Heiße Luft? Hitzeschutz und Lebensqualität
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Rückblick auf den Wandelbar-Talk am 18. Juni 2026
18.06.2026

Diese Fragen standen im Mittelpunkt des „Wandelbar“-Talks beim Hessentag 2026 in Fulda.
Paula de Jong, Masterstudentin im Studiengang Public Health an der Hochschule Fulda, ordnete Hitze als Frage der Klimagerechtigkeit ein: Nicht alle Menschen hätten die gleichen Möglichkeiten, sich zu schützen. Sie warb dafür, bei Zukunftsdebatten nicht nur Krisenszenarien zu reproduzieren, sondern auch konkrete positive Zielbilder zu entwickeln – und Transformationsprozesse generationenübergreifend solidarisch zu gestalten.
Dr. Tim Staeger, Meteorologe im ARD-Wetterkompetenzzentrum, skizzierte den klimatischen Trend: Seit den 1960er-Jahren sei die mittlere Temperatur in Fulda um rund zwei Grad Celsius gestiegen. Klimaszenarien deuteten auf eine weitere Erwärmung hin, wodurch Hitzetage über 30 Grad künftig deutlich häufiger würden. Zugleich verwies Staeger auf regionale Besonderheiten, etwa die nächtliche Kaltluftzufuhr aus umliegenden Höhenlagen – ein Aspekt, der in der Stadtplanung durch den Erhalt und die Entwicklung von Frischluftschneisen genutzt werden könne.
Die gesundheitliche Perspektive brachte Kerstin Irnich von der Fuldaer Multiple Sklerose-Selbsthilfegruppe, zugehörig zur DMSG Hessen e.V., ein. Sie schilderte, dass Hitze bei Multipler Sklerose bestehende neurologische Einschränkungen deutlich verstärken könne. Daraus leitete sie konkrete Wünsche für den öffentlichen Raum ab – etwa mehr Schattenangebote, Sonnenschutz an Haltestellen und insgesamt hitzeangepasste Infrastruktur.
Prof. Dr. Niebuhr, Professorin am Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Hochschule Fulda, benannte besonders gefährdete Gruppen: Menschen mit Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, neurologischen Erkrankungen, Diabetes oder psychischen Belastungen sowie wohnungslose Menschen. Sie betonte zugleich die Belastung für Gesundheits- und Rettungssysteme an Hitzetagen und plädierte für besser abgestimmte Prozesse, insbesondere bei der Versorgung vulnerabler Patient*innen. Auch nachbarschaftliche Unterstützung und aufsuchende Hilfen seien wichtig, um Risiken frühzeitig zu reduzieren.
Für die Stadt Fulda stellte Eva Boedeker, Leiterin des Amts für Stadtplanung und -entwicklung, aktuelle Ansätze vor: Ziel seien der Schutz von Frischluftkorridoren, der Ausbau öffentlicher Trinkwasserangebote, die Schaffung von Schattenplätzen sowie klimaresiliente Baumpflanzungen. Gleichzeitig bleibe die Nachrüstung im Gebäudebestand – etwa in Kitas, Kliniken und anderen Einrichtungen – eine zentrale Herausforderung. Ergänzend wurde auf den kommunalen Hitzeaktionsplan verwiesen, der Maßnahmen bündelt und regelmäßig überprüft werden soll. Aus dem Publikum kamen insbesondere Anregungen zu mehr Baumbestand, weniger Versiegelung sowie zur hitzeangepassten Gestaltung von Plätzen und Aufenthaltsbereichen.
In der Abschlussrunde wurde deutlich: Klimaanpassung ist notwendig – ohne konsequenten Klimaschutz steigen jedoch Risiken und Folgekosten erheblich. Der „Wandelbar“-Talk setzte damit Impulse für weitere Beteiligung und für konkrete Schritte hin zu einer gesunden, resilienten Stadt.
Unser herzlicher Dank gilt
- unseren Talkgästen für ihr engagiertes Mitwirken!
- Marcel Wagner für die empathische und souveräne Moderation!
- hr Info für die Medienpartnerschaft
- und den vielen Menschen, die uns an diesem sommerlichen Nachmittag zugehört haben!
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