Projekt HABITAT

HABITAT ist ein im Rahmen der Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich ökonomischer Exzellenz gefördertes Schwerpunkt-Forschungsprojekt mit einer Laufzeit von insgesamt drei Jahren (2024 bis 2027). Es handelt sich um ein Verbundprojekt mit der Philipps-Universität Marburg (Federführung). An der Hochschule Fulda liegt die Projektleitung bei Prof. Dr. Dea Niebuhr (Health Technology Assessment und Gesundheitssystemdesign) und Prof. Dr. Katharina Rathmann (Sozialepidemiologie und Gesundheitsberichterstattung). Das Akronym HABITAT steht für Health Affected by Climate Change and Air Pollution - Pathophysiology and Regional Management.

 

Kurzüberblick

 

Projektkoordination (Federführung):

Prof. Dr. Dr. Thomas Brenner (Philipps-Universität Marburg)

 

Stellv. Projektkoordination:

Prof. Dr. Dea Niebuhr (Hochschule Fulda)

Prof. Dr. Bernhard Schieffer (Philipps-Universität Marburg)

 

Projektleitungen am Standort Fulda:

 

Prof. Dr. Dea Niebuhr  

Prof. Dr. Katharina Rathmann

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Standort Fulda:

 

Irina Pfeiffer, M. Sc.

Joana Roth, M. Sc. 

 

 

Förderschwerpunkt:11; Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich –ökonomischer Exzellenz (LOEWE), 16. Förderstaffel 
Laufzeit:Januar 2024 bis Dezember 2027
HABITAT-Projekthomepage der Universität Marburg:

https://www.uni-marburg.de/de/fb19/habitat/ueber-uns 

 

Publikationen:

in der Planung 

 

Präsentationen: 

Pfeiffer, I. (2024). Bedarfe für die Entwicklung und die Erprobung/Pilotierung einer digital-gestützten Steuerung einer an den Klimawandel angepasste Gesundheitsversorgung in den Modellregionen. Vortrag im Rahmen des Advisory Boards in Marburg (09.10.2024)

Pfeiffer, I. (2025). Mixed-Methods Evaluation of the Climate-Health App: Survey, Focus Groups and Interviews. Vortrag im Rahmen eines projektinternen Workshops in Fulda (23.01.2025)

 

Im Projekt HABITAT untersuchen die Philipps-Universität Marburg und die Hochschule Fulda gemeinsam die Auswirkungen von Klima- und Umwelteinflüssen (z. B. Hitze, rasche Temperaturwechsel, Luftverschmutzung, Pollenbelastung) bei Patientinnen und Patienten mit Herzerkrankungen (z. B. Koronare Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz), Atemwegserkrankungen (z. B. Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma) und Schwangeren mit Bluthochdruck. Ziel des Projektes ist es, Strategien zu entwickeln, wie die regionale Gesundheitsversorgung in Ost- und Mittelhessen an klimatische Bedingungen angepasst werden kann. Zunächst werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten untersucht. Mithilfe statistischer Verfahren und KI-gestützter Analysen sollen Zusammenhänge zwischen Wetter- und Umweltbedingungen und individuellen Faktoren (z. B. Vorerkrankungen, Alter und Gewicht) auf Krankheitsverläufe identifiziert werden. Darauf aufbauend entstehen KI -Modelle, die individuelle Prognosen wetter- und umweltbedingter Gesundheitsrisiken ermöglichen. Im Rahmen des Projektes werden digitale Anwendungen, eine mobile Klima-Gesundheits-App für Patientinnen und Patienten sowie ein digitales Instrument für medizinisches Fachpersonal, entwickelt und erprobt, mit denen Prävention, Früherkennung und Versorgungssteuerung klimaadaptiv gestaltet werden sollen. Hierzu werden Wetter- und Umweltdaten z. B. vom Deutschen Wetterdienst, von eigenen regionalen Wetterstationen und projektinternen Pollenmonitoren, die Gesundheitsdaten der Patientinnen und Patienten sowie die individuellen Prognosen wetter- und umweltbedingter Gesundheitsrisiken integriert.

Das Projektteam an der Hochschule Fulda konzentriert sich auf die wissenschaftliche Begleitforschung dieser digitalen Anwendungen in den Modellregionen Fulda und Marburg. Erprobt wird eine mobile Klima-Gesundheits-App, die die Nutzerinnen und Nutzer dabei unterstützen soll, besser mit klimabedingten Belastungen umzugehen und individuelle Coping-Strategien der belastenden Wetter- und Umweltereignissen im Zusammenhang mit ihren Erkrankungen zu entwickeln. Personalisierte Risikoeinschätzungen und passende Handlungsempfehlungen auf Basis der Gesundheits- und Umweltdaten der Klima-Gesundheits-App richten sich vor allem an vorerkrankte Menschen. Die Bedürfnisse und Bedarfe an eine solche App sind aus Sicht der potenziellen Nutzerinnen und Nutzer von zentraler Bedeutung, deshalb werden vor und während der Erprobungsphase die alltagsnahe, benutzerfreundliche App-Gestaltung wissenschaftlich begleitet.

Die zweite digitale Anwendung richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie weiteres medizinisches Fachpersonal im ambulanten und stationären Bereich. Dieses digitale Instrument soll im Versorgungsalltag von Patientinnen und Patienten mit den oben genannten Krankheitsbildern zum Einsatz kommen. Es werden Gestaltungsideen für dieses digitale Instrument entwickelt, um diese im Versorgungsalltag der Use Cases, z. B. durch Bereitstellung von Informationen zu aktuellen Wetter- und Umweltbedingungen digital zu unterstützen. Die Bedarfe für ein regionales klimaresilientes Versorgungskonzept werden von der Hochschule Fulda erforscht.

Die im Projekt entwickelten digitalen Anwendungen sollen erstens die Selbstwahrnehmung und Handlungsfähigkeit von Patientinnen und Patienten vor dem Hintergrund der künftigen Entwicklung des Klimawandels stärken sowie zweitens die klimaresiliente Versorgungssteuerung und die Zusammenarbeit im intersektoralen Gesundheitssystem optimieren. Schließlich wird ein multidimensionales und interdisziplinäres Governance-Konzept zur Zusammenarbeit relevanter Akteurinnen und Akteure der medizinischen und öffentlichen Gesundheitsversorgung in den Modellregionen abgeleitet, um sich sukzessive (nach und nach) an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Das Projektteam an der Hochschule Fulda führt partizipative Workshops mit Patientinnen und Patienten durch, um deren Erfahrungen, Bedürfnisse und Erwartungen im Umgang mit klimabedingten Gesundheitsbelastungen und der Klima-Gesundheits-App zu erfassen. Zur Identifikation der Bedarfe und Bedürfnisse für das digitale Instrument und der Klimaanpassung der Gesundheitsversorgung finden Interviews mit Gesundheitsversorgerinnen und -versorgern aus dem ambulanten, stationären und öffentlichen Bereich statt. Zudem werden auch (Online-) Befragungen zur Erfassung der Nutzungsfreundlichkeit und des Nutzungsverhaltens in regelmäßigen Abständen eingesetzt. Dieser methodische Ansatz mit unterschiedlichen Methoden (sog. Mixed-Methods-Ansatz) ermöglicht es, sowohl subjektive Perspektiven und Ansichten als auch generalisierbare Aussagen zu den Nutzungsrealitäten zu gewinnen.

Das Projekt HABITAT ist ein innovativer Beitrag zur Anpassung der Gesundheitsversorgung an die Herausforderungen des Klimawandels in den Modellregionen in Ost- und Mittelhessen. Aktuelle und regionale Umwelt- und Wetterdaten werden erfasst und bedarfsgerecht für die jeweiligen Zielgruppen mit Vorerkrankungen aufbereitet. Auf dieser Grundlage können personalisierte bzw. individualisierte Risikoeinschätzungen sowie konkrete Handlungsempfehlungen gezielt vermittelt werden. Das Medium hierfür sind digitale Anwendungen wie eine mobile Klima-Gesundheits-App und ein digitales Instrument. Langfristig leistet HABITAT einen Beitrag zur Entwicklung einer klimaresilienten, praxisnahen und partizipativen Gesundheitsversorgung mit dem Ziel, die in den Modellregionen Fulda und Marburg erarbeiteten Konzepte perspektivisch auf deren Übertragbarkeit in andere Versorgungsregionen zu prüfen.