Teilprojekt 'Gesundheit'

Wie imaginieren und gestalten die Professionen der Gesundheits- und Klimawissenschaften die gesellschaftliche Zukunft? - das ist die Ausgangsfrage des Teilprojektes SaFe-Health. Mit einem Mixed-Methods-Design untersuchen wir Zukunftsvorstellungen, Praktiken und Formen der Vergemeinschaftung dieser beiden Epistemic Communities.Gemeinsam mit den Forschungspartner:innen wird ein nicht-krisengetriebenes Zukunftsnarrativ entwickelt, dass es (angehenden) Professionals der Klima- und Gesundheitswissenschaften ermöglicht, sich selbstbewusst an Shaping Future Society zu beteiligen.

 

 

 

Ob “Risiko“ bei Beck (2022), „Unverfügbarkeit“ bei Rosa (2022) oder „Verlust“ bei Reckwitz (2024) – Gesellschaften werden in den Sozialwissenschaften auch in den letzten Jahrzehnten periodisch wiederkehrend unter dem Blickwinkel von Krisen analysiert. Derzeit drehen sich wissenschaftliche und alltagsweltliche Diskurse verstärkt um das allgegenwärtige Krisengeschehen. Wie mit „der“ Klima-, Demokratie-, Solidaritäts- oder Vertrauenskrise bzw. dem Krieg in Europa umgehen und dennoch Zukunft gestalten? Vor dem Hintergrund dieser Fragen untersucht das Teilprojekt SaFe-Health Zukunftsvorstellungen und Zukunftspraktiken bei Gesundheits- und Klimawissenschaftler:innen.

Warum die Gesundheits- und Klimawissenschaften?

Zukünftigkeit ist für beide Scientific Communities grundlegend:

  1. Mit ihren Klimamodellen und -berichten erstellen Klimawissenschaftler:innen Szenarien zu den zukünftigen klimatischen Bedingungen unserer Erde. Damit entwerfen sie Kontexte für unsere Lebensbedingungen in der Zukunft. 

  2. Gesundheitsförderung im Sinne der Salutogenese richtet die Gesundheitswissenschaften auf die zukünftige Gesundheit von Individuen, Gruppen und Populationen aus. Die Erhaltung und Förderung gesunder Lebensbedingungen zur Herstellung von Gesundheit als Individual – und Kollektivgut in der Zukunft sind damit ein zentraler Anspruch der Public Health Community.

Beide Professionen lassen sich demnach als Architekt:innen gesellschaftlichen Wandels beschreiben, die in ihrem professionellen Handeln Zukünfte imaginieren und produzieren.

Doch welche Zukünfte entwerfen die Professionen der Gesundheits- und Klimawissenschaften?

Dazu gibt es aktuell keine empirischen Befunde. Stattdessen changieren Vermutungen einer Verunsicherung angehender Professionals im Zuge multipler Krisenerfahrungen.
 Genau hier setzt das Projekt an und möchte diese Forschungslücke mit folgenden Fragen bearbeiten:

  • Welche Zukünfte imaginieren die Professionen der Gesundheits- und Klimawissenschaften?

  • Welche Ideen, Strategien und Praktiken entwickeln die Professionen innerhalb ihrer Netzwerke und Epistemic Communities, um mit den Ambivalenzen und Unsicherheiten aktueller und zukünftiger Krisen umzugehen?

Wie möchte das Projekt Zukünfte erspüren?

Das Projekt verfolgt einen Mixed-Methods-Ansatz mit zwei Arbeitsschwerpunkten:

  • Mit einer Online-Befragung und einer Tagebuchstudie erkunden wir die Zukunftspraktiken in den Alltags- und professionellen Welten der angehenden und etablierten Professionals der Gesundheits- und Klimawissenschaften.

  • Mit explorativen Interviews und (auto-)ethnographischen Verfahren rekonstruieren wir Diskurse und Deutungsmuster innerhalb der beiden Epistemic Communities.

Die Daten der beiden empirischen Zugänge sollen nicht nur jeweils für sich analysiert werden, sondern zu einem größeren Bild imaginierter Zukünfte und den dahinterliegenden Handlungs- und Deutungsmustern zusammengeführt werden .

Was möchte das Projekt erreichen?

Schließlich will das Projekt gemeinsam mit allen Forschungspartner:innen ein neues (nicht-krisengetriebenes, handlungsleitendes) Zukunftsnarrativ entwerfen, das es Studierenden und Professionals der Klima- und Gesundheitswissenschaften ermöglicht, mit den Unsicherheiten, Ambivalenzen und Zumutungen künftiger Entwicklungen produktiv umzugehen und sich selbstbewusst an „Shaping Future Society“ zu beteiligen.

---

Beck, U. (2022). Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne (25. Auflage). Suhrkamp: Berlin.

Rosa, H. (2022). Unverfügbarkeit (6. Auflage). Suhrkamp: Berlin.

Reckwitz, A. (2024). Verlust. Ein Grundproblem der Moderne (1. Auflage). Suhrkamp: Berlin.

Prof. Dr. Nadine Reibling

Gesundheitsförderung und gesundheitliche Chancengleichheit

Prof. Dr. Simone Kreher

Soziologie der Gesundheit

Paula Bella de Jong Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Jan Finkenbeiner Wissenschaftlicher Mitarbeiter