Geschichte

Die HLB erfüllt ihre vielfältigen Aufgaben an zwei unterschiedlichen Standorten, die sie auch nach der Fusion zum 1.1.2001 der bis dahin selbstständigen Hessischen Landesbibliothek in die Hochschule (damals: Fachhochschule) beibehalten hat. Am Standort Campus, also der ehemaligen Fachhochschulbibliothek, bietet sie ihre Dienstleistungen vorrangig als Unterstützung für Lehre, Studium und Forschung der Fachbereiche an, am Standort Heinrich-von-Bibra-Platz erfüllt sie schwerpunktmäßig ihre landesbibliothekarischen Aufgaben.

Die deutlich jüngere Geschichte hat die ehemalige Fachhochschulbibliothek, die erst 1971 mit der Gründung des damaligen Bereichs Fulda der Fachhochschule Gießen entstand. Sie übernahm die seit 1963 aufgebauten Büchersammlungen des später aufgelösten Pädagogischen Fachinstituts Fulda, Teilbestände anderer pädagogischer Fachinstitute und einige umfangreichere Schenkungen.
Die Erwerbungsentscheidungen, die überwiegend die an der Hochschule Fulda vertretenen Fachbereiche Angewandte Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik, Lebensmitteltechnologie, Oecotrophologie, Pflege und Gesundheit, Sozialwesen, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie Wirtschaft treffen, sind vom Lehrangebot mit seinen (wechselnden) Schwerpunkten und Ausrichtungen bestimmt. Dem ursprünglichen Auftrag der (Fach)Hochschulen entsprechend befindet sich überwiegend lehrbuchartige und anwendungsbezogene Fachliteratur im Bestand. Von 1989 an war die Bibliothek in einem Mehrzweckgebäude der Hochschule untergebracht bis sie 2013 ihren Neubau auf dem Campus beziehen konnte.
In die Bibliothek sind als Sonderabteilungen integriert das 1995 eröffnete spezialisierte Europäische Dokumentationszentrum, das aufgrund einer Übereinkunft mit der Europäischen Kommission amtliche Druckschriften der Europäischen Union bereithält, des Weiteren das Peter-Kühne-Archiv, die Wissenschaftliche Sammlung Rhön sowie das Archiv der Forschungsgesellschaft Flucht und Migration.

Die Geschichte der ehemaligen Hessischen Landesbibliothek als der kleinsten wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek in Hessen reicht dagegen viel weiter zurück.
1776 gründete Fürstbischof Heinrich von Bibra die "Öffentliche Bibliothek" mit Beständen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Konventsbibliothek, der Hofbibliothek, Teilen der 1773 aufgehobenen Jesuitenbibliothek und der Bibliothek des Päpstlichen Seminars in Fulda gesammelt worden waren. Am 5. Mai 1778 öffnete die Bibliothek erstmals ihre Pforten (in einem Gebäude, das auch heute noch existiert. Beim sog. Auditorium maximum der Theologischen Fakultät handelt es sich um den damaligen Lesesaal.) Daher können wir auf eine nunmehr 240jährige Geschichte zurückblicken. Private Stiftungen, die reiche Sammlung der Pfarrkirche in Hammelburg und Zuwächse aus weiteren Bibliotheken aus dem Umland nach der Säkularisierung von 1802/03 ließen den Bestand der Bibliothek kontinuierlich anwachsen.
Von der einstmals berühmten Fuldaer Klosterbibliothek waren allerdings schon zum Zeitpunkt der Bibliotheksgründung kaum noch Bände vorhanden, da sie zum größten Teil bereits während des Dreißigjährigen Krieges verloren gingen. Wichtigen Zugewinn erhielt die Bibliothek durch 1.560 Bände aus dem Kloster Weingarten am Bodensee: 1802 wurde der Erbstatthalter von Holland, Friedrich Wilhelm V. von Nassau-Oranien-Dillenburg, für den Verlust seiner holländischen Herrschaft mit dem Fürstentum Fulda sowie Weingarten und Corvey entschädigt.
Teile der Weingartner Bibliothek wurden nach Fulda überführt, darunter 146 Handschriften des 10. bis 13. Jahrhunderts. Sie bilden zusammen mit den drei Bonifatianischen Codices und einem auf Pergament gedruckten Exemplar der Gutenberg-Bibel (AT) die Glanzpunkte des wertvollen historischen Altbestands der HLB.
Ein weiterer Glücksfall für die Bibliothek war die Erwerbung der Schwank'schen Stiftung von 1886 mit 209 Handschriften sowie 7.300 z. T. seltenen und alten Drucken, darunter vielen zur Geschichte Fuldas. Die HLB besitzt zudem die größte Sammlung von Werken des Humanisten Ulrich von Hutten (1488-1523) in Deutschland. Zusammen mit einer beträchtlichen Anzahl von frühen Ausgaben der Werke Luthers und anderer Reformatoren stellen diese Drucke, Handschriften und Bildnisse einen nicht zu vernachlässigenden Fundus wichtiger geistesgeschichtlicher Quellen dar.

Ein weiteres, wichtiges Ereignis war die Entscheidung der Stadt, der Bibliothek die Verantwortung für stadtbibliothekarische Aufgaben zu übertragen. In einem Kooperationsvertrag, der ein bundesweit einmaliges Modellprojekt besiegelte, einigten sich Stadt Fulda, Land Hessen und Hochschule Fulda darauf, dass die Bibliothek an ihrem Standort am Heinrich-von-Bibra-Platz künftig auch stadtbibliothekarische Funktionen für Kinder und Jugendliche verantworten solle. Dies tut sie seit dem 1. Oktober 2011 in einem modernen Anbau und mit großem Erfolg.