Public Health unter Druck. Wie nehmen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus Einfluss auf Themen und Handlungsfelder?
: Ringvorlesung im SoSe 2026 am Fachbereich Gesundheitswissenschaften der HS FuldaPublic Health als Wissenschaft und soziale Praxis ist eingebettet in ökonomische, soziale und politische Kontexte. Erfahrungen aus den USA und verschiedenen europäischen Ländern (z.B. Ungarn, Polen, Österreich) belegen, wie stark Themen und Handlungsfelder von Public Health gegenwärtig zum Ziel und Spielfeld rechtspopulistischer und rechtsextremer Strategien werden und demokratische Errungenschaften gefährden.
Die Vortragsreihe im Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Hochschule Fulda versammelt vor diesem Hintergrund aktuelle Expertisen und Forschungen über Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in der Gesundheitspolitik und den Public Health-Handlungsfeldern der sexuellen und reproduktiven Rechte, des Klimaschutzes und des Pandemiemanagements.
Neben der inhaltlichen Diskussion soll es darum gehen, ins Gespräch zu kommen: über die Verantwortung von Public Health-Akteur:innen und darüber, wie demokratische Strukturen, Ziele und Inhalte geschützt werden können.
Programm
Vorträge jeweils von 18:00-19:30 Uhr
Neo-Nazi marches against the Christopher-Street-Day celebration in Fulda, smear campaigns against active civil society, and the strong showing of the AfD in the last local elections: The city of Fulda and the surrounding area in eastern Hesse are hotspots of far-right activites. The MBT Hessen not only documents far-right incidents in eastern Hesse but, above all, advises and supports active citizens seeking to counter these phenomena. This presentation offers insight into the work being done on the ground: how can we define this phenomenon? What is occurring in this region? And: what strategies have been proven to be effective in counteracting it?
About Speaker/Organization:
The MBT Hessen provides counsel to civil society, businesses, government representatives, and anyone who seeks to oppose right-wing extremism and racism, and to advocate democracy. In addition, they offer workshops and lectures on the subject. The MBT Hessen is part of a state- and nationwide network of counselling centres. Jakob Stengel holds a Master’s degree in History and is responsible for public relations at MBT Hessen. Marie-Lena Barth has a Master’s degree in Peace and Conflict studies and works as a consultant at MBT Hessen.
This lecture is based on the article "Potential Global Effects of the Rise of the Far Right on Public Health" (American Journal of Public Health, 2025), which examines the implications of far-right political movements for population health, considering the impact of their discourses and the policies they implement.
The study was conducted as a narrative review of the scientific literature, aiming to identify and synthesize existing knowledge on how far-right ideologies, discourses, and policy approaches may influence health outcomes and health systems at both individual and population levels.
The findings show that the rise of the far right represents a structural and global phenomenon with potential negative effects on public health. These effects operate through multiple mechanisms, including increasing social and economic inequalities, promoting discriminatory practices, undermining rights, weakening public health systems, and fostering distrust in science and institutions.
As a political determinant of health, these dynamics require a call to action from public health professionals to protect equity, rights, population health, and collective well-being in the face of the threat posed by the far right.
About Speaker:
José Miguel Carrasco
Socio investigador
Cooperativa APLICA: Investigación y traslación
Nicht nur der gegenwärtige US-Präsident, sondern auch viele andere Menschen mit extrem rechten Weltdeutungen halten den Klimawandel entweder für eine Erfindung oder für ungefährlich. Entgegen umfangreicher Evidenz sehen sie in der Fortsetzung der fossilen Energienutzung sowie in der Atomkraft eine verheißungsvolle Zukunftsperspektive. Alternative Energiegewinnung wird vielfach abgelehnt. Der Vortrag skizziert die Positionen der extremen und populistischen Rechten zum Thema Klimawandel und verdeutlicht, wie diese Akteure in die politische Debatte eingreifen.
Angaben zur Person:
Prof. Dr. Fabian Virchow; Studium der Soziologie, Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, Promotion an der FU Berlin. Seit 2010 Professor für Theorien der Gesellschaft und politischen Handelns an der Hochschule Düsseldorf, wo er auch den Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus leitet.
Antifeministische Bewegungen gewinnen an Einfluss und greifen zunehmend die Grundlagen sexueller und reproduktiver Rechte an. Diese Entwicklungen wirken sich direkt auf die Gesundheit und Selbstbestimmung von Frauen, queeren Personen und anderen marginalisierten Gruppen aus. Der Vortrag beleuchtet zentrale Akteur*innen, Narrative und politische Strategien dieser Angriffe und zeigt auf, warum sie zu einer wachsenden Herausforderung für Public Health werden.
Angaben zur Person:
Judith Goetz ist Literatur-, Politik- und Bildungswissenschafterin, Gender-Forscherin, Rechtsextremismus-Expertin, Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (FIPU), Lehre und Forschung an der Universität Innsbruck.
Forschungsschwerpunkte:
Rechtsextremismus und Gender, Antifeminismus, genderreflektierte politische Bildung.
Mitherausgeberin der Sammelbände „Rechtsextremismus: Band 4: Herausforderungen für den Journalismus“ (2021), „Handlungsstrategien gegen Rechtsextremismus“ (2022), „Global Perspectives on Antifeminism“, Monographie „Geschlechterpolitiken der Identitären. Ein Beitrag zur politischen Bildung gegen Rechtsextremismus“ (2024)
Wir verstehen oder erkennen viele Krisen nur auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Klimawissenschaften sind für die Erklärung der Klimakrise genauso wichtig wie es die Epidemiologie in der Corona-Krise war. Gleichzeitig wird gerade in Krisenzeiten der Wissenschaft ein hohes Maß an Skepsis oder Ablehnung zuteil. In den USA gehört das Abstreiten grundlegender wissenschaftlicher Einsichten („science denialism“) zum Standardrepertoire des Rechtspopulismus, genauso wie Attacken auf unliebsame Forschungsfelder („gender studies“). Was verbirgt sich hinter dem Phänomen der Wissenschaftsskepsis? Welche Formen und welche Ursachen hat sie? Diese Fragen lassen sich nur dann zufriedenstellend beantworten, wenn wir der Grundfrage nicht ausweichen: Warum sollten wir der Wissenschaft überhaupt vertrauen?
Angaben zur Person:
Alexander Bogner ist Soziologe und arbeitet am Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. 2017-2019 war er Professor für Soziologie an der Universität Innsbruck. 2019-2025 war er Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie. 2023 hat er auf Initiative der Österreichischen Bundesregierung die Forschungen zur Aufarbeitung der Corona-Krise geleitet.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung über den Link [zur Anmeldung] ist erforderlich. Im Rahmen der Anmeldung werden Ihr Name sowie Ihre E-Mail-Adresse abgefragt. Weitere Angaben (z. B. Institution) sind freiwillig.
Ihre Daten werden ausschließlich zur Organisation und Durchführung der Veranstaltung verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Eine Veröffentlichung der Teilnehmendendaten erfolgt nicht. Die Daten werden nach Abschluss der Veranstaltungsreihe gelöscht.
Anmeldeschluss ist jeweils 48 Stunden vor der betreffenden Veranstaltung. Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigung sowie die Zugangsdaten per E-Mail.
Nur die erste Veranstaltung findet in Präsenz an der Hochschule Fulda am Fachbereich Gesundheitswissenschaften statt, alle weiteren Termine werden als Webinar durchgeführt.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und bitten um einen respektvollen und wertschätzenden Austausch im Sinne der Netiquette.
Kontakt: RingvorlesungGWSoSe2026@hs-fulda.de