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Eine S-Initiale des Sebastianus aus dem 12. Jh.
In einer im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts im Kloster Weingarten geschriebenen und später nach Fulda gelangten Pergament-Handschrift findet sich eine Federzeichnung des heiligen Sebastianus (fol. 155r) zur Ausschmückung einer S-Initiale. Sebastianus wird zeitgenössisch als bärtiger Soldat mit zwei Pfeilen seines Martyriums in der linken Hand dargestellt. Sein Status als Heiliger wird durch den Palmenzweig in seiner rechten Hand sowie durch den punzierten Nimbus um seinen Kopf symbolisiert. Die Bezeichnung des Codex als Lektionar (Lectionarium officii) bedeutet, dass in ihm entsprechend der Festtage des Kirchenjahres Texte für die Gottesdienstlesungen aufgenommen wurden.
Da der Gedenktag des heiligen Sebastianus auf den 20. Januar fällt, wurde seine Lebensgeschichte für diesen Monat festgehalten. Nach der Überschrift „In natale sancti Sebastiani“ folgt der Textbeginn: „Sebastianus vir christianissimus Mediolanensium eruditus civis vero Narbonensis oriundus Diocletiano et Maximiano imperatoribus ita carus erat ut principatum ei primae cohortis traderent et fuis eum aspectibus iuberent semper astare“. Frei übersetzt bedeutet dies: Sebastianus, ein tiefgläubiger Mann und gelehrter Bürger aus Mailand bzw. Narbonne, war den Kaisern Diokletian und Maximian so lieb, dass sie ihm das Kommando über die erste Kohorte übertrugen und ihm befahlen, bei ihren Treffen immer anwesend zu sein.
Sebastianus war demnach römischer Soldat und Leibwache der beiden Kaiser. Nachdem er sich zum Christentum bekannt und anderen Christen geholfen hatte, wurde er von den heidnischen Kaisern zum Tode verurteilt, wobei das Urteil durch Bogenschützen vollstreckt werden sollte. Sebastianus überlebte diese Tortur, wurde gesund gepflegt und bekannte sich vor Diokletian erneut zum Christentum. Der Kaiser verfügte darauf, ihn mit Keulen erschlagen zu lassen. Später wurde seine in den Hauptabwasserkanal (Cloaca Maxima) geworfene Leiche geborgen und in der ältesten christlichen Katakombe an der Via Appia beigesetzt. Über seinem Grab entstand mit der Kirche San Sebastiano fuori le mura eine der sieben Pilgerkirchen, die von allen Rompilgern ab dem Mittelalter besucht werden sollten.
Die gesamte Handschrift kann auf dem Digitalisierungsportal „FulDig“ eingesehen werden. Weitere Informationen zur Handschrift sind auch im Katalog der theologischen Handschriften in der HLSB zu finden, der ebenfalls auf „FulDig“ zur Verfügung steht.
OPEN-ACCESS.NETWORK STARTET IN DIE DRITTE FÖRDERPHASE
Das deutschlandweite Projekt open-access.network erhält für die dritte Förderphase von 2026 bis 2028 erneut Unterstützung durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Ziel ist es, die Plattform langfristig zu sichern und die bundesweite Open-Access-Infrastruktur zu stabilisieren. Die Projektpartner – darunter das Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum der Universität Konstanz, die Technische Informationsbibliothek Hannover, die SUB Göttingen, das Helmholtz Open Science Office und das Open Research Office Berlin – bringen ihre Expertise ein, um die Open-Access-Transformation weiter voranzubringen.
Dank der Förderung können bestehende Services und Tools weiterentwickelt, die Community gestärkt und die Integration von Open Access in die wissenschaftliche Praxis nachhaltig gesichert werden.
Kurz gesagt: Forschende unserer Hochschule profitieren von einer verlässlichen, langfristig gesicherten Open-Access-Infrastruktur – zentral gebündelt hier zu finden.