Schriften zur Deutschen Revolution 1848

Fundstück des Monats

Am 18. März 2026 wird unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten bundesweit erstmals der Tag der Demokratiegeschichte begangen. Mit dem 18. März sind gleich mehrere wichtige Ereignisse verbunden, darunter die Gründung der Mainzer Republik 1793, die in Berlin zur Märzrevolution führenden Barrikadenkämpfe 1848, der gescheiterte Putsch gegen die Weimarer Republik 1920 und die einzige freie Wahl zur Volkskammer der DDR 1990.

Schwank'sche Sammlung: Einblicke in die Revolution von 1848/49
Anlässlich des Tags der Demokratiegeschichte stellen wir eine „Sammlung von politischen Gelegenheitsschriften zur Deutschen Revolution 1848“ vor (https://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN42361150X/), die als Teil der umfassenden Schwank‘schen Stiftung durch Adam Joseph Schwank 1886 der Landesbibliothek geschenkt wurde. Schwank war aktiv an den Ereignissen der Revolution 1848/49 beteiligt; so engagierte er sich in Fulda beim Turnverein und im Wehrausschuss des Volksrates. Zu seiner Sammlung über die politischen Verhältnisse dieser Zeit gehören verschiedene Zeitungsartikel, Petitionen, Erlasse, Berichte und Gedichte, die einen lebendigen Eindruck von der politisch angespannten Phase der Märzrevolution 1848/49 vermitteln. Zu ihnen gehört auch ein Abdruckruck des Hanauer Ultimatums vom 9. März 1848 (https://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN42361150X/238/) sowie seine Bestätigung durch Kurfürst Friedrich Wilhelm von Hessen (https://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN42361150X/235/), der sich zugleich auch Großherzog von Fulda nannte, nachdem nach der Säkularisation und der napoleonischen Zeit der Großteil des Territoriums der ehemaligen Reichsabtei Fulda an Kurhessen gefallen war.

Die politischen Folgen in Kurhessen
Obgleich das Kurfürstentum Hessen seit 1831 eine vergleichsweise liberale Verfassung besaß, standen einige der in ihr zugesicherten Grundrechte unter Vorbehalt und wurden in der Folge nicht umgesetzt bzw. wieder eingeschränkt. Nachdem eine Petition an den Kurfürsten im Februar 1848 (https://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN42361150X/233/) nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte, wurde in Hanau eine aus 24 Personen bestehende „Volkskommission“ gewählt. Diese sandte eine Delegation nach Kassel, um ihre Forderungen als Ultimatum zu überbringen.

Sie verlangten:
1) die Ministerien mit Männern zu besetzen, die das Vertrauen des Volkes genossen,
2) die vollständige Pressefreiheit zu gewähren,
3) eine Amnestie für politische Vergehen seit 1830 zu verfügen,
4) die vollständige Religions- und Gewissensfreiheit zuzulassen,
5) alle Beschlüsse aufzuheben, die die verfassungsmäßigen Rechte einschränkten, darunter das Petitions-, Einigungs- und Versammlungsrecht,
6) die seit 1831 zugesicherten Gesetzentwürfe zur Liberalisierung und Konstitutionalisierung Kurhessens vorzulegen sowie
7) auf die Einberufung einer deutschen Nationalversammlung hinzuwirken.

Unter dem Druck der sich zuspitzenden revolutionären Stimmung in Europa und besonders im Deutschen Bund lenkte Kurfürst Friedrich Wilhelm ein und gab am 11. März in den vorgebrachten Punkten nach.

Verfassungskonflikt in Kurhessen
Auch wenn das Hanauer Ultimatum wie viele ähnlich lautende Forderungen in den deutschen Staaten nach Freiheit und Einheit zunächst erfolgreich war, führten das Erstarken der konterrevolutionären Kräfte, das Scheitern der Paulskirchenverfassung und die gewaltvolle Niederschlagung der Revolution durch die deutschen Fürsten im Folgejahr zu einer weitgehenden Rückabwicklung der spürbaren revolutionären Errungenschaften. Im Kurfürstentum Hessen entwickelte sich im Nachgang ein Verfassungskonflikt, in dem sich Friedrich Wilhelm mit seinem ersten Minister Ludwig Hassenpflug und der Großteil des liberalen Bürgertums gegenüberstanden. Nachdem die Ständeversammlung sich den Versuchen der Regierung entgegenstellte, die einmal in der Verfassung festgeschriebenen Rechte wieder abzuerkennen, und sich zugleich weigerte, den Haushalt und neue Steuern zu bewilligen, rief der Kurfürst das Kriegsrecht aus. Da aber die hessischen Truppen nicht nur auf ihren Fürsten, sondern auch auf die hessische Verfassung ihren Eid geleistet hatten, reichten die meisten Offiziere Entlassungsgesuche ein, die das Militär handlungsunfähig machten. Erst eine militärische Intervention des Deutschen Bundes konnte die autoritäre Stellung des Kurfürsten wiederherstellen, in deren Folge die Hessische Verfassung auf einen Stand noch vor 1831 zurückfiel.
Das Verlangen nach Freiheit und Einheit war nach 1848/49 allerdings nicht mehr zu ersticken – und auf die reaktionären Zustände in Kurhessen warf die von Liberalen und Demokraten getragene deutsche Nationalbewegung nunmehr ein besonderes Auge.

Thementurm am Standort Heinrich-von-Bibra-Platz
Anlässlich des Tags der Demokratiegeschichte werden wir in der zweiten Märzhälfte am Standort Heinrich-von-Bibra-Platz einen Thementurm mit passenden Büchern präsentieren.

Sammlung von politischen Gelegenheitsschriften zur Deutschen Revolution 1848