David Rotzinger von der Hochschule Fulda (Fachbereich Oecotrophologie) berichtete aus der INA-Studie, die das gleichnamige multimodale DGE-Programm „Ich nehme ab“ für Personen mit Adipositas systematisch evaluiert. In den kommenden Monaten werden die ersten Ergebnisdaten erwartet. Diese sollen wichtige Einblicke in das Potenzial des niedrigschwelligen Selbsthilfemanuals für eine wirksame Adipositasbehandlung im Kontext der Ernährungstransformation geben.
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Kathrin Gemesi von der TU München (Klinikum rechts der Isar) präsentierte digitale Innovationen in der Adipositastherapie. Während derartige Anwendungen bereits signifikante Effekte erzielen, eröffnen VR-gestützte Interventionen neue Wege zur Arbeit am Körperbild – jedoch mit klaren Grenzen hinsichtlich technischer und sozialer Zugänge. Frau Gemesi verdeutlichte, dass digitale Lösungen bestehende Therapieformen sinnvoll ergänzen, jedoch technische und soziale Hürden bestehen bleiben.
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Dr. Johannes Spörl vom KErn Bayern stellte das Projekt NutrifyME vor – eine digitale Anwendung, die nachhaltiges Einkaufs- und Ernährungsverhalten durch Produktscans, Kassenbon-Analysen, Gamification und KI-gestützte Beratung unterstützen soll. Die Antragsskizze des Projektes wurde eingereicht. In den nächsten Schritten soll die Anwendung inhaltlich sowie technisch weiterentwickelt und getestet werden. Die Pilotphase soll Aufschluss über Praktikabilität und Akzeptanz geben – mit dem Potenzial, digitale Innovationen zu einem wirksamen Bestandteil nachhaltiger Ernährungstransformation zu machen.
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Die vierte und letzte Session, moderiert durch Prof. Dr. Linda Chalupová, richtete den Fokus auf „Interdisziplinäre und sektorübergreifende Zusammenarbeit“:
Moana Lafrenz von der Hochschule Fulda (Fachbereich Oecotrophologie) zeigte unter dem Titel „World of plastic – health elastic?“ am Beispiel der neuen EU-Regulierung zu Bisphenolen, wie wichtig abgestimmte Kontroll- und Kommunikationsstrukturen zwischen Lebensmittelüberwachung, Gesundheitswesen und Umweltakteuren sind. Sie verdeutlichte: Nur durch ein solches koordiniertes Vorgehen lassen sich die Risiken hormonaktiver Substanzen wirksam reduzieren.
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Carola Holler von der Hochschule Fulda (Fachbereich Oecotrophologie) präsentierte Ergebnisse des Projekts GeGeSSEn, in dessen Rahmen drei Pflegeeinrichtungen bei der Entwicklung eines Ernährungsleitbildes und darauf aufbauend eines Verpflegungskonzepts begleitet wurden. Der Prozess zeigt, wie der emanzipatorische Ansatz professionsübergreifende Zusammenarbeit stärkt und neue Handlungsspielräume für eine bedarfsgerechte Verpflegung neben bestehenden Herausforderungen und Hürden eröffnet.
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Prof. Dr. Nadine Reibling von der Hochschule Fulda (Fachbereich Gesundheitswissenschaften) schloss den Themenblock mit Einblicken in das Workshopkonzept „Zukunftslabor Public Health“ aus dem Teilprojekt Health des DFG-Forschungsimpuls SaFe ab. Sie präsentierte, wie Teilnehmende mithilfe spielerisch-kreativer Design-Thinking-Methoden wie Playmobil Pro gegenwärtige Rollenbilder in Public Health reflektieren und gemeinsame Zukunftsszenarien für das Handlungsfeld Gesundheitsversorgung entwickeln. Damit verdeutlichte sie, wie kreative Zukunftsarbeit dazu beitragen kann, Transformationsprozesse im Gesundheitssystem vorausschauend und partizipativ zu gestalten.
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Durch Plenumsdiskussionen im Anschluss an die Sessions eröffnete die 5. ELVe-Jahrestagung viel Raum für den interdisziplinären Austausch. Das Publikum – bestehend aus Forschenden, Studierenden sowie Vertreter*innen aus der Praxis – nutzte diese Möglichkeit rege. Es konnten offene Fragen beantwortet, Ideen und Impulse ausgetauscht sowie Perspektiven verschiedener Fachdisziplinen vernetzt werden. Dieser Austausch ermöglichte eine produktiv-kritische Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Tagungsthema, für dessen Erfassung ein transdisziplinärer Blick essenziell ist.
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ELVe-Nachwuchspreis
Einen gelungenen Abschluss fand die ELVe-Jahrestagung mit der Verleihung des ELVe-Nachwuchspreises. Mit dieser Auszeichnung würdigt das Zentrum bereits zum sechsten Mal herausragende Leistungen von Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Fulda, die ihre Abschlussthesis in einem Themenfeld des Zentrums verfasst haben. Damit setzt das ELVe nicht nur ein Zeichen für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Der Preis macht zudem die thematische Vielfalt sichtbar, mit der sich die ernährungsbezogene Forschung an der Hochschule Fulda befasst. Prämiert wurden die Bachelorarbeiten von Anke Reibert (Fachbereich Oecotrophologie) zum Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Ernährungsberatung und von Ella Gronbach (Fachbereich Oecotrophologie) zum Einsatz von Bio-Lebensmitteln in Landeskantinen (Ella Gronbach, Fachbereich Oecotrophologie).
Eine ausführliche Meldung zum ELVe-Nachwuchspreis 2025 und den prämierten Arbeiten finden Sie hier: https://www.hs-fulda.de/forschung/forschungsprofil/neues-aus-forschung-und-transfer/meldungen-gesundheit-ernaehrung/meldungsdetails-gesundheit-ernaehrung/detail/elve-preis-2025-verliehen
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Bilder: © Carola Holler und © Stephanie Hagspihl









































