Bewohner*innen in der stationären Pflege benötigen mehr Schutz

23.11.2018

Beschäftigte in der stationären Pflege beobachten Gewalt unter Bewohner*innen und zwischen Beschäftigten und Pflegebedürftigen.

In einer Studie des Public Health Zentrums Fulda wurden Pflege- und Betreuungskräfte von 24 Pflegeheimen aus zwei Bundesländern dazu befragt, wie oft sie in den letzten 12 Monaten Gewalt beobachtet, selbst erfahren oder selbst ausgeübt haben. Die Fragebögen von 344 Beschäftigten konnten ausgewertet werden. Psychische (96 %), körperliche (76 %) und sexuelle (31 %) Gewalt unter Bewohner*innen beobachtet zu haben, gaben mehr Beschäftigte an, als solche Gewalt (60 %, 38 % und 2 %) von Beschäftigten gegenüber Bewohner*innen gesehen zu haben. 87 % der Befragten geben an, im letzten Jahr selbst psychische, 66 % körperliche und 39 % sexuelle Gewalt durch Bewohner*innen erlebt zu haben; auch von Gewalt durch Besucher*innen wurde berichtet.

„Anschreien, Beschimpfungen und Beleidigungen, grobes Anfassen, Bedrohungen mit der Faust oder anderen Gegenständen, absichtliches Rammen mit Rollator oder Rollstuhl, schlagen oder treten, bespucken, kratzen oder kneifen sind häufige Beispiele für Verhalten unter Bewohnerinnen und Bewohnern“ berichtet die Projektmitarbeiterin Lieselotte Lieding. „Alltäglich ist das aber nicht. Beschäftigte beobachten das seltener als monatlich und wir können von den Beobachtungen der Beschäftigten nicht darauf schließen, wie häufig so etwas den Pflegebedürftigen wirklich passiert.“ Während Gewalt von Beschäftigten seit einiger Zeit erforscht wird, ist Gewalt unter Bewohnenden noch ein relativ unbekanntes Thema. Die von der Hochschule erhobenen Daten sind nicht ganz so alarmierend wie einer älteren Studie aus den USA, in der 4.451 Pflegekräfte befragt wurden. 94 % der Befragten dort gaben, innerhalb von drei Monaten beobachtet zu haben, wie Bewohnende andere Bewohnende durch Verhaltensweisen wie Schubsen oder Kneifen körperlich attackierten, 97 % beobachteten Anschreien der Bewohner.

„In Pflegeheimen leben Menschen zusammen, die sich vorher nicht kannten, die sich wechselseitig nicht ausgesucht haben, die nicht unbedingt gleiche Interessen haben und deren einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie aufgrund recht unterschiedlicher Beeinträchtigungen ihren Lebensabend in dem Heim verbringen müssen „erklärt die Projektleitung Prof. Dr. Beate Blättner solche Vorkommnisse. „Manche der Pflegebedürftigen wissen aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen sicher nicht was sie tun, manche lehnen sich wechselseitig aber auch ab und schließlich sind auch ohnehin unangenehme oder gewaltbereite Mitbürger nicht vor Pflegebedürftigkeit geschützt. So wichtig es ist, dass Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen aktiv am sozialen Leben teilhaben können, so wichtig ist es auch, dass sie sich ihre sozialen Kontakte aussuchen können und unerwünschten Gästen den Zutritt zu ihrem Zimmer verwehren können.“

Nicht nur Pflegebedürftige brauchen hier besseren Schutz, sondern auch Pflegekräfte, die unter den Belastungen von Gewalt durch Bewohnende leiden. Pflege- und Betreuungskräfte, die Gewalt durch Bewohnende erfahren haben, sind tendenziell im Vergleich zu jenen, denen keine Gewalt widerfahren ist, häufiger nicht oder weniger zufrieden mit persönlichen Aufgaben und den Arbeitsbedingungen und denken häufiger über einen Berufswechsel nach. Statistisch ließ sich allerdings nur für sexuelle Gewalt durch Bewohnende ein mittelstarker Zusammenhang zur Arbeitszufriedenheit nachweisen.

Die Studie wurde vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und von der Gesellschaft Bürger und Polizei mitfinanziert.

Informationen zur Studie: https://www.hs-fulda.de/pflege-und-gesundheit/forschung/forschungsschwerpunkte/gesundheitsschutz-bei-interpersoneller-gewalt/gefragt/

Kontakt: Beate Blättner und Lieselotte Lieding

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