Ernährung der Zukunft – Wie essen wir 2030?

> Wie können wir uns vor gefährlichen Keimen in Lebensmitteln schützen?
> Wie macht man leckeres Essen für Menschen mit Schluckbeschwerden?
> Wie können Schulen mit dem Thema Essstörungen umgehen?
> Wie schmecken eigentlich gegrillte Insekten?

Am Mittwoch, den 20. November 2019 ging es um diese und viele weitere spannende Fragen auf der  2. Regionalen Innovationskonferenz.

 Großes Interesse an der 2. Regionalen Innovationskonferenz der Hochschule Fulda

Bürgerinnen und Bürger tauschten sich mit regionalen Unternehmen und Forschenden über die Ernährung der Zukunft aus / RIGL-Projekt stellte erste Neuheiten vor.

Wie essen wir im Jahr 2030? Auf der 2. Regionalen Innovationskonferenz an der Hochschule Fulda (20.11.) konnten sich interessierte Menschen einen Eindruck davon verschaffen. Die Hochschule Fulda präsentierte mit Unternehmen aus der Region, an welchen Ideen und Produkten sie gemeinsam arbeiten, um die Ernährung in der Region weiterzuentwickeln. Denn der demografische Wandel, der Erhalt natürlicher Ressourcen, der anhaltende Trend zur Urbanisierung und die Strukturschwäche ländlicher Räume stellen auch die Region Fulda vor große Herausforderungen.

Der Trend: Vielfältiger und individueller

Rund 400 Gäste aller Altersgruppen nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren und zur Ernährung der Zukunft auszutauschen. „Wir werden uns künftig vielfältiger und individueller ernähren“, beschrieb Prof. Dr. Stefan Schildbach, Professor für Bioverfahrenstechnik im Fachbereich Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Fulda, den allgemeinen Trend. Schildbach ist Leiter des Projekts „Lebensmittel der Zukunft – Ernährung 2030 in der Region Osthessen“, eines von insgesamt zehn Umsetzungsprojekten des Regionalen Innovationszentrums für Gesundheit und Lebensqualität (RIGL-) Fulda. Dessen Ziel ist es, die künftige Ernährung in der Region gemeinsam mit den relevanten Zielgruppen zu gestalten – zum Wohle der Gesundheit und Lebensqualität von Bürgerinnen und Bürgern, aber auch der regionalen Unternehmen und nicht zuletzt unserer Umwelt. Hochschule und regionale Betriebe haben die Themen, mit denen sich das Projekt beschäftigt, daher gemeinsam erarbeitet. Bei der 2. Innovationskonferenz waren nun erstmals alle Interessierten aus der Region dazu eingeladen, sich einzubringen.

Appetitlich und individuell

Wie unsere Ernährung vielfältiger und individueller werden kann, davon konnten sich die Gäste in Vorträgen und an Infoständen ein Bild machen. So könnten in Zukunft ältere Menschen mit Schluckbeschwerden vom 3D-Lebensmittel-Druck profitieren. Zum Beispiel lassen sich Möhren und selbst Hähnchenschenkel mit dieser Technologie produzieren und appetitlich anrichten. Voraussetzung ist, dass das Lebensmittel als homogene Masse zur Verfügung steht. Wie diese genau beschaffen sein muss, daran arbeiten die Forscherinnen und Forscher der Hochschule Fulda derzeit. Auch die individuelle Anreicherung eines Menüs mit auf den persönlichen Bedarf abgestimmten Vitaminen und Mineralstoffen wäre so möglich. Noch ist das Verfahren allerdings zeitaufwendig. „Es ist noch viel Forschung nötig“, sagte Marius Herold. Doch der Doktorand im Fachbereich Lebensmitteltechnologie sieht großes Potenzial in der Technik.

Nahrhaft und ressourcenschonend

Als nahrhaftes und nachhaltiges Lebensmittel präsentierte das Projekt Insekten. Sie konnten verkostet werden – zum einen geröstet und als solche erkennbar, zum anderen zu Mehl vermahlen und in Schokoriegeln verarbeitet. In mehr als 20 Ländern weltweit gehören Insekten zur Esskultur. Sie sind reich an Proteinen, lebenswichtigen Eiweißen, B-Vitaminen und Magnesium. Ihr Anbau ist ressourcenschonend – nur wenig Wasser und Land wird benötigt – und klimafreundlich, denn es entstehen nur geringe Mengen an Treibhausgasen und Ammoniak.

Regionale Molkerei

Aus der regionalen Landwirtschaft heraus entstand die Idee einer regionalen Molkerei, der Schlitzer Milchmanufaktur, die auf regional produzierte Heumilch setzen und so eine regionale Marke aufbauen will. Heumilch enthält physiologisch wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Regional verarbeitet kann sie durch kurze Lieferwege zudem einen Beitrag liefern, die Umwelt zu schonen. Für den Verbraucher bieten solche Produkte außerdem mehr Transparenz. Geplant ist eine frische Linie, die Vollmilch, verschiedene Fruchtjoghurts, Sahne und Käse enthält.

