Prof. Dr. Ulrich Kurfürst

Physik • Haushaltstechnik

verstorben am 13. März 2020

Hochschule Fulda



Vita

Nachruf für Ulrich Kurfürst

Der Fachbereich Oecotrophologie trauert um Prof. Dr. Ulrich Kurfürst, der am 13. März 2020 im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben ist.

Ulrich Kurfürst wurde am 20.06. 1945 in Tettenborn/Harz geboren. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst nahm er 1968 ein Studium der Physik an der Technischen Universität Berlin auf, das er im Jahr 1976 abschloss. Nach Tätigkeiten im Verlagswesen und in der optischen Industrie in den Jahren 1976 bis 1982 promovierte er im Jahr 1984 an der Universität Bremen zum Dr. rer. nat. und wurde zum Wintersemester 1985 von der Fachhochschule Fulda für die Professur „Physik und Technik“ am Fachbereich „Haushalt und Ernährung“ (später umbenannt in „Oecotrophologie“) als einer der ersten Professor*innen des Fachbereichs berufen.

Hier entwickelte er in dem neu eingerichteten Fachbereich die beiden Fachgebiete Physik und Technik für die Bedarfe der Oecotropholog*innen. Damit verbunden war der Aufbau der entsprechenden Laborbereiche für diese beiden Fachgebiete und deren kontinuierliche Weiterentwicklung. Ulrich Kurfürst war neben Physik und Technik auch für den Lehrbereich „Umgang mit Daten und Statistik“ zuständig. Die (angewandte) Statistik hat er curricular verankert. Er hat es verstanden, diese "unbeliebten" Gebiete so aufzuarbeiten, dass das Interesse von Oecotrophologie-Studierenden für sie geweckt wurde.

­­­­Ulrich Kurfürst war viele Jahre Mitglied des Fachbereichsrates, Dekan (1986-88) und auch als Gremienmitglied auf Fachbereichs- und Hochschulebene aktiv. Mit seinem Wirken hat er die Entwicklung des Fachbereichs und der Hochschule wesentlich mitgestaltet.

Es war ihm immer ein besonderes Anliegen, dass die Studierenden nicht nur fachlich qualifiziert „ihren Job machen“ können, sondern auch ihre persönliche Verantwortung im Beruf und darüber hinaus bestmöglich wahrnehmen können. In diesem Zusammenhang hat er das Thema Nachhaltigkeit in unterschiedlichen Kontexten behandelt, aber auch Studierende immer wieder angeregt, hinter die Dinge zu schauen, Plausibilitäten zu prüfen, Fragen zu stellen, neugierig zu sein. Er hatte Spaß an der Materie und vermittelte dies auch eindrücklich.

Er konnte den Studierenden die Angst vor den Naturwissenschaften nehmen und er hat den Studierenden immer größtmögliche Freiheit und Eigenverantwortung gegeben, ohne die Ziele des Oecotrophologie-Studiums dabei aus den Augen zu verlieren. Es gelang ihm auch sehr gut, das trockene Fach Statistik mit sehr anschaulichen Beispielen zu vermitteln. Er war ein großer Verfechter des Projektstudiums und ermöglichte über seine Kontakte schon frühzeitig Promotionen für unsere Absolvent*innen.

Ulrich Kurfürst war geprägt von den Idealen der „68er“. Mit Frank Puin war er über viele Jahre Betreuer des Projekts ProFu und des Trägervereins ProFu e.V. (Verein zur Förderung wissenschaftlicher Projekte an der Hochschule Fulda). Der Verein ermöglichte lange Zeit während der „kameralistischen Buchführung“ überhaupt eine Förderung kleiner studentisch organisierter Projekte.  

Weitere Gelegenheiten für die Studierenden, die Praxis kennenzulernen und sich mit praktischen Problemen auseinanderzusetzen, ergaben sich mit den Studien- und Forschungsprojekten und anderweitigen Kooperationen mit externen Organisationen. Er betreute zahlreiche, über den Fachbereich weit „hinausstrahlende“ Aktivitäten verschiedener Projektgruppen, beispielsweise die Planung und das Monitoring der Regenwassernutzungsanlage der Hochschule.

Mit Burkhard Ahlert, Frank Puin, anfänglich auch noch mit Georg Koscielny, war Ulrich Kurfürst basierend auf dem Konzept „Wissenschaftsladen“ (den es in Hannover immer noch gibt) vor allem in den 1990er Jahren verantwortlich aktiv in der vom damaligen Rektor Joseph Dehler gegründeten Stiftung „Regionales Zentrum für Wissenschaft, Technik und Kultur Osthessen, Westthüringen“ (RWZ): Das RWZ war Vorläufer – seiner Zeit voraus? – der gegenwärtigen Aktivitäten der Hochschule Fulda, wie zum Beispiel dem Regionalen Innovationszentrum Gesundheit und Lebensqualität Fulda (RIGL-Fulda).

Wesentliche Schwerpunkte der Forschungsaktivitäten von Ulrich Kurfürst waren die Feststoffanalytik und die Messunsicherheit, verbunden mit der Mitarbeit in verschiedenen nationalen und internationalen Gremien, diversen Kongressteilnahmen und vielen internationalen Publikationen. Er ist Herausgeber des Fachbuchs „Solid Sample Analysis“ (Springer Verlag 1998)

Ulrich Kurfürst war ein geschätzter und anerkannter Kollege, auch fachbereichsübergreifend. Er wurde im Oktober 2011 feierlich verabschiedet und war danach noch bis zum Sommersemester 2019 als Lehrbeauftragter für unseren Fachbereich tätig.

Neben Lehre und Forschung war seine zweite große Leidenschaft das Boule, ein in der Tat prädestinierter Sport für einen Physikprofessor, denn hier herrschen die Newtonschen Gesetze der Physik! Er war von 2008 bis 2011 Präsident des Vereins Boulodromedare Fulda e.V. 2008 rief er die Fuldaer Stadtmeisterschaft ins Leben und war viele Jahre Teamcaptain eines Ligateams.

Wir haben einen engagierten, verdienten und liebenswerten Kollegen verloren. Ulrich Kurfürst hat sich um unseren Fachbereich und die Hochschule sehr verdient gemacht. Dafür sind wir dankbar und werden ihm ein ehrenhaftes Andenken bewahren.

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