Sie gibt den Mädchen eine Stimme

23.01.2026

Nahid Rauf stellt am Mittwoch ihre Projektarbeit vor.

Afghanische Studentin der Hochschule Fulda macht mit Ausstellung auf Missstände in ihrem Heimatland aufmerksam

FULDA. Nahid Rauf möchte Frauen und Mädchen aus ihrer Heimat eine Stimme geben. Die Studentin des Bachelor-Studiengangs Global Health an der Hochschule Fulda kommt aus Afghanistan. Im Rahmen eines Studienprojekts hat sie nun eine multimediale Ausstellung initiiert, die die prekäre Lebenssituation junger Afghaninnen aufzeigt. „Die Menschen sehen oft nur das Bildungsverbot, aber als afghanische Frau sehe ich, was wirklich dahintersteckt.“ Am Mittwoch, 28. Januar, zeigt uns Nahid Rauf, was dahintersteckt. Besucherinnen und Besucher können die Ergebnisse ihrer Arbeit von 17 bis 19 Uhr auf dem Campus der Hochschule, Gebäude 10, Raum 001, betrachten.

Nahid Rauf ist in Herat aufgewachsen – einer Stadt in Afghanistan, die als Zentrum der persisch-muslimischen Kulturwelt gilt. „Ich wuchs in einer Familie auf, die mich trotz der ständigen Barrieren und Herausforderungen für Mädchen in Afghanistan dabei unterstützte, das Leben zu leben, das ich wollte. Und so liebte ich es, in Afghanistan zu leben. Bildung war immer ein zentraler Wert in unserer Familie, und als Familie mit drei Töchtern hat uns das Bildungsverbot für Mädchen zutiefst beeinflusst“, berichtet die Studentin. Sie studierte zunächst Medizin und arbeitete in einem Krankenhaus. „Was ich dort erlebte, waren herausragende Ärztinnen und Ärzte, talentierte Krankenpfleger, aber auch falsche Richtlinien und verschwendetes Potenzial. Das war der Moment, in dem ich erkannte, dass ich nicht nur Patienten behandeln wollte – ich wollte eine Veränderung im System bewirken“, erzählt Nahid Rauf.

In ihrem fünften Studienjahr wurde das Bildungsverbot für afghanische Mädchen schließlich verhängt: „Dreieinhalb Jahre lang habe ich alles versucht, um meine Ausbildung fortzusetzen, aber die Barrieren waren unzählig. Ich beschloss, ein auf Englisch unterrichtetes Programm zu wählen, das mit meinem Hintergrund in Medizin und Gesundheit übereinstimmte. Ich entschied mich, Global Health zu studieren.“ Der Studiengang am Fachbereich Gesundheitswissenschaften ermöglichte es Nahid Rauf, die Gesundheit über die Krankenhausmauern hinaus zu betrachten – um zu verstehen, wie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den Zugang der Menschen zur Versorgung gestalten: „Es geht mir darum, die Gesundheitssysteme zu verbessern und Gerechtigkeit zu fördern.“

Sie pflegt weiterhin Kontakte in ihr Heimatland
Genau diese fehlende Gerechtigkeit thematisiert sie nun in ihrem Seminarprojekt. „Ich habe bis vor Kurzem in Afghanistan gelebt, und seit der High School bin ich im Bildungsbereich aktiv. Ich unterrichtete Englisch, Türkisch und Biologie und arbeitete als studentische Hilfskraft. Nach dem Eintritt in die medizinische Fakultät wurde ich zur stellvertretenden Managerin der Afghanistan Medical Students Association gewählt, wodurch ich ein großes Netzwerk aufbauen konnte. Nun kontaktiere ich die Mädchen, die derzeit noch in Afghanistan sind, über bestehende Kontakte und meine Instagram-Seite, um ihre Schicksale hier in der Ausstellung darstellen zu können“, berichtet die Fuldaer Studentin.

Zu ihrem nun fertiggestellten Projekt gehört unter anderem eine Fotoausstellung mit dem Titel „Blue as the Sky“. Die Fotografien zeigen die blaue Burka, die derzeit von den Taliban bei Frauen durchgesetzt wird, so berichtet Nahid Rauf: „Obwohl viele Menschen es nicht als eine Form des Protests tragen, ist es zu einem starken Symbol für auferlegtes Schweigen geworden. Die Fotografien zielen darauf ab, die verborgenen Talente aufzudecken, die sich unter der blauen Burka verbergen. Alle Fotos wurden von einer jungen Frau aufgenommen, die derzeit in Afghanistan lebt. Sie studierte Medizin, war aber gezwungen, ihre Ausbildung aufgrund des Verbots der Ausbildung von Mädchen zu stoppen.“

Der zweite Part ihres Projekts entspricht einer Schreibausstellung namens „A Generation on Hold“. Ziel ist es, in der Gesellschaft das Bewusstsein für die fehlende Bildung afghanischer Mädchen zu schärfen und die Träume, Identitäten sowie Zukunftsperspektiven jener Mädchen zu thematisieren. Nahid Rauf liest, in englischer Sprache und von einer Video-Projektion begleitet, eine Geschichte aus ihrer Sammlung vor: „Ich habe nicht die Lebensgeschichte einer einzelnen Person aufgeschrieben, stattdessen habe ich Stücke aus dem Leben vieler Frauen, denen ich begegnet bin, genommen und daraus eine fiktive Figur geschaffen. Insgesamt berührt die Geschichte, die ich vorlese, kurz das Leben vor den Taliban, den Fall Afghanistans, die Migration und den Verlust der Identität“, fasst Nahid Rauf weiter zusammen.

Nachrichten an die Mädchen in Afghanistan
Besucherinnen und Besucher können auch kleine Notizen hinterlassen – Nachrichten an die betroffenen Mädchen und Frauen. Die Studentin plant, diese zu einem Gedicht zusammenzustellen und an die Afghaninnen zu übermitteln. „Die Ausstellung mag das Leben afghanischer Mädchen im praktischen Sinne nicht verändern, aber der Prozess, ihre Schriften zu teilen und zu wissen, dass ihre Stimmen und Namen an einer Universität gehört werden, gibt ihnen Hoffnung. Es mag vielleicht nur eine vorübergehende Hoffnung sein, aber manchmal ist das genau das, was benötigt wird: ein Seil zum Festhalten. Das ist es auch, was ich vor Jahren brauchte. Ich will es den Mädchen geben“, beschreibt Nahid Rauf ihre Motivation für diese außergewöhnliche Arbeit. „Ich glaube, der Satz ,Ich verstehe‘ sollte nicht leichtfertig verwendet werden. Aber dieses Thema ist mir wichtig, weil ich es wirklich verstehe.“

WICHTIG: Um Anmeldung zur Veranstaltung wird gebeten bis Montag, 26. Januar, unter hs-fulda.de/newsroom/termine/details/blue-as-the-sky-17689/show

Über die Hochschule Fulda
An der Hochschule Fulda gibt es 9500 Studierende. In acht Fachbereichen lehren und forschen mehr als 170 Professorinnen und Professoren. Die Hochschule Fulda zählt zu den forschungsstärksten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. An der Hochschule Fulda stehen mehr als 60 Studiengänge zur Auswahl – darunter bundesweit einmalige Angebote. Neben Bachelor- und Master-Studiengängen in Präsenz und Vollzeit werden auch ausbildungsintegrierte, berufsbegleitende und duale Studiengänge angeboten. Seit dem Jahr 2016 besitzt die Hochschule Fulda als erste Hochschule für Angewandte Wissenschaften bundesweit das eigenständige Promotionsrecht. Die Internationalisierungsstrategie der Hochschule wird durch die Mitgliedschaft in der europäischen Hochschulallianz E³UDRES² verstärkt.