Elektromobilität

EMOLSE2020

Der Arbeitskreis Elektromobilität der Hochschule Fulda möchte zusammen mit vier hessischen Stückgutspeditionen die wirtschaftlichen Einsatzmöglichkeiten von schweren E-LKWs bis zu 18 Tonnen Gesamtgewicht durch 264 Feldversuche prüfen. Es soll gezeigt werden, dass die Wirtschaftlichkeit von elektrisch angetriebenen Schwerlast-LKW – kurz E-LKWs –  bis zu 18 Tonnen Gesamtgewicht im Rahmen eines Flottenversuches, also die Elektromobilität von schweren E-LKWs – kurz EMOLSE2020 – gegeben ist.

Ziele

EMOLSE2020 soll die bisherigen Forschungslücken schließen, indem im ersten deutschen Praxistest E-LKWs auf ihre Alltagstauglichkeit (vgl. Förderrichtlinie §1 Abs. b)) in Verteil- und Stückgutverkehren untersucht werden. Drei wesentliche Säulen bilden dabei die Basis der Untersuchung, die Wirtschaftlichkeit, die Batterietechnik und die Ladeinfrastruktur der Projektpartner. Auf Basis von ausgewählten LKW-Touren der Projektpartner, sollen die bisherigen Erkenntnisse kritisch geprüft und durch eigene Untersuchungen erweitert werden. Somit geht EMOLSE2020 über den bisherigen Forschungsstand hinaus, da nicht nur rein wirtschaftliche oder rein technische Problemstellungen untersucht werden, sondern alle wesentlichen Kriterien. Wirtschaftlichkeit und technische Effizienz beeinflussen sich gegenseitig und müssen somit immer in Abhängigkeit betrachtet werden.

Das Projekt

Dazu soll ein über 24 Monate hinweg geleaster E-LKW die gefundenen Potentiale in Praxisversuchen testen, damit ist EMOLSE2020 das einzige Projekt in Deutschland, das derart praxisnah und ausführlich forscht. Die Touren werden derzeit von LKWs mit konventionellem Antrieb gefahren, die vier Projektpartner stellen reale Fahrten zur Verfügung, die dann mit unserem E-LKW gefahren werden, so findet ein direkter Vergleich statt, da die CAN-Bus Daten am Antriebsstrang beider Fahrzeuge miteinander verglichen werden.

Die Versuche finden regelmäßig statt und dienen dazu, die Technik im Fahrzeug zu verbessern und ggf. um neue Technologien zu erweitern. Beispielsweise im Bereich der Antriebsbatterien für Elektro-LKWs, wo derzeit eine intensive Forschungs- und Entwicklungstätigkeit stattfindet, die sich sowohl mit neuen Materialkombinationen als auch mit Verbesserungen im Aufbau der Speicher befasst. Es wird in aktuellen einschlägigen Tagungsbeiträgen von erheblichen Kostenreduktionen für neue Antriebsbatterien im Bereich 30-50% innerhalb der nächsten Jahre ausgegangen, bei gleichzeitiger Erhöhung der Energiedichte um etwa 30-40%. Diese aktuellen Forschungsergebnisse sollen genutzt und erprobet werden, ebenso soll die Ladeinfrastruktur an den Standorten der vier Projektpartner kritisch auf die Tauglichkeit und die Erweiterbarkeit für E-LKWs geprüft werden. Die Projektpartner sind dabei auch in zahlreichen Branchen vertreten, sodass eine möglichst breite Abdeckung der Untersuchung im Stückgutmarkt gewährleistet ist.

Die Partner

Die Firma Ludwig Meyer GmbH & Co. KG und die Spedition Heidelmann GmbH sind spezialisiert auf den Lebensmitteleinzelhandel, die Zufall GmbH & Co. KG führt Transport im Bereich Konsumgüter, z.B. weiße und braune Ware durch, jedoch auch Elektronikartikel. Die DB Schenker AG liefert sämtliche Waren aus, jedoch keine Lebensmittel, sodass hier nochmals ein große Bandbreite aus einem anderen wesentlichen Marktsegment des Stückgutmarktes vertreten ist.

Die Innovation

Es gibt derzeit kein Projekt in Deutschland, dass eine praxisgerechte Kalkulationsbasis für den Einsatz von schweren E-LKWs im Stückgutmarkt entwickelt hat, es gibt darüber hinaus kein Projekt das sich mit der Verwertung der Batterie in diesen Fahrzeugen beschäftigt. Damit wird die tatsachliche Wirtschaftlichkeit von schweren E-LKWs praxisnah untersucht und die Faktoren dafür klar dargelegt, zum anderen kann die Wiederverwertung von Batterien die Abschreibungsdauer des Fahrzeugs signifikant beeinflussen. Die Kosten der Batterien belaufen sich bei der Erstanschaffung auf ca. 140.000 Euro, bei einer Abschreibung innerhalb von 10 Jahren auf einen Restwert von Null würde mit einer AfA von 14.000 Euro kalkuliert werden müssen. Sollte sich in Untersuchung zeigen, dass die Batterien des E-LKW nach 10 Jahren zu einem Restwert von 70.000 Euro verkaufen lassen, da eine „Second-Life“-Lösung möglich ist, reduziert sich die AfA, auf 7.000 Euro im Jahr, damit würde sich die Rentabilität dieser Fahrzeug deutlich verbessern.

Bisher wurden DC-DC-Wandler nicht in E-LKWs eingesetzt, dies wäre eine neue Entwicklung auf die ggf. ein Gebrauchsmuster angemeldet werden könnte, über die Effizienzsteigerungen kann bisher nichts gesagt werden, sie könnte jedoch die Reichweite des E-LKWs deutlich verbessern. Zudem würden wir in durch EMOLSE2020 jedem Unternehmen deutliche Vorgaben nennen können, unter denen er E-LKW wirtschaftlich einsetzen kann und ob seine Energieinfrastruktur den Anforderungen genügt.

In keiner Studie wurde bisher so klar, eindeutig und praxisnah die Wirtschaftlichkeit hinterfragt und damit eine präzise Aussage für alle Logistikunternehmen im Markt definiert.