Praxis & Anekdoten
Der vergessene Schraubenschlüssel

23.03.2026

Ein Bild, welches ein großes Werkzeugregal in einer Produktionshalle zeigt.

Ein Beispiel für 5S in der Produktion. Kleine Ursache, große Wirkung

Es sind oft nicht die großen Maschinen oder komplexen Prozesse, die über Effizienz entscheiden – sondern die kleinen Dinge im Alltag. Ein fehlender Schraubenschlüssel kann ausreichen, um einen gesamten Produktionsablauf ins Stocken zu bringen. Genau hier setzt die 5S-Methode aus dem Lean Management an.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen anhand eines einfachen, aber typischen Praxisbeispiels, wie Ordnung und Struktur die Produktivität deutlich steigern können.

Die Ausgangssituation: Störung im Ablauf

In einem mittelständischen Produktionsbetrieb kam es regelmäßig zu kurzen, aber häufigen Unterbrechungen. Der Grund wirkte banal: Werkzeuge – insbesondere Schraubenschlüssel – waren nicht dort, wo sie gebraucht wurden.

Die Folgen:

  • Mitarbeitende suchten Werkzeuge oder liehen sie sich von anderen Arbeitsplätzen
  • Maschinen standen still, obwohl eigentlich gearbeitet werden konnte
  • Frustration im Team nahm zu
  • Kleine Verzögerungen summierten sich zu erheblichen Produktivitätsverlusten

Was zunächst wie ein „Alltagsproblem“ wirkte, entpuppte sich als klassisches Beispiel für Verschwendung – konkret: unnötige Bewegung und Wartezeiten.

Die Analyse: Kein System, keine Klarheit

Bei genauerer Betrachtung zeigte sich:

  • Werkzeuge hatten keinen festen Platz
  • Es gab keine einheitliche Ordnung an den Arbeitsplätzen
  • Verantwortlichkeiten waren nicht klar geregelt
  • Neue Mitarbeitende mussten sich ihre Abläufe selbst erschließen

Kurz gesagt: Es fehlte an Struktur – und genau hier kommt 5S ins Spiel.

Die Lösung: Einführung der 5S-Methode

Das Unternehmen entschied sich, die 5S-Methode konsequent umzusetzen:

  1. Sortieren (Seiri): Alle Arbeitsplätze wurden überprüft. Unnötige oder selten genutzte Werkzeuge wurden entfernt.
  2. Systematisieren (Seiton): Für jedes Werkzeug wurde ein fester Platz definiert. Häufig genutzte Werkzeuge wurden ergonomisch günstig positioniert.
  3. Säubern (Seiso): Arbeitsplätze wurden gereinigt und in einen klaren, übersichtlichen Zustand gebracht.
  4. Standardisieren (Seiketsu): Schattenboards für Werkzeuge, Markierungen für Ablageflächen und klare Regeln für Ordnung und Rückgabe wurden als visuelle Hilfsmittel eingeführt.
  5. Selbstdisziplin (Shitsuke): Regelmäßige Kontrollen und kurze Teamrunden stellten sicher, dass die Standards eingehalten und weiterentwickelt wurden.

Das Ergebnis: Mehr Effizienz durch Klarheit

Die Auswirkungen waren deutlich – und messbar:

  • Suchzeiten wurden nahezu eliminiert
  • Maschinenstillstände gingen spürbar zurück
  • Die Produktivität stieg, ohne zusätzliche Investitionen
  • Die Mitarbeitermotivation verbesserte sich, da Frust reduziert wurde
  • Neue Mitarbeitende fanden sich schneller zurecht

Der „vergessene Schraubenschlüssel“ war kein Einzelfall – sondern ein Symptom für fehlende Struktur. Mit 5S wurde daraus ein nachhaltiger Verbesserungsprozess.

Quintessenz: Ordnung ist kein Selbstzweck

Die 5S-Methode zeigt eindrucksvoll, dass Effizienz nicht immer durch komplexe Maßnahmen entsteht. Oft reicht es, die Grundlagen zu verbessern: klare Strukturen, feste Abläufe und ein gemeinsames Verständnis von Ordnung.

Denn am Ende gilt: Ein gut organisierter Arbeitsplatz ist die Basis für stabile und effiziente Prozesse.

Wo erleben Sie in Ihrem Arbeitsalltag ähnliche „kleine Störungen“ – und welches Potenzial steckt dahinter? Lassen Sie uns dieses in der nächsten Lean Management Weiterbildung diskutieren und nachhaltige Lösungen entwickeln.