Kommunikationsarbeit Jugendlicher in der Social Community Facebook

Gefördert als gleichstellungspolitische Äquivalenzmaßnahme im Rahmen des von Bund und HMWK finanzierten Professorinnenprogramms zum Abschluss der Promotion

Forschende: Elisabeth Hintz, M.Sc.

Gutachterinnen: Prof. Dr. Mechthild Bereswill Schneider, Universität Kassel (Erstgutachterin), Prof. Dr. Beate Blättner, HS Fulda (Zweitgutachterin)

Laufzeit: 7/2012 bis 12/2016

Elisabeth Hintz, M.Sc.

Dr.

Elisabeth Zügel-Hintz

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Gebäude 34 , Raum 110
Dr.Elisabeth Zügel-Hintz+49 661 9640-6332
Sprechzeiten
nach Vereinbarung oder telefonisch Dienstag 09.00 Uhr bis 14.00 Uhr, Mittwoch 09.00 Uhr -14.00 Uhr.

Hintergrund und Fragestellung

Geschlechtersozialisation vollzieht sich in einem aktiven Prozess zwischen Realitätsverarbeitung und Realitätserzeugung (Popp 2004: 129). Sowohl die Unterschiede zwischen den Geschlechtern als auch die Geschlechtersozialisation entwickeln sich in einem Spannungsfeld zwischen der inneren und der äußeren Realität (Popp 2004: 129). Die äußere Realität Jugendlicher wird zunehmend durch Gruppen von Freunden und Gleichaltrigen sowie Massenmedien charakterisiert. Einstellungen und Verhalten der Jugendlichen werden davon beeinflusst (Mühler 2008: 33), damit auch, welche individuellen Ansprüche und Erwartungen an Sexualität, an Männlichkeit und Weiblichkeit und an Partnerschaft in Jugend und späterem Erwachsenenalter gestellt sowie welche wahrgenommene Handlungsalternativen für sich beansprucht werden und inwieweit z.B. Gewalt in diesem Kontext toleriert, verurteilt, akzeptiert oder selbst ausgeführt wird. Diese Überlegungen bekommen durch die Weiterentwicklung des Internets zum Social Web eine neue Dynamik.

80 % der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren halten sich täglich im Internet auf. Social Commuitys sind eine der von Jugendlichen am häufigsten genutzten Anwendungen des Social Webs. Täglich oder mehrfach pro Woche halten sich 56 % der Mädchen und 58 % der Jungen in einer Social Community auf, um Nachrichten zu verschicken (85 %), miteinander zu chatten (65 %) oder um Inhalte anderer Mitglieder zu liken (64 %) (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2015).

Mit der Dissertation wird das Ziel verfolgt, die Erkenntnisse über die Wirkung von modernen Massenmedien auf Sozialisationsprozesse Jugendlicher zu erweitern, um darauf aufbauend danach zu fragen, inwieweit das Social Web geeignet für die Implementierung von Primärpräventionskonzepten für Jugendliche ist und welche Strategien Präventionskonzepte beinhalten müssten, die die Vor- und Nachteile des Social Webs und dessen Einflussnahme auf den Sozialisationsprozess Jugendlicher berücksichtigen.

Vorgehen

Methodisch orientiert sich die Dissertation an dem qualitativen Forschungsansatz der kleinen sozialen Lebenswelt (Hitzler & Honer 1988, Honer 2011): Das Social Web bzw. Social Communities werden als kleine soziale Lebenswelt jugendlicher Nutzerinnen und Nutzer verstanden. Ziel des Ansatzes ist es, mit dem zu erforschenden Phänomen vertraut zu wer-den und über unterschiedliche Methoden, Relevanzsysteme der wenigen untersuchten Personen zu rekonstruieren. Ein erster methodischer Zugang wurde durch stetige beobachtende Teilnahme in der Social Community Facebook erzeugt. Der Vorteil dieses Zugangs liegt darin, dass er ausgezeichnet dafür geeignet ist, die für die Lebensweltanalyse relevanten Handlungsschemata zu registrieren. Die Jugendlichen wurden während eines Jahres in der virtuellen Umgebung der Social Community beobachtet. Über die Analyse ihrer Chronikinhalte konnten Aussagen über den Umgang mit der Social Community und über die Kommunikation innerhalb dieses Mediums abgeleitet werden. Gleichzeitig wurden eigene Erfahrungen die als Nutzerin mit den Funktionsbereichen der Social Community gemacht wurden, in Memos aufgezeichnet und reflektiert. Darüber hinaus wurde eine Analyse von Dokumenten durchgeführt, die von den untersuchten Personen angefertigt bzw. in der Social Community veröffentlicht wurden, z.B. Profilbilder, Postings und Chat-Unterhaltungen. Ausgehend von den über die Bild- und Chatanalysen sowie die Beobachtung gewonnenen Erkenntnissen konnten konkretere Fragen an die Jugendlichen formuliert und im Rahmen von Bildbefragungen mit der Profilinhaberin bzw. dem Profilinhaber erfragt werden. Darüber hinaus wurde die Methode der Bildelizitation angewandt, um mit fremden Jugendlichen über die zuvor aus Forscherinnenperspektive analysierten Bilder zu sprechen. Alle Interpretationen und Analysen des Datenmaterials wurden als theoretische Sekundärkonstruktionen reflektiert. 

Erste Ergebnisse

Jugendliche, die der Social Community Facebook als Mitglied angehören, leisten Kommunikationsarbeit. Sie findet in den als Drinnen wahrgenommenen Kommunikationsräumen der Social Community statt, bezieht aber auch Ereignisse und Erfahrungen ein, die in dem als Draußen wahrgenommenen Lebensbereichen eingebettet sind. Die Kommunikationsarbeit, konstruiert als mehrdimensionales Konstrukt, verbindet mehrere Arbeitslinien miteinander, so z.B. die Informationsarbeit, die Wahrnehmungs- und Zuschreibungsarbeit, die Selbst- Fremd und Selbstfremd- Interpretationsarbeit, die Beziehungsarbeit sowie die  Abgrenzungs- und Annäherungsarbeit.