Puloro: Raus aus dem Feed - Rein ins echte Leben.

Interview mit Georg Volkmar und Nico Kreß zu ihrer App Puloro

Zwei Studierende der Angewandten Informatik entwickeln mit Puloro eine App, die digitale Vernetzung bewusst zurück in die reale Welt holen will: 

Menschen sollen sich in ihrer Umgebung leichter kennenlernen, sich zu Aktivitäten verabreden und neue Kontakte aufbauen. 

Im Interview erzählen Georg und Nico, wie Puloro funktioniert, wie die Idee entstand – und welche Rolle die Hochschule Fulda dabei spielt.

FBAI (Fachbereich Angewandte Informatik): Hallo Georg, hallo Nico – stellt euch zum Start kurz vor: Was studiert ihr und wo steht ihr aktuell?

Georg: Hallo, wir studieren beide Angewandte Informatik Dual und schreiben gerade unsere Bachelorarbeiten, die wir Ende September abgeben werden – dann haben wir unser Studium abgeschlossen.

Nico: Genau, wir haben zusammen angefangen und schließen jetzt gemeinsam ab.

FBAI: Ihr stammt beide aus der Region Fulda – was hat euch an die Hochschule Fulda gebracht?

Georg: Ich komme aus der nahegelegenen Rhön. Mir war wichtig, in der Umgebung zu studieren – und das vor allem praxisnah. Deshalb studiere ich auch dual. Theorie ist wichtig, aber Praxis muss für mich immer dabei sein.

Nico: Ich bin ebenfalls aus der Region. Ich arbeite bei der Firma JUMO. Dort habe ich zunächst eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik gemacht, danach Vollzeit gearbeitet und parallel meinen Techniker draufgesetzt. Über eine Stelle mit viel IT-Bezug bin ich dann stärker Richtung Informatik gegangen – und das hat mich dann inspiriert nochmal Angewandte Informatik dual zu studieren. 

Es war nicht leicht, vom Vollzeitgehalt auf ein duales Studium umzusteigen. Aber ich habe es keine Sekunde bereut – außer vielleicht manchmal in Prüfungsphasen. Informatik hat mich einfach mehr gereizt und bietet für mich mehr Entwicklungsmöglichkeiten.

FBAI: Was ist Puloro – und was kann man damit machen?

Nico: Puloro ist eine Plattform, die Menschen wieder persönlich zusammenbringen soll. Klar, es gibt Instagram, TikTok und Co. – aber wir haben das Gefühl: Viele hocken nur noch am Bildschirm. Puloro ist als digitales Tool gedacht, das Nutzer wieder bewusst in die „echte Welt“ führen soll.

Georg: Es geht darum, wieder leichter Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und nicht nur digital zu interagieren.

FBAI: Wie läuft das konkret ab?

Nico: Wenn du die App öffnest, siehst du eine Karte. Nutzer:innen können sich darauf sichtbar schalten und werden dann in einem Umkreis von 500 Metern angezeigt. Das ist dann das Signal: „Du kannst mich ansprechen.“

Georg: Es gibt im Puloro-Profil sogenannte Icebreaker – Dinge wie Interessen oder Gesprächsaufhänger. Viele haben kein Problem sich zu unterhalten, aber der erste Schritt ist oft schwer: Wie fange ich ein Gespräch an? Puloro soll genau da helfen.

 

 

FBAI: Und wie stellt ihr sicher, dass man sich draußen auch erkennt?

Nico: Die Idee ist ein aktuelles Profilbild – am besten ein aktuelles Foto von „heute“. Bei klassischen Social-Media-Profilen sind Bilder oft stark inszeniert oder alt. Wenn man sich wirklich treffen will, hilft ein realistisches Bild, damit man sich leichter findet.

FBAI: Die Chance, dass innerhalb von 500 Metern gleichzeitig mehrere Leute sichtbar sind, ist nicht immer groß. Was macht ihr dagegen?

Georg: Dafür gibt es die Sidequests. Jede:r kann eine Sidequest auf der Karte, mit Beschreibung und Zeit erstellen. Zum Beispiel: „Ich gehe heute aufs Schützenfest, wer kommt mit?“ Andere können beitreten und man trifft sich dann am vereinbarten Ort.

Nico: Sidequests senken auch die Hürde: Man kann die App erst mal nutzen, ohne sofort komplett sichtbar zu sein – das hilft beim Einstieg und beim „aus der Komfortzone kommen“.

 

FBAI: Viele Apps setzen auf Chat, Follow, Remote-Kontakte. Warum geht ihr bewusst anders ran?

Georg: Puloro soll Begegnungen fördern. Deshalb ist vieles so gestaltet, dass Aktionen vor Ort bestätigt werden müssen – zum Beispiel über QR-Codes. Wenn man sich innerhalb der App befreunden will, passiert das in Echtzeit beim Treffen über einen QR-Code.

Nico: Technisch kann man Dinge immer „aushebeln“, aber die App ist so gedacht, dass sie reales Treffen wahrscheinlicher macht.

FBAI: Was passiert nach einem Treffen?

Georg: Man kann eine Erinnerung erstellen – zum Beispiel ein Erinnerungs-Selfie im Kontext eines Treffens oder einer Sidequest. So entsteht im Profil eine Art Fotoalbum oder Tagebuch: Wann habe ich mich mit wem getroffen? Bei welchen Aktionen war ich beteiligt?

 

FBAI: Was war der Auslöser für Puloro?

Nico: Mir ist aufgefallen, wie schwer der erste Schritt oft ist jemanden anzusprechen. Bei den Hochschultagen (Anm. d. Red.: Hochschulfestival auf dem Campus Fulda) gab es Situationen, in denen man plötzlich mit einer fremden Person allein dastand – und nach anfänglicher Kontaktscheue entstanden richtig gute Gespräche. Da dachte ich: Das geht bestimmt vielen so. Es wäre doch schön, wenn den Leuten diese anfängliche Hürde etwas genommen werden würde. Und da setzt Puloro an. Wenn man sichtbar ist, heißt das: „Ich bin offen für Kontakt.“ Und durch die Icebreaker hat man schon mal einen Einstieg für ein Gespräch.

Georg: Und es passt zu unserem Motto: „Raus aus dem Feed. Rein ins echte Leben.“ Man merkt ja selbst, wie schnell man an Social Media hängen bleibt. Wir wollten ein Tool, das das Smartphone sinnvoll nutzt – als Brücke nach draußen.

FBAI: Ihr macht das Projekt zu zweit. Wie teilt ihr euch die Aufgaben?

Georg: Wir haben Rollen definiert, damit klar ist, wer in welchem Bereich