Bestmögliche Versorgung braucht wissenschaftliche Ausbildung

25.10.2018

Fuldaer Professorinnen beziehen Stellung zum Vorstoß von Gesundheitsminister Spahn, die Hebammenausbildung bis 2020 vollständig zu akademisieren.

Die Zukunft der Hebammenausbildung ist das duale Studium – auch in Deutschland. Gesundheitsminister Spahn vollzieht mit seiner Ankündigung vom 17.10. das, was das EU-Recht letztendlich vorgibt und was in anderen europäischen Ländern längst Wirklichkeit ist. Diese Entscheidung war überfällig und ist aus fachlicher Perspektive alternativlos.

Hebammen haben Vorbehaltstätigkeiten mit einem hohen Verantwortungsbereich, für den sie haften. Dieser Verantwortung können sie nur gerecht werden, wenn Sie die bestmögliche Versorgung aufgrund bestmöglicher Ausbildung bieten können. Bestmögliche Versorgung erfordert, sich regelmäßig darüber auf dem Laufenden zu halten, für welche Maßnahmen auf welchem Grad von Gewissheit welche Nachweise auf Wirksamkeit mit welchen Risiken bestehen (Evidenz). Dafür ist eine wissenschaftliche Ausbildung notwendig.

Praxis ist kein Ersatz für wissenschaftliche Expertise

Berufspraktische Erfahrungen sind ebenfalls unverzichtbar, aber sie sind kein Ersatz für wissenschaftliche Expertise. Schließlich würde es uns auch bei Ärztinnen und Ärzten nicht ausreichen, wenn sie ihren Beruf in der Berufsschule und der Praxis erlernen würden. Entscheidungen in der Versorgung sollten grundsätzlich auf Basis des bestmöglichen internationalen Wissensstandes, eigener klinischer Erfahrungen und der Abwägung der Präferenzen der schwangeren Frauen und ihrer Angehörigen getroffen werden. Darin sind unsere Absolventinnen besonders gut.

Verbleibstudien zeigen, dass unsere Absolventinnen alle in der Versorgungspraxis arbeiten, meist in einer Mischung aus angestellter und freiberuflicher Tätigkeit. Sie handeln kompetent, sie reflektieren ihre Entscheidungen fundiert, sie respektieren die Berufserfahrungen ihrer Kolleginnen und sie diskutieren mit Ärztinnen und Ärzten fachlich auf Augenhöhe. Besonders stark sehen sie sich in der Kommunikation mit den Frauen und deren Angehörigen in den intimen und teils existentiellen Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

Studium steigert Attraktivität des Berufs

Hebammenkunde zu studieren steigert die Attraktivität des Berufes. Dies ist bitter nötig, denn in Deutschland sind Hebammen ein Mangelberuf. Die Rechnung, man könne mehr Hebammen gewinnen, wenn das verlangte Bildungsniveau niedriger sei, ist nicht aufgegangen. Wer möchte schon einen Beruf ergreifen, der schlechte Bezahlung, schwierige Arbeitszeiten und ein geringes Image mit hoher Verantwortung kombiniert. Wer Hebammen als Fachkräfte gewinnen will, muss die Attraktivität des Berufes steigern und über das Ausbildungsniveau die Kompetenzen schaffen, der Verantwortung auch gerecht werden zu können.

Die Neuregelung der Hebammenausbildung eröffnet uns die Möglichkeit, das Studium attraktiver zu gestalten. Unsere Erfahrungen und Evaluationen des Studiums nach der sogenannten Modellklausel, einem Paragraphen der derzeit die Ausbildung an Hochschulen als Sonderform regelt, zeigen deutlich, dass die Logik fachschulischer Strukturen denen hochschulischer Strukturen widerspricht – zu Lasten der Studierenden. Studentinnen müssen z.B. die Möglichkeit haben, von anderen Versorgungslogiken im Ausland zu lernen und im Selbststudium vor allem die eigene Lernfähigkeit zu trainieren.

Finanzielles Auskommen muss gesichert sein

Die Praxis darf natürlich nicht zu kurz kommen. 3.000 Stunden arbeiten unsere Studierenden derzeit in der Praxis, mehr als in den anderen europäischen Ländern, wo die akademische Ausbildung von Hebammen seit langem Standard ist.  Eine gesicherte Ausbildungsvergütung für die praktische Ausbildung ist daher unerlässlich. Wer so viele Stunden arbeitet, sollte sich nicht noch um das eigene finanzielle Auskommen sorgen müssen.

Prof. Dr. Beate Blättner, Leiterin des Studiengangs in Fulda und Studiendekanin am Fachbereich Pflege und Gesundheit

Prof. Dr. Babette Müller-Rockstroh, Hebammenwissenschaftlerin

Kontakt: beate.blaettner(at)pg.hs-fulda.de

Information zum Studiengang: https://www.hs-fulda.de/pflege-und-gesundheit/studieninteressierte/bachelorstudiengaenge/hebammenkunde-bsc/

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Gesundheitsförderung / Studiengangsleitungen: Gesundheitsmanagement, Hebammenkunde

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