Unser Fundstück des Monats nimmt dieses Mal auf den seit 2019 in Deutschland immer am 08. August gedachten Memento-Tag Bezug. Anders als beispielsweise in Südamerika werden in Europa Sterben, Tod und menschliche Vergänglichkeit im öffentlichen Leben selten thematisiert. Dies war nicht immer so. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit hat einen antiken philosophischen Ursprung, bei dem es ausdrücklich nicht um negative oder depressive Gedanken geht, sondern um das Verständnis, dass Menschen aufgrund ihrer begrenzten Lebenserwartung ihre Zeit sinnvoll nutzen sollten.
Der berühmte Ausspruch "Memento mori" (Bedenke, dass du sterben wirst) geht hierbei auf einen Brauch im antiken Rom zurück, bei dem siegreiche Feldherren beim Einzug in die Stadt auf ihrem Triumphzug von einer Person begleitet wurden, die ihnen ununterbrochen diese Worte zusprach.
Er ist daher ein Sinnbild dafür, sich trotz größter Erfolge und höchsten Ruhms im Leben stets der eigenen Menschlichkeit bewusst zu bleiben.
Das philosophische Motiv der eigenen Vergänglichkeit erfuhr im Mittelalter eine christliche Prägung. Entsprechend sollte die begrenzte Zeit des irdischen Lebens sinnvoll genutzt werden, um sich auf das jenseitige ewige Leben vorzubereiten. In der Kunst entstanden für die Darstellung der irdischen Vergänglichkeit verschiedene Motive. Hierbei symbolisiert der Totenkopf generell den Tod, Sanduhren die verrinnende Zeit auf der Erde und verwelkte Blumen bzw. erloschene Kerzen stehen für das schwindende Leben.
Unser Fundstück ist die vom fuldischen Hofkammerdirektor Carl Benedikt Welle (1718-1799) handschriftlich in deutsch verfasste Abhandlung "Betrachtung des Todes" aus dem Jahr 1767. Eine Besonderheit der Schrift ist im hinteren Teil der Wechsel von schwarzer zu roter Tinte, insbesondere bei den Passagen, bei denen es um die sogenannte Blutschuld geht. Auf der Rückseite des Titelblatts wurde eine entsprechende Memento Mori Darstellung mit Totenkopf wiedergegeben. In Anlehnung an eine Predigt des Bernhard von Clairvaux († 1153) hielt man fest:
Memoriam tua mortis tibi objice.
(Halte Dir die Erinnerung an Deinen Tod vor Augen)
Diem exitus tui tibi propone.
(Stell Dir den Tag Deines Ablebens vor)
Dies mortis sit semper in memoria tua, ut recordatione illius perfecte caveas Peccata et Vitia.
(Der Tag Deines Todes sei immer in Deiner Erinnerung, damit durch die Erinnerung an ihn Du dich vollkommen vor Sünden und Laster hütest)
In der Memento Mori Darstellung selbst wurde der Bibelvers (Sirach 14, 12) "Memor esto, quoniam mors non tardat" (Bedenke, dass der Tod nicht auf sich warten lässt) festgehalten. Die gesamte Abhandlung ist auf unserer Digitalisierungsplattform FulDig einsehbar.