Weniger Verpackungen, weniger Zucker

Zu sehen gab es auch einen Laser, der Informationen wie etwa ein Biosiegel direkt in die Schale zum Beispiel eines Apfels eingravieren und so möglicherweise dazu beitragen kann, Verpackungsmüll zu vermeiden. Derzeit wird untersucht, ob dabei die Gefahr besteht, dass sich Keime an den behandelten Stellen ansiedeln. Ebenso war das Thema Zucker vertreten. So stellten Hochschule und Praxispartner ein Projekt vor, wie sich Lebensmittel entwickeln lassen, die weniger Fruchtzucker haben, zum Beispiel Limonade. Ein Ansatz ist hier der Prozess der Fermentation, bei dem Milchsäurebakterien im Gärungsprozess den Zucker zersetzen.

„Wir freuen uns sehr, dass die Themen auf so großes Interesse gestoßen sind und so viele Interessierte gekommen sind“, zog Prof. Schildbach am Ende der Veranstaltung Bilanz.

Programm

16:15 | Begrüßung
Prof. Dr. Karim Khakzar, Präsident der Hochschule Fulda

16:30 | Keynote Speech
"Wie sicher sind unsere Lebensmittel?"

Dr. Hasan Taschan, Wissenschaftlicher Sachverständiger am Landesbetrieb Hessisches Landeslabor in Hessen a.D.

ab 17:00 | Kurzvorträge und interaktive Präsentationen

Kurzvorträge

17:00 |
Überlebenskünstler Listeria monocytogenes -
Problemkeim in der Lebensmittelwirtschaft

Prof. Dr. Rohtraud Pichner, Projekt LeZ'go, Hochschule Fulda

17:20 |
Essstörungen im Kindes- und Jugendalter
Dr. med. Sibylle Pauschardt, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Oberärztin Herz-Jesu- Krankenhaus Fulda

17:40|
Essen und Ernährung im höheren Lebensalter –
Bedeutung für Körper und Wohlbefinden

Bérénice J. Barg, Projekt VeWoLA, Hochschule Fulda

18:00|
Aktuelle Herausforderungen der regionalen Fleischwirtschaft

Sven Euen, Geschäftsleitung Erzeugerschlachthof Fulda

18:20|
Mensch verbraucht immer - Alltagsbilanz

 Dr. Jan Ries, Projekt RinkA, Hochschule Fulda

18:40|
Der Blick über den Tellerrand: Wie hängt der Fleischkonsum mit unserer Umwelt
und dem Klima zusammen?

Jessica Werking und Nils Schweers, Projekt LeZ'go, Hochschule Fulda

19:00|
Hauptsache schmeckt?! Essen aus Leidenschaft

Prof. Dr. Matthias Klemm und Dr. Agnieszka Satola, Projekt IntIP, Hochschule Fulda

19:20|
Vitaminisierung von Pilzen

Maike Münkel, Projekt LeZ'go, Hochschule Fulda

19:40|
Potenziale und Hürden des 3D-Drucks von Lebensmitteln

Marius Herold, Projekt LeZ'go, Hochschule Fulda

Interaktive Präsentationen

Lebensmittel der Zukunft
Hier kann man vegetarische Fleischalternativen probieren, das neu anlaufende Forschungsprojekt mit Kaffeeextrakten kennenlernen, sich über natürliche Vitaminanreicherung in Lebensmitteln und Fruktosereduktion in Lebensmitteln informieren, und vieles andere mehr.

Ernährung und körperliche und geistige Gesundheit
Besucher können sich zum Beispiel Tipps zur gesunden Ernährung im Arbeitsalltag holen, Kalorien messen, die sie bei alltäglichen Tätigkeiten verbrauchen, und bei einem interaktiven Experiment erleben, wie Körperwahrnehmung und Essstörungen zusammenhängen können.

Essen im höheren Lebensalter
Hier wird unter anderem Smoothfood verköstigt, eine Alterssimulation zum Mitmachen angeboten und Alltagshilfen ausgestellt, wie zum Beispiel ein Spiegel mit Blutdruckanzeige und eine App mit Kochrezepten, die ihre Bedürfnisse berücksichtigt.

Ernährung im Wandel
Was bedeutet Essen in verschiedenen Kulturen und wie passt das mit unseren Gewohnheiten zusammen? Welche „Ernährungsmythen“ gibt es und was ist „Regionales Superfood“? Hier können Besucher ihr Wissen testen, von Ihren Erfahrungen berichten, Rezepte mitnehmen und sich austauschen.

Ort und Anfahrt

Die 2. Regionale Innovationskonferenz findet am Campus der Hochschule Fulda in Halle 8 (Gebäude 52) statt.

Bitte nutzen Sie die Parkmöglichkeiten in "P2" (Zufahrt über Lise-Meitner-Straße).

Hier geht es zum Campusplan.

 

Kontakt

Haben Sie Fragen?

Kontaktieren Sie uns gerne:

Ursula Peters
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit RIGL-Fulda
Tel.: 0661 9640-1962
ursula.peters@verw.hochschule-fulda.de

Dr. Uta Anschütz
Koordinierende Mitarbeiterin des RIGL-Projekts LeZ'go
Tel.: 0661 9640-1974
uta.anschuetz(at)lt.hs-fulda.de