ELVe Jahrestagung 2023

07.11.2023

Jahrestagung 2023 des wissenschaftlichen Zentrums ELVe rund um das Thema "Nachhaltige (Ernährungs-)Versorgung zwischen Tradition und Transformation" am 11.Oktober 2023.

„Nachhaltige (Ernährungs-)Versorgung zwischen Tradition und Transformation“ lautete das Tagungsmotto der 3. ELVe-Jahrestagung, die mit rund 50 Teilnehmenden am 11. Oktober 2023 stattgefunden hat. Trotz eines weitgehenden Konsens über die Notwendigkeit einer Transformation unserer Ernährungssysteme - hin zu mehr Resilienz und Nachhaltigkeit - gehen tatsächliche Veränderungen nur langsam vonstatten. Im Rahmen eines Calls, der vor allem wissenschaftliche Nachwuchskräfte adressierte, haben wir zur Einreichung von Beiträgen aufgerufen, die sich den Herausforderungen und Zielkonflikten in der Transformation von Ernährungssystemen widmen, aber auch Ansatzpunkten, eben diesen zu begegnen.

Die erste Session zum Thema „Transformationsprozesse in der Gemeinschaftsverpflegung“ wurde mit einem Impulsvortrag von Prof. Dr. Stephanie Hagspihl eingeleitet. Sie skizzierte die gegenwärtigen Herausforderungen und Potenziale der Gemeinschaftsverpflegung, zu einer nachhaltigen Ernährungswende beizutragen - nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Ernährungsstrategie der Bundesregierung. Lynn Wagner, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promovendin an der Hochschule Osnabrück, berichtete aus dem Forschungsprojekt BiTe, das einen bislang vernachlässigten Aspekt einer nachhaltigen Ernährungsversorgung adressiert, nämlich die Auswirkungen der Außer-Haus-Verpflegung auf die Biodiversität bzw. den potenziellen Artenverlust, der durch die eingesetzten Lebensmittel verursacht wird. Julia Heinz, ehemalige Absolventin des Fachbereichs Oectrophologie, heute Promovendin am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, berichtete über aktuelle Forschungsergebnisse zur Weiterentwicklung der Ökologischen Sustainable Levels für Verpflegungssysteme. Ihre Arbeit widmet sich der Herausforderung, ökologische Zielwerte für die Verpflegung festzulegen, die in der Praxis auch umsetzbar und mit Ernährungsanforderungen vereinbar sind.

Die zweite Session mit dem Schwerpunkt „Transformationsprozesse entlang der Wertschöpfungskette“ wurde von Prof. Dr. Linda Chalupová eingeleitet. Sie führte in ihrem Impulsbeitrag in die rechtlichen Rahmenbedingungen ein, die geschaffen wurden, um (globale) Nachhaltigkeitsziele entlang der Wertschöpfungskette künftig besser zu verankern, u. a. durch das neue Lieferkettengesetz und die Verpflichtung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung seitens größerer Unternehmen. Marita Böhringer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Fulda am House of Logistics and Mobility in Frankfurt (HOLM) berichtete aus dem Forschungsprojekt LogRegio, das sich mit dem Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten für die Außer-Haus-Verpflegung befasst und vor allem die logostischen Herausforderungen im Blick hat. Dabei erläuterte sie auf Grundlage von aktuellen Befragungsergebnissen die unterschiedlichen, aber keineswegs widersprüchlichen Anforderungen der verschiedenen Stakeholder entlang der regionalen Lieferkette. Paula Krejbich, Promovendin am Fachbereich Oecotrophologie, fokussierte ihren Vortrag auf das in Deutschland noch relativ neue Phänomen des digitalen Lebensmitteleinkaufs und auf die damit verbundenen Potenziale, aber auch Risiken im Hinblick auf eine gesundheitsförderliche und nachhaltige Ernährung. Leonie Boller, Masterabsolventin des Fachbereichs Lebensmitteltechnologie stellte die Ergebnisse ihrer Masterarbeit vor, die sich mit der Frage befasste, welchen Beitrag Blockchaintechnologien zur Vermeidung von Lebensmittelbetrug entlang der Wertschöpfungskette von Biolebensmitteln leisten können.

Den Impulsvortrag zur dritten Session mit dem Schwerpunkt „Transformationsprozesse im privaten Alltag“ lieferte Prof. Dr. Jana Rückert-John. Sie skizzierte eindrücklich die Konfliktpotenziale, die mit einer sozialökologischen Transformation von Ernährungssystemen einhergehen, was sich exemplarisch an der sehr medienwirksam und polarisierend geführten Debatte um eine Reduktion des Fleischkonsums offenbart. Carola Holler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Oecotrophologie, berichtete zu den Ergebnissen ihrer Masterartbeit im Fach Geragogik. Sie gewährte einen Exkurs in die Verwendung von Alltagstechnik, sowie deren Möglichkeiten und Hürden aus der Perspektive älterer Konsument*innen, auch unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten.

Ein zweiter Vortrag von Lynn Wagner befasste sich mit der Fragestellung, inwieweit ein Serious Gaming Ansatz dazu beitragen kann, suffizientere Lebensstile im Alltag privater Haushalte spielerisch zu verankern. Im Zuge einer Evaluationsstudie des sogenannten „Klimapuzzles“ konnte unter anderem gezeigt werden, dass gerade der Bereich Ernährung ein niedrigschwelliges Einstiegsfenster zur Veränderung von Alltagspraktiken darstellen kann. Nils Schweers, Promovend am Fachbereich Oecotrophologie, legte den Fokus seines Vortrags auf vegetabile Ernährungspraktiken. Anhand von Ergebnissen qualitativer Studien aus dem BMBF-geförderten Projekt FleischWissen schilderte er, wie Brüche und Abweichungen von sozialen Normen und tradierten Praktiken aus der Perspektive vegetarisch und vegan lebender Personen begründet und erlebt werden und welche Spannungsverhältnisse sich daraus ergeben. An alle drei Sessions schloss sich eine Minipodiumsdiskussion an, die sowohl Rückfragen und Anmerkungen aus dem Publikum als auch übergeordnete Diskussionsimpulse zuließ.

In der Postersession am Nachmittag präsentierten Promovierende und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Hochschule Fulda laufende Forschungsaktivitäten aus dem Bereich sozialwissenschaftlicher Ernährungsforschung, Diätetik und Lebensmitteltechnologie in Form von 5- Minute-Posterpitches. Den Abschluss der Tagung bildete eine Projektsession, in deren Rahmen - ebenfalls in Form von Posterpitches - insgesamt acht Projekte vorgestellt wurden, darunter insbesondere neu bewilligte Forschungsprojekte unter dem Dach des ELVe, aber auch kürzlich initiierte Praxisprojekte. 

Posterpitches

Mediatisierte junge Ernährungswelten (Halina Kirsch, Hochschule Fulda)

Moralische Kommunikation für eine nachhaltigere Ernährung (Theresa Steiner, Hochschule Fulda)

Gestaltung des familiären Essalltags in Haushalten Alleinerziehender in Krisenzeiten - Umgang mit gesellschaftlichen Erwartungen hinsichtlich einer nachhaltigeren Lebensführung (Katja Grötzner, Hochschule Fulda)

Bedeutung von Lehrküchen als Prozessbestandteil der Gruppen-Ernährungsberatung in Rehabilitationskliniken aus der Sicht von Ernährungsfachkräften (Anne Földesi, Hochschule Fulda)

Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Überlebensrate von Lb. reuteri DSM 20016 während der Trocknung im Ultraschall-Levitator und Laborsprühturm (Dr. Ramona Hülsmann, Hochschule Fulda)