Beruf:

Leiter Verfahrenstechnik bei der Milchwerke "Mittelelbe" GmbH in Stendal

Abschluss:

Lebensmitteltechnologie (Diplom)

Abschlussjahr:

2007


Abitur, Studium, direkter Einstieg in den Beruf ─ so gradlinig wie in einem Musterlebenslauf liest sich der Karriereweg von Sebastian Werner nicht. Dafür es gibt zwei Konstanten, die sich durch seine Vita ziehen: die Leidenschaft für Lebensmittel und der Mut zur Veränderung.

Nach der mittleren Reife machte Sebastian Werner zunächst eine Ausbildung zum Koch. Zwei Jahre arbeitete er in der Gastronomie, dann beschloss er, sich weiterzubilden. „Ich wollte auf meine Ausbildung aufbauen. So kam ich zur Lebensmitteltechnologie“, sagt Werner. Er holte das Abitur nach und schrieb sich 2003 an der damaligen Fachhochschule Fulda für den Diplom-Studiengang „Lebensmitteltechnologie“ ein, der inzwischen durch den gleichnamigen Bachelorstudiengang abgelöst wurde. Für Fulda sprach, dass die Stadt in der Nähe seiner Heimat Aschaffenburg liegt. Zudem war er vorher bei einem Hochschulinformationstag in Fulda gewesen. „Das hat mir gut gefallen“, sagt der heute 39-Jährige.

Vom Trainee zum Abteilungsleiter
2007 machte er seinen Abschluss und stieg bei der Milchwerke "Mittelelbe" GmbH in Stendal (Sachsen-Anhalt) ein. Das Unternehmen ist ein Zulieferer für Pulverprodukte in der Lebensmittelproduktion. Von der Abteilung Verfahrenstechnik wechselte er wenig später in die Produktion und übernahm, nachdem er ein Traineeprogramm absolviert hatte, die Leitung der Abteilung. Nach fünf Jahren hatte Werner das Gefühl, dass seine Arbeit nicht mehr viel mit dem zu tun hatte, was er ursprünglich einmal machen wollte. Er entschied, zurück zu den Wurzeln zu gehen. „Unsere Abteilung Verfahrenstechnik war damals eine Ein-Mann-Abteilung“, erzählt er. „Gemeinsam mit der Geschäftsführung wurde die Strategie entwickelt, diesen Bereich neu aufzubauen.“ 2014 hat er damit begonnen, inzwischen gehören sieben Ingenieurinnen und Ingenieure zu seinem Team.

Als Leiter Verfahrenstechnik kümmert er sich vor allem um die Projektierung von technischen Anlagen. Ein Beispiel: Der Um- und Neubau von Sprühtrocknungsanlagen. Mit solchen Anlagen werden Flüssigkeiten zu Pulver verarbeitet, zum Beispiel Milch- oder Fruchtpulver. Zu seinen Aufgaben gehört ebenso, bestehende Prozesse und Produktionsverfahren zu verbessern. „Solche Projekte zu planen und vorzubereiten, dabei alle Wünsche und Bedürfnisse der Abteilungen zu berücksichtigen ─ das ist schon eine Herausforderung“, sagt der Lebensmitteltechnologe. „Aber gerade das ist es, was mir Spaß macht!“  Während der Umsetzung muss die Produktqualität der laufenden Produktion sichergestellt sein, andere Abläufe dürfen nicht gestört werden, gleichzeitig müssen die Kosten im Rahmen bleiben. Dabei kommen Werner die Erfahrungen zugute, die er vorher in der Produktion gesammelt hat.

Neben der Effizienz der Anlagen ist ihm ein weiterer Punkt wichtig: Seine Kolleginnen und Kollegen sollen damit gut arbeiten können. „Dafür muss ich wissen: Wie arbeiten die Leute? Welche Wege gehen sie? Welche Handgriffe machen sie?“, erklärt er. 

Chemie, Physik und Biologie
Um alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen, ist er viel unterwegs und im ständigen Kontakt zu anderen Abteilungen und externen Partnern. „Das ist definitiv kein Job, bei dem man acht Stunden am Schreibtisch sitzt.“ Über Anlagen für die Herstellung von Lebensmitteln hat er in seinem Studium viel gelernt. „Es wurde viel Wissen aus Chemie, Physik und Biologie vermittelt“, sagt er. „Etwa die Hälfte dessen, was ich täglich mache, hat mit Kenntnissen zu tun, die ich im Studium erworben habe.“ An sein berufspraktisches Semester kann er sich noch gut erinnern. „Da habe ich gesehen, dass auch in Betrieben nicht alles nach Lehrbuch läuft. Das war extrem spannend.“

Sebastian Werner geht davon aus, dass sich seine Arbeit in den nächsten Jahren wesentlich verändern wird. „Es wird mehr automatisiert werden als bisher, Umweltschutz wird ein noch größeres Thema, auch Tierwohl“, sagt er. Die Produkte gingen immer mehr in Richtung „functional food“, also zu Nahrungsmitteln, denen Inhaltsstoffe zugesetzt werden, um eine gesundheitsfördernde Wirkung zu erzielen. Auch diese Aussichten betrachtet er als Herausforderung. In seinem Beruf müsse man sich im Klaren darüber sein, dass ständige Neuerungen dazugehören, findet Werner. „Stillstand ist Rückschritt.“

Sebastian Werner

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