Auszeichnung für zwei Fuldaer Forscher
17.07.2025
Verleihung des Dr.-Norbert-Schmidt-Preises 2025: (v.l.) Hochschulpräsident Professor Dr. Karim Khakzar, Dr. Christoph Hardegen, Dr. Norbert Schmidt, Dr. David Muñiz Hernández, Kanzlerin Dr. Anke Günther und die Vizepräsidentin für Forschung und Transfer, Professorin Dr. Martina Ritter.
Der Informatiker Dr. Christoph Hardegen (36) und der Rechts- und Politikwissenschaftler Dr. David Muñiz Hernández (35) sind für ihre herausragenden Dissertationen mit dem Dr.-Norbert-Schmidt-Preis geehrt worden. Mit ihren Arbeiten liefern die beiden Preisträger neue Ansätze für leistungsfähigere und sicherere Computer-Netzwerke sowie ein besseres Verständnis der politischen Entscheidungsfindung auf EU-Ebene und des Datenschutzes.
Der Stifter des Preises, der Fuldaer Radiologe Dr. Norbert Schmidt, überreichte die Auszeichnungen am Mittwochabend an der Hochschule Fulda. Die fachübergreifende Jury hatte beide Arbeiten mit exakt derselben Punktzahl bewertet, sodass das Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro zu gleichen Teilen aufgeteilt wurde.
Spürbar im Alltag
„Beide Arbeiten greifen sehr praxisnahe Herausforderungen auf und liefern einen herausragenden wissenschaftlichen Beitrag zu deren Lösung bzw. Verständnis“, betonte Dr. Norbert Schmidt in seiner Ansprache. „Die Studien geben Einblicke in technische und politische Prozesse, die in der Regel nicht öffentlich sind, jedoch spürbare Auswirkungen im Alltag haben.“
Hochschulpräsident Professor Dr. Karim Khakzar lobte die hohe wissenschaftliche Qualität: „Die Dissertationen sind auf sehr hohem Niveau. Wir freuen uns, dass wir mit dem Dr.-Norbert-Schmidt-Preis einmal mehr die Leistungsfähigkeit unserer Promotionszentren zeigen können.“
Die Vizepräsidentin für Forschung und Transfer, Professorin Dr. Martina Ritter, unterstrich die Gemeinsamkeit der beiden Arbeiten: „Beides Mal geht es um Schutz – den Schutz der digitalen Infrastruktur und damit unserer Kommunikation und den Schutz unserer persönlichen Daten“, betonte sie. Beides seien wesentliche Bedingungen für eine demokratische Gesellschaft.
Computer-Netzwerke – leistungsfähiger und sicherer
Dr. Christoph Hardegen entwickelte das Management von Computer-Netzwerken weiter durch innovative Ansätze zur Erfassung, Analyse und Steuerung von Datenverkehr. Dafür kombinierte er zwei Forschungsbereiche miteinander – die zunehmende Programmierbarkeit von Computer-Netzwerken – das heißt, deren Kontrolle mittels Software – und das maschinelle Lernen.
Die Jury lobte neben der hohen wissenschaftlichen Qualität der Dissertation vor allem die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und technologischen Trends aus dem Bereich der Computer-Netzwerke, das Zusammendenken von Leistungs- und Sicherheitsfragen, die praxisnahe, übertragbare Konzeption sowie die klar strukturierte und verständliche Darstellung der Inhalte.
Politische Entscheidungsfindung auf EU-Ebene
Dr. David Muñiz Hernández analysierte einen der bedeutendsten EU-Gesetzgebungsprozesse der vergangenen Jahrzehnte: die Entstehung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Dieses Gesetz hat unmittelbare Alltagsrelevanz, denn es geht um das Recht, selbst über persönliche Daten bestimmen zu können. Doch unter welchen politischen, institutionellen und gesellschaftlichen Bedingungen konnte ein solch komplexes und weitreichendes Regulierungsvorhaben wie die DSGVO zustande kommen?
Die Arbeit zeigt exemplarisch, wie politische Entscheidungen auf EU-Ebene entstehen. Sie macht aber auch deutlich, dass sich komplexe Aushandlungsprozesse demokratisch nachvollziehbar analysieren lassen.
Das Einbeziehen nichtöffentlicher Quellen und Insiderperspektiven eröffnet dabei eine neue Sicht auf das Verhältnis von Expertise, Interessensvermittlung und demokratischer Aushandlung im europäischen Gesetzgebungsprozess. „Besonders interessant war, dass formale Mechanismen gar nicht so formal waren. Oft spielte der menschliche Faktor eine entscheidende Rolle, etwa wenn am Ende eines langen Sitzungstags doch noch eine Entscheidung getroffen wurde“, sagt David Muñiz Hernández. „Daraus lässt sich schließen, dass politische Verfahren in der Praxis stark durch informelle Dynamiken ergänzt werden – eine Erkenntnis, die für das Verständnis institutioneller Prozesse und ihrer Grenzen zentral ist.“
Die Jury betonte die Relevanz der Studie für ein besseres Verständnis demokratischer Gesetzgebungsprozesse im europäischen Mehrebenensystem. Darüber hinaus würdigte sie insbesondere die methodische Stringenz, die theoretische Fundierung und die empirische Tiefe der Arbeit.
Hintergrund
Der Dr.-Norbert-Schmidt-Preis honoriert jährlich die besten an der Hochschule Fulda entstandenen Doktorarbeiten und rückt damit neben der Hochschule als Ort qualitativ hochwertiger Forschung auch die Forschenden, ihre Themen und deren gesellschaftliche Relevanz in den Fokus.