Fundstück des Monats Januar 2022

30.12.2021

Neujahrsgeschenk von 1779

Bei unserem ersten Fundstück des Monats im Jahr 2022 handelt es sich um ein typisches Buchgeschenk für Kinder, welches anlässlich des Jahreswechsels verschenkt wurde. Dieser Brauch wird 1806 in der bekannten Enzyklopädie von Johann Georg Krünitz ausführlich in einem eigenen Artikel erläutert. Darin heißt es:
 
„NEUJAHRSGESCHENK.
Das Geschenkebringen war in den ältesten Zeiten ein Zeichen der Ehrerbietung. Dieses war besonders bey den Morgenländern eine alte Sitte, wo man niemanden besuchen konnte, ohne ihm ein Geschenk mitzubringen. Auch bey andern Völkern wurden Geschenke für einen Beweis der Freundschaft und Liebe gehalten. Man sah es für eine gute Vorbedeutung an, wenn einem mit dem Anfange der Woche etwas Angenehmes begegnete, wie vielmehr also im Anfange des Jahrs, und was konnte einem Angenehmeres begegnen, als wenn man beschenkt wurde? Auch war es schon bey den Griechen, Persern und Juden Sitte, sich beym Schlusse oder Anfange eines Jahrs zu beschenken, und die ältesten Deutschen hatten diese Gewohnheit, welche sich in Frankreich, Deutschland, besonders in Franken und Bayern, lange erhalten hat. In Italien kamen die Neujahrsgeschenke bey Gelegenheit eines grünen Zweiges, aus dem Hain der Göttinn Strenia, auf, welcher dem Sabinischen Könige Titus Tatius am Neujahrstage gebracht, und von ihm als ein gutes Zeichen aufgenommen wurde.“
(Johann Georg Krünitz: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft. Art. „Neujahrsgeschenk“. Berlin 1806, Bd. 102, S. 505.)

Neujahrsgeschenke in Buchform waren gerade im späten 18. Jahrhundert häufig in den Dezember-Verkaufsanzeigen der Buchhändler anzutreffen und stellten insbesondere für Kinder und Jugendliche eine beliebte Geschenkidee dar, zumal sie in erster Linie didaktische Ziele verfolgten. Anders als heute war zu der damaligen Zeit nicht das Weihnachtsfest der Anlass für Geschenke, sondern der Jahreswechsel in Form einer Neujahrsgabe. Weih-nachten in seiner heutigen Gestalt bildete sich erst ab der Zeit des Biedermeier heraus, für die der Rückzug ins Private charakteristisch war und der häuslichen Domäne ein besonders hoher Stellenwert beigemessen wurde.

Mit diesem historischen Neujahrsgruß wünschen auch wir Ihnen alles Gute für das kommende Jahr!

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