Franz von Assisi: Il Poverello ("Der kleine Arme")

Fundstück des Monats

Anlässlich seines 800. Todestages am 03. Oktober erinnern wir mit Franz von Assisi an einen der bekanntesten Heiligen des Mittelalters. Er genoss eine gute Schulausbildung und trat danach in das väterliche Tuchgeschäft ein. In einer beschädigten Kapelle außerhalb seiner Heimatstadt Assisi sprach der Überlieferung zufolge Christus durch das Kreuz zu ihm. Er erhielt den Auftrag, die Kirche neu aufzubauen. Franziskus nahm dies wörtlich und baute die Kapelle neu auf. Hierzu verwendete er Waren des väterlichen Betriebs. Während der folgenden Gerichtsverhandlung entledigte sich Franziskus seiner Kleidung und gab diese als Zeichen an seinen Vater zurück, dass er auf sein Erbe verzichte.

Franziskus lebte fortan als Einsiedler. Nach und nach schlossen sich ihm weitere Personen an. Besitzlosigkeit und Demut stellte Franziskus in den Mittelpunkt und verstand die Worte Christi, die er durch das Kreuz gehört hatte, nun als Auftrag, die von politischer Macht und Wohlstand geprägte Amtskirche von innen heraus zu erneuern. Hierbei stellte er die Kirchenhierarchie nicht in Frage und konnte von Papst Innozenz III. die Bestätigung für seine Bewegung erwirken. In der Folge entstanden für die Männer der Orden der Franziskaner und für die Frauen der Orden der Klarissen. Später entstand der Dritte Orden als eine Gemeinschaft, die nach den Regeln des Franziskus außerhalb eines Klosters leben wollte.

Der heute weltweite Brauch der Weihnachtskrippen geht auf Franziskus zurück. In Greccio wollte er 1223 das Weihnachtsevangelium erstmals der Gemeinde auch bildlich vor Augen führen. Er ließ daher in einer Höhle mit echten Tieren und einer echten Krippe die Weihnachtsmesse feiern. Besonders wichtig war Franziskus die intentionale Geschwisterlichkeit, die sich nicht nur auf alle Menschen, sondern auf die gesamte Schöpfung erstreckte. Überliefert sind Episoden, nach denen er Vögeln predigte, oder den Wolf von Gubbio durch Mitgefühl befriedete. Als Franziskus 1226 starb, hatte sich seine Bewegung bereits über ganz Europa ausgebreitet. Nicht einmal zwei Jahre nach seinem Tod wurde er durch den Papst heiliggesprochen.

Das Fundstück des Monats zeigt den heiligen Franziskus barfuß und in einer einfachen Mönchskutte mit Rosenkranz außerhalb von Assisi. In der Hand hält er das Kreuz aus San Damiano. An Händen und Füßen sowie oberhalb des Rosenkranzes sind die Wundmale Christi zu sehen, die Franziskus in seinen letzten Lebensjahren aufwies.

Die Darstellung stammt aus dem erstmals 1649 erschienenem Andachtsbuch „Vierfacher Geistlicher Seelen-Spiegel“ von Adam Burvenich. Neben Gebeten und Erzählungen enthält das Werk auch Lieder und gedruckte Notenseiten. Die Ausgabe stammt aus der 2020 aufgelösten Bibliothek des Klosters Frauenberg und zählt zu den 11.000 Medien, die im Rahmen eines Depositalvertrages von der HLSB Fulda übernommen wurden. Das Buch kann vollständig auf unserer Digitalisierungsplattform FulDig eingesehen werden.

Franziskus ist ab dem 12. Oktober ein Bücherturm am Standort Heinrich-von-Bibra-Platz gewidmet.