COVID-19: Besondere Herausforderungen für Public Health

22.06.2020

Das Zukunftsforum Public Health, ein Zusammenschluss von Akteur*innen aus Wissenschaft und Praxis, welche sich für die Öffentliche Gesundheit einsetzen, hat zur COVID-19-Krise Stellung bezogen.

Unter dem Titel „Pandemiebewältigung und nachhaltige Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung“ weisen die Autor*innen des Zukunftsforums eindringlich darauf hin, dass die Herausforderungen der Corona-Pandemie keineswegs nur medizinischer oder virologischer Natur sind, sondern alle gesellschaftlichen Bereiche betreffen. Dabei weisen die Gesundheitswissenschaftler*innen auf verschiedene gesundheitsrelevante Aspekte der COVID-19-Pandemie und ihrer Bewältigung hin, die bisher nur unzureichend thematisiert sind. Es ist zwar viel von den ökonomischen Folgen der Krise die Rede, aber weniger davon, dass die Risiken und Folgen der Pandemie sozial höchst ungleich verteilt sind. Über die kurzfristig bessere Ausstattung des lange vernachlässigten Öffentlichen Gesundheitsdienstes hinaus fordern die Expert*innen eine nachhaltige Stärkung von Public Health bzw. Öffentlicher Gesundheit. Außerdem fordern sie die stärkere Beachtung der ökologischen und ökonomischen Bedingungen, die weltweit das Risiko gefährlicher Infektionsausbrüche erhöhen. Epi- und Pandemien lassen sich nur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe bewältigen. COVID-19 bestätigt einmal mehr eine grundlegende Public-Health-Erkenntnis: Bessere Gesundheit für Alle ist nur dann zu erreichen, wenn Gesundheit als politisches Ziel kontinuierlich in allen Politikbereichen verankert ist.

An der Erstellung der Stellungnahme war auch Prof. Dr. Dr. Jens Holst beteiligt, der am Fachbereich Pflege und Gesundheit die Professur für Medizin mit Schwerpunkt Global Health bekleidet. „Die COVID-19-Krise hat gezeigt, dass selbst eine immer engere Abfolge von Krankheitsausbrüchen nicht automatisch die Sensibilität für die komplexen Herausforderungen der Bevölkerungsgesundheit erhöht,“ kritisiert er. „Vielmehr steht zu befürchten, dass die Vorherrschaft von Virologen und Epidemiologen in Medien und Politik die Wahrnehmung von Public Health als komplexe, multidisziplinäre und explizit politische Fachrichtung eher geschwächt als gestärkt hat.“

In einem gemeinsamen Interview mit der Bochumer Juniorprofessorin Katharina Böhm im Berliner Tagesspiegel betonte der Fuldaer Professor noch einmal die besonderen Herausforderungen an Public Health in Zeiten der akuten Pandemie. Bisher fehle in Deutschland die Anerkennung von Gesundheit als Querschnittsthema, das bei sämtlichen Politikentscheidungen in Betracht zu ziehen sei. „So wie bei den Klimawirkungen müssen auch die Auswirkungen aller politischen Maßnahmen auf die Gesundheit der gesamten Bevölkerung Berücksichtigung finden.“

Auf die Gefahr der Verkürzung von Public Health auf biomedizinische und biotechnologische Gesichtspunkte hatte Prof. Holst auch kürzlich in seinem grundlegenden Beitrag über Global Health in der Open-Access-Zeitschrift Globalization and Health hingewiesen. Der mit Mitteln des Publikationsfonds der Hochschule Fulda publizierte Artikel belegte an Hand vielfältiger Studien und anderer Quellen, dass sich Pandemien und ihre Folgen nicht alleine durch virologisch-epidemiologische oder Immunisierungsmaßnahmen beherrschen lassen und die Fokussierung auf Gesundheitsschutz und -sicherheit in der globalisierten Welt zu kurz greifen. Darin kommt der Leiter des Studiengangs International Health Sciences zu dem Schluss, dass Globale ebenso wie Öffentliche Gesundheit die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Determinanten von Gesundheit in den Vordergrund stellen muss und eine Politik, die Gesundheit in allen Bereichen berücksichtigt, unerlässliche Voraussetzung dafür ist,  das über 40 Jahre alte Ziel „Gesundheit für Alle“ zu erreichen.

Der Fachbereich Pflege und Gesundheit bietet verschiedene gesundheitswissenschaftliche Studiengänge, die angehende Akademiker*innen für anspruchsvolle Tätigkeiten in allen gesundheitsrelevanten Bereichen qualifizieren. Neben dem Masterstudiengang Public Health gehören dazu insbesondere die Bachelorstudiengänge Gesundheitsförderung, Gesundheitsökonomie -und -politik und International Health Sciences. Der letztgenannte Studiengang ist zweisprachig angelegt, richtet sich sowohl an deutschstämmige als auch nicht-deutsche Studierende und bietet eine gezielte Ausbildung für internationale Tätigkeiten nicht nur im Gesundheitswesen, sondern in verschiedenen gesundheitsrelevanten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Bereichen in der globalisierten Welt.

 

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Prof. Dr. Dr.

Jens Holst

Medizin mit Schwerpunkt Global Health

Gebäude 31 , Raum 104
Prof. Dr. Dr.Jens Holst+49 661 9640-6403
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Mittwoch, 10:30 – 12:00 Uhr
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