Teilprojekt 'Wohnen'
Das Teilprojekt erforscht generationenübergreifendes Wohnen als soziale Praxis zukunftsorientierter Vergemeinschaftung. Es untersucht, wie gemeinschaftliches Wohnen als Zukunftsentwurf interpretiert und in organisatorische Praktiken übersetzt werden kann. Dabei werden sozialräumliche Bedingungen analysiert und soziale Innovationen identifiziert, um nachhaltige Vergemeinschaftungsformen und demokratische Alltagspraktiken zu fördern.
Das Teilprojekt widmet sich der Erforschung generationenübergreifender Wohnformen als Modelle für nachhaltige Vergemeinschaftung und soziale Innovation. Eine zentrale Fragestellung des Projekts ist, wie Formen des gemeinschaftlichen Wohnens als Zukunftsentwürfe interpretiert und in explizite Praktiken der Organisation generationenübergreifender Wohnprojekte übersetzt werden können. Das Projekt untersucht, wie solche Praktiken die Grundlage für Gemeinschaftsbildung legen. Besondere Aufmerksamkeit gilt den sozialräumlichen Rahmenbedingungen, die generationenübergreifendes Wohnen beeinflussen: Wie wirken sich städtische, kleinstädtische und ländlich-dörfliche Kontexte auf die Umsetzung und Stabilisierung dieser Modelle aus? Schließlich geht es darum, soziale Innovationen zu identifizieren, die im Sinne einer transformativen Forschung stabilisiert und weiterentwickelt werden können. Das Ziel ist, gegenseitige Inspirationen und Reflexionen zwischen den Gemeinschaften zu fördern, um Formen der Vergemeinschaftung zu ermitteln und dabei kritische Perspektiven auf soziale Praktiken unter dem Aspekt der Demokratisierung einzubeziehen.
Das Projekt untersucht sowohl intendierte Gemeinschaften wie sie in organisierten Wohnprojekten entstehen, als auch nicht intendierte (sorgende) Gemeinschaften/Nachbarschaften, die sich informell und alltagspraktisch entwickeln. Diese werden als transformative Ansätze sozialer Nachhaltigkeit verstanden, die sowohl auf lokaler Ebene als auch im weiteren gesellschaftlichen Kontext wirken können. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle von Alter und Geschlecht als zentralen Kategorien sozialer Ungleichheit, insbesondere in Bezug auf Care-Arbeit und Pflegebedürftigkeit.
Theoretisch greift das Projekt auf Axel Honneths (1995) Konzept der „post-traditionellen Gemeinschaft“ zurück, dass Gemeinschaft nicht als räumlich oder traditionell fixiert, sondern als intersubjektiv geteilte Werte und Praktiken definiert. Ergänzend wird Tovi Fensters (2004) Modell der „phases of spatial appropriation“ herangezogen, das „comfort“, „belonging“ und „commitment“ als zentrale Dimensionen sozialer Raumaneignung beschreibt. Diese theoretischen Ansätze ermöglichen es, generationenübergreifendes Wohnen als transformative Praxis zu analysieren.
Methodisch kombiniert das Projekt qualitative Ansätze wie Expertinneninterviews, problemzentrierte Interviews und Fokusgruppendiskussionen mit Ansätzen der partizipativen Aktionsforschung. In einem iterativen Prozess werden die Perspektiven der Bewohnerinnen und Akteurinnen generationenübergreifender Wohnprojekte erhoben, reflektiert und in die weitere Forschung integriert. Das Teilprojekt leistet einen zentralen Beitrag zur Erforschung von Vergemeinschaftungsprozessen in Gegenwartsgesellschaften, indem es nachhaltige Wohn- und Lebensmodelle analysiert.
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Fenster, Tovi (2004): The Global City and the Holy City. Narratives on Knowledge, Planning and Diversity. Harlow/New York: Taylor & Francis Ltd.
Honneth, A. (1995): The Struggle for Recognition. The Moral Grammar of Social Conflicts. Cambridge: Polity Press.

Madeline Brandt Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Corinna Hopf studentische Hilfskraft

Jakob Domke Wissenschaftlicher Mitarbeiter



Prof. Dr. Martina Ritter
Vizepräsidentin für Forschung und Transfer

Prof. Dr. habil. Monika Alisch
Sozialplanung, Sozialraum- und Gemeinwesenarbeit