Zum vierten Mal „Räume für Forschung“

19.12.2025

Die jährliche Veranstaltung des Public Health Zentrums Fulda brachte rund 100 Forschende aus fünf Fachbereichen zusammen und entwickelt sich zu einem interdisziplinären Treffpunkt.

Das Interesse war so groß wie nie. Die Sprecherinnen des Public Health Zentrums Fulda, Professorin Dr. Katharina Rathmann und Professorin Dr. Jana Rückert-John, konnten zum Auftakt der vierten „Räume für Forschung“ einen Besucherrekord melden. Rund 100 Forschende und an Forschung Interessierte waren in diesem Jahr gekommen, um Projekte zu Public Health zu präsentieren, sich zu informieren und zu diskutieren. Das Konzept, fachbereichsübergreifend eine Plattform für alle Forschenden zu bieten – Studierenden, Promovierenden und wissenschaftlich Mitarbeitenden ebenso wie gestandenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – kommt offensichtlich gut an.

Zu der erfreulich großen Resonanz dürfte auch beigetragen haben, dass sich Projekte aus fünf Fachbereichen mit einer gesundheitsbezogenen Forschungsfrage an der Veranstaltung beteiligten. „Die Räume für Forschung haben sich zu einem interdisziplinären Treffpunkt entwickelt“, freute sich denn auch das Leitungsteam. Das Vernetzungspotenzial zeigte sich auch immer wieder während der Präsentationen, wo sich Ansatzpunkte für künftige Kooperationen ergaben. Zudem dürfte das erweiterte Programm die Veranstaltung noch attraktiver gemacht haben. Mit teils drei Formaten parallel – von Keynotes bis zum World Café – war die Auswahl noch größer als in den Jahren zuvor.

Inhaltlich lag der Schwerpunkt auf den planetaren Grenzen. Aus gutem Grund: Planetary Health, also die Zusammenhänge zwischen menschlicher Gesundheit und den politischen, ökonomischen und sozialen Strukturen unter den planetaren Gegebenheiten, bilden den Forschungsschwerpunkt am PHZF – und die interdisziplinäre Schnittstelle.

Komplexe Wechselbeziehung: Mensch, Tier, Natur

Professorin Dr. Antje Risius aus dem Fachbereich Oecotrophologie machte in ihrer Keynote zum Auftakt der Tagung anhand des One Health-Ansatzes deutlich, wie stark die Gesundheit von Mensch, Tier und Natur voneinander abhängt. „Alles ist mit allem verbunden,“ betonte sie. Es sei deshalb erforderlich, verschiedene Lösungsansätze systemisch zusammenführen, um tragfähige Ansätze für ein nachhaltigeres Leben zu entwickeln. Zwar sei das Interesse an einer nachhaltigen Lebensweise groß, doch zeige sich dies noch nicht in unserem Handeln. 

Neue Lösungsansätze seien daher gefragt, die das institutionelle Geflecht, das derzeit eine nachhaltige Lebensweise erschwere, aufbrechen und andere Muster für nachhaltige Produktionssysteme möglich machen. Kann zum Beispiel der Einzelhandel als ökologischer Gatekeeper dienen? Oder ist es vielleicht sinnvoll, die Klimaleistung eines Wals, der über Jahrhunderte Kohlendioxid binden kann, mit einem Preisschild zu versehen? „Wir haben die Möglichkeit, diese Fragen neu auszuhandeln“, betonte die Professorin für Nachhaltige Ernährung und Versorgung.

Poster, Vorträge, Worldcafé: Chance für den Nachwuchs

Anschließend war der forschende Nachwuchs gefragt. Bei Posterbegehungen und in Vorträgen präsentierten Studierende, Promovierende und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Forschungsprojekte und stellten sich gemeinsam mit ihren Projektleitungen der Diskussion. Andere erarbeiteten in Wordcafés spezifische Fragestellungen aus ihren Forschungsprojekten – ebenfalls begleitet von den jeweiligen Studienleiterinnen und -leitern. „Gerade den Studierenden eröffnen wir mit diesem Ansatz eine niedrigschwellige Möglichkeit, erste Tagungserfahrungen zu sammeln“, betonen die Sprecherinnen des PHZF. Um den forschenden Nachwuchs bestmöglich zu unterstützen, hatte Julia Halbig, die die Veranstaltung organisierte, im Vorfeld sogar einen Workshop zum Verfassen von Abstracts angeboten. 

Globale Klimakrise, individuelle Gesundheit

Mit einer zweiten Keynote, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die individuelle Gesundheit in den Fokus rückte, schloss die Veranstaltung. Professorin Dr. Sandra Parisi aus dem Fachbereich Gesundheitswissenschaften zeigte, wie partizipative Ansätze helfen können, das Planetary Health-Konzept greifbar zu machen. „Wenn wir über die Klimakrise sprechen, dann haben wir einen Tunnelblick“, stellte sie fest. Meist gehe es um Kohlendioxid und Hitze. Was der Klimawandel im Alltag mit chronischen Erkrankungen mache, werde dagegen kaum beachtet. 

Die Professorin für Global and Planetary Health untersucht die Prävention und Versorgung kardiovaskulärer Erkrankungen im Chagas-Hochendemiegebiet Monteagudo, Bolivien. Sie will nicht nur die Krankheitslast und Versorgungssituation erfassen, sondern Betroffene, Versorgende und Entscheidungstragende befähigen, sich aktiv an der Verbesserung der Versorgung zu beteiligen. Denn längst wird die Versorgung durch den Klimawandel herausgefordert, etwa durch immer häufiger vorkommende Schlammlawinen und Erdrutsche. Auch bei diesem letzten Programmpunkt waren die Reihen noch gut gefüllt. „Wir freuen uns sehr über das große Interesse“, betonen Katharina Rathmann und Jana Rückert-John.