Komponist & König: Das
„Musikalische Opfer"
in Fulda

Fundstück des Monats

Es muss ein besonderes Treffen im Mai 1747 gewesen sein, das in der Folge auch immer wieder die Fantasie von Menschen bis in unsere Zeit anregte. Der Preußenkönig Friedrich der Große empfing in Potsdam Johann Sebastian Bach, einen Großmeister der Barockmusik. Bach folgte der Einladung des Königs; sie bot ihm die Gelegenheit, seinen Sohn Carl Philipp Emanuel zu besuchen, der damals am Hof in Potsdam als Cembalist tätig war.

Der König scheint Bachs Besuch in der Rückschau lange geplant zu haben, war er doch selbst ein großer Musikliebhaber und begnadeter Flötist. Vor dem versammelten Hof forderte Friedrich den Komponisten heraus. Mit Verweis auf Bachs Fähigkeiten stellte er ihm die Aufgabe, auf Grundlage eines ihm spontan gestellten musikalischen Themas eine dreistimmige Fuge zu improvisieren. Dieses „thema regium“ lieferte Friedrich; wobei bis heute umstritten ist, ob es tatsächlich von ihm selbst stammte oder ob eine andere Person diese höchst komplizierte Notenabfolge schuf.

Bach nahm die Herausforderung an, setzte sich an das bereitgestellte „Hammerklavier“ und löste mit Bravour die ihm gestellte Aufgabe. Als im Potsdamer Stadtschloss Applaus aufbrandete, ging Friedrich II. einen Schritt weiter: Nun sollte Bach über das königliche Thema eine sechsstimmige Fuge improvisieren. Bach entgegnete, dass dies spontan nicht möglich sei, da er hierfür einige Vorbereitungen zu treffen habe.

Zurück in Leipzig machte sich der Komponist rasch an die ihm gestellte Aufgabe. Er schuf eine Sammlung von hochkomplexen Kompositionen von mathematischer Perfektion, die er als sein „Musikalisches Opfer“ dem Preußenkönig widmete. Noch im selben Jahr veröffentlichte Bach in mehreren Teilausgaben sein Werk.

Rasch gelangte der Erstdruck auch an den Hof in Fulda. Dies ist durchaus bemerkenswert, war Bach doch überzeugter Lutheraner. Während nur wenige Jahre später Teile des „Musikalischen Opfers“ Fulda wieder verließen und vom damaligen Hofkapellmeister Giovanni Battista Pauli nach Bologna geschickt wurden, verbleib ein Teil dieser Erstausgabe weiterhin vor Ort. Heute zählt der in der HLSB Fulda aufbewahrte Band zu den derzeit weltweit 18 bekannten Exemplaren von Bachs Erstausgabe.

Die HLSB Fulda würdigt im September Bachs „Musikalisches Opfer“ nicht nur als Fundstück des Monats, sondern leistet mit der Sonderausstellung „Sammlung und Transfer von musikalischem Wissen im barocken Fulda“ zugleich auch einen Beitrag zum Thema „Bach in Fulda“. Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Bischöflichen Kirchenmusikinstitut Fulda entstanden ist, wird am 03. September mit einem Abendvortrag am Standort Heinrich-von-Bibra-Platz offiziell eröffnet. Das Digitalisat des in der HLSB Fulda aufbewahrten Erstdrucks ist auch auf unserer Digitalisierungsplattform FulDig einsehbar.