Wenn die Nabelklemme mitdenkt:
KI-Projekt für Frühwarnsystem nach der Geburt

31.03.2026
Professor Dr. Jannos Siaplaouras, Digitalministerin Professorin Dr. Kristina Sinemus und Professor Dr. Michael Guckert stehen an einem Tisch, auf dem eine Simulationspuppe und technisches Equipment liegen. Die Digitalministerin hält eine zweite Simulationspuppe in der Hand.

Professor Dr. Jannos Siaplaouras von der Hochschule Fulda (links) und Professor Dr. Michael Guckert von der THM zeigen Digitalministerin Professorin Dr. Kristina Sinemus, wie die intelligente Nabelklemme funktioniert. Das hessische Digitalministerium fördert das Projekt mit fast 950.000 Euro.

Eine Forschungsgruppe um den Kinderkardiologen Professor Dr. Jannos Siaplaouras von der Hochschule Fulda beteiligt sich an der Entwicklung einer intelligenten Nabelklemme für Neugeborene.

Die intelligente Nabelklemme soll eine routinemäßige Überwachung der Vitalwerte möglich machen. Projektpartner ist das Kompetenzzentrum für Informationstechnologie an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg. Digitalministerin Professorin Dr. Kristina Sinemus überreichte vergangene Woche einen Förderbescheid über fast 950.000 Euro.

In der Regel erfolgt eine routinemäßige Überwachung der Vitalwerte nur bei erkrankten Neugeborenen. Da dies aber auch bei gesunden Babys sinnvoll ist, entwickelt die Hochschule Fulda gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Informationstechnologie an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg ein KI-basiertes Frühwarnsystem mittels einer intelligenten – und zudem kabellosen – Nabelklemme. Diese ermöglicht ein kontinuierliches Monitoring und schlägt selbstständig Alarm, sollten die Werte nicht in Ordnung sein. Das Projekt „InNa – Intelligente Nabelklemme“ wird mit fast 950.000 Euro aus dem Programm „Distr@l“ des Hessischen Digitalministeriums gefördert. Digitalministerin Professorin Dr. Kristina Sinemus hat sich vergangene Woche über das Projekt informiert und den Förderbescheid an den Kinderkardiologen Professor Dr. Jannos Siaplaouras und den Wirtschaftsinformatiker Professor Dr. Michael Guckert überreicht.

„Mit der Förderung unterstützen wir eine Innovation, die modernste KI-Technologie mit konkretem medizinischem Nutzen verbindet. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen im Gesundheitswesen zeigt dieses Projekt beispielhaft, wie digitale Lösungen Fachkräfte entlasten und die Qualität der Betreuung nachhaltig verbessern können. Hessen setzt damit ein starkes Zeichen für zukunftsweisende Forschung und eine innovative Gesundheitsversorgung“, sagte Digitalministerin Sinemus.

Nach Geburten wird die Nabelschnur standardmäßig mit einer Nabelklemme aus Kunststoff abgeklemmt. Geht es nach dem Forschungsteam an der Hochschule Fulda und der THM, soll künftig eine intelligente Nabelklemme verwendet werden, die nicht nur dem reinen Stillen des Blutflusses dient, sondern wertvollen Aufschluss über das Wohlbefinden des Kindes in den ersten Tagen nach der Geburt gibt. In der Klemme ist Sensorik verbaut, die Zwerchfellkontraktionen und den Puls der Aorta erfasst und bei Abweichungen Alarm schlägt. Bisher erfolgt die Überwachung der Vitalwerte nur bei erkrankten Neugeborenen, doch sei ein Monitoring essenzieller Bestandteil der Neonatologie, erläuterte Professor Siaplaouras. Ebenso erschwere derzeit die Nutzung eines verkabelten Systems zum Monitoring den Umgang mit dem Säugling.

Ein Prototyp der intelligenten Nabelklemme existiert bereits. Bis zum Ende der Projektlaufzeit im September 2027 wollen die Forscherinnen und Forscher eine alltagstaugliche Klemme validiert und entwickelt haben, um sie anschließend als Spin-off aus der Hochschule in den Markt bringen zu können. Aus Forschenden werden dann Innovatoren.

Neben dem permanenten medizinischen Monitoring ist in der Sensorik auch ein räumlich vorgegebener Bereich hinterlegt. Verlässt das Baby diesen Bereich, wird ebenfalls Alarm ausgelöst beziehungsweise hilft es bei der Lokalisierung, sollte ein medizinischer Alarm ertönen. Die Klemme ist zudem ein zuverlässiger Schutz vor Verwechslung Neugeborener.

„Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und Kostendruck in Krankenhäusern besitzt die intelligente Nabelklemme großes Potenzial, die Betreuung von Neugeborenen zu optimieren und gleichzeitig das Personal zu entlasten“, sagte Professor Guckert.

Das interdisziplinäre Projektkonsortium besteht aus den Forschungsgruppen des Wirtschaftsinformatikers und Gründungsmitglieds des Hessischen Zentrums für Künstliche Intelligenz Professor Dr. Michael Guckert (THM) und des Kinderkardiologen Professor Dr. Jannos Siaplaouras (Hochschule Fulda). In diesem Projekt wird langjährige Erfahrung aus dem Bereich der KI und den Kenntnissen klinischer Anwendungen zu einer medizinischen Innovation zum Wohle Neugeborener und zur Entlastung im klinischen Alltag gebündelt.