Erfahrungsbericht einer Studentin

Anke (33)

Bereits während meiner Realschulzeit hatte ich den Wunsch eine weiterführende Schule zu besuchen, die Fachhochschulreife zu erlangen, und mir dadurch den Weg ins Studium zu ermöglichen. Ich habe mich dann aber – auch auf Anraten meiner Familie – entschieden, zunächst eine „solide“ Ausbildung als Arzthelferin zu absolvieren. Obwohl mir die Ausbildung viel Freude und eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit verschaffte, habe ich mir oft die Frage gestellt, wie mein Leben und mein beruflicher Werdegang wohl mit Abitur und anschließenden Studium ausgesehen hätten. Dies kam mir immer öfter in den Sinn, je klarer mir wurde, dass mich die Arbeit als Arzthelferin nicht vollständig ausfüllt. Nachdem meine Kinder zur Welt gekommen waren, habe ich das Thema Studium aber zunächst einmal aus den Augen verloren und bin nach der Pflege- und Erziehungszeit als Teilzeitkraft wieder in meinen erlernten Beruf zurückgekehrt. 

Über eine Freundin erfuhr ich dann zufällig von der Möglichkeit des Studiums für „beruflich Qualifizierte“. Auf der Internetseite der Hochschule Fulda habe ich mich dann über die Zugangsvoraussetzungen informiert. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt große Schwierigkeiten einen Zuständigen für die "beruflich Qualifizierten" Bewerber zu finden (Ansprechpartner heute: Tim Feldermann, Zentrale Studienberatung). Daher blieb ich mit einigen offenen Fragen allein. 

Ich habe mich daraufhin als Gasthörerin im Fachbereich Pflege und Gesundheit eingeschrieben, um festzustellen, ob mir das Studium liegt. In den Vorlesungen lernte ich Studierende kennen, die den Weg über die Hochschulzulassungsprüfung gegangen waren. Dadurch konnte ich zum ersten Mal etwas über Ablauf und Inhalt der Prüfung erfahren. Das hat mir sehr geholfen und mir Mut gemacht. Natürlich hatte ich trotz aller Unterstützung Angst vor der Prüfung, schon allein deshalb, weil meine letzte Prüfung über 10 Jahre zurück lag.

Nachdem in der mündlichen Prüfung zunächst die Formalitäten geklärt worden waren, wurden mir Fragen zu meiner Motivation und meinen beruflichen Vorstellungen nach dem Studium gestellt. Außerdem wurden mir persönliche Fragen gestellt, beispielsweise was meine Eltern und mein derzeitiger Chef von meinen Zukunftsplänen halten. Diese persönlichen Fragen haben mich verunsichert, da ich mir im Vorfeld darüber keine Gedanken gemacht habe. Im Anschluss erhielt ich einen Text (Krankenschwestern in den Niederlanden und deren Tätigkeitsbereiche) und 15 Minuten Zeit diesen zu lesen. Den Text musste ich dann in eigenen Worten wiedergeben und Fragen dazu beantworten. 

Die Fragen in der schriftlichen Prüfung, die ca. 4 Wochen später stattfand, waren sehr allgemein gehalten (es ging aber immer um Wissen aus dem eigenen Berufsfeld). Das Schwierigste dabei war für mich diese in der vorgegebenen Zeit angemessen zu beantworten.

Das dritte Semester ist inzwischen vorbei und meine anfängliche Sorge als Nicht-Abiturientin dem Studium nicht gewachsen zu sein gehört der Vergangenheit an. Der Spagat als alleinerziehende Mutter zwischen Kindern, Lernen und Studienfinanzierung bleibt allerdings eine Herausforderung.

 

 

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