Fundstück des Monats April

30.03.2021

 

Osterkuchenrezept aus der Zeit Napoleons

(Bilder anklicken zum Vergrößern)

Passend zu Ostern präsentieren wir Ihnen als Fundstück des Monats April ein Kuchenrezept aus einem handgeschriebenen Backbuch von 1815. Die feinsäuberlich notierten „Backwerk-Recepte“ stammen von Maria Anna Schwank, der Mutter des Fuldaer Freimaurers und Rechtsgelehrten Adam Joseph Schwank. Letzterer vermachte unserer Bibliothek wenige Jahre vor seinem Tod seine gesamte Privatbibliothek (sog. „Schwank´sche Stiftung“), zu der nicht nur mehrere tausend gedruckte Bücher, sondern auch sämtliche handschriftliche Erinnerungsstücke aus seiner Kindheit und Jugend stammen.

Da das Buch auffallend unbenutzt wirkt und keinerlei Gebrauchsspuren aufweist, ist davon auszugehen, dass es sich dabei lediglich um eine Abschrift handelt, welche sie jedem ihrer drei Kinder mit auf den Weg gab. Möglicherweise hegte sie den Wunsch, dass auf diese Weise ihre eigene Rezeptsammlung weiterhin in den Familien ihrer Kinder bleiben und traditionell weitergegeben werden würde. Dem nahezu neuen Erhaltungszustand nach zu urteilen schien Schwanks Ehefrau Marianne jedoch nur wenig Gebrauch von dem gutgemeinten Vermächtnis ihrer Schwiegermutter gemacht zu haben.

Neben zahlreichen anderen Süßspeisen und -getränken - auch die Zubereitung von „Lemonaad“ wird erläutert - hält Maria Anna Schwank ein Käsekuchenrezept für ihre Nachfahren fest, welches wie folgt lautet:

Käßkuchen.
Man mache einen mürben Teig von Butter, Mehl und etwas Milch. Dieser Teig wird dünn ausgerieben, dann aussen herum etwas eingeschlagen und in die Höhe gesezt damit der Guß, welcher darauf kömmt, nicht ablaufen könne. Zum Guß nehme man Käse Matten. Diese wird mit frischer Butter recht fein abgerührt, daß nichts knolligtes mehr dabei ist. Alsdann schlage man zu einem Kuchen 5 bis 6 Eigelb zu dem abgerührten Käße, und menget es recht untereinander, dann mit sauerem Raum (sic!) vollends dünn angerührt. Man thut auch etwas Zieber dazu, und schmiert es sodann auf den oben bemelten Teig, bestreut mit kleinen Rosinen, und läßt es schon im Ofen oder Tortenpfanne backen. Diese werden entweder zum Frühstück, oder Vesperstück gegeben.


Sollten Sie sich stattdessen für historische Back- und Kochrezepte aus anderen Epochen interessieren, empfehlen wir Ihnen u. a. folgende Titel, die in unserer umfangreichen Kochbuchabteilung am Heinrich-von-Bibra-Platz ausleihbar sind:

Kochen durch die Epochen: Von der Steinzeit bis ins Mittelalter

Zur Sprache in Kochbüchern des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Ein fachkundliches Wörterbuch

Kochschätze aus dem Kessel: Speisen mit Wikingern, Franken und Slawen

Dinner mit Jane Austen

Downton Abbey Teetime: 60 Rezepte zum Afternoon Tea

Feldküche und Co.: Ausrüstung und Verpflegung im deutschen Heer

Darüber hinaus möchten wir Sie an dieser Stelle auf die große Kochbuchsammlung der Universitätsbibliothek Frankfurt a. M. hinweisen, welche eine Sammelstelle für exotische Kulinarik aus aller Welt darstellt.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Nachlesen und Nachbacken sowie ein schönes Osterfest!

 

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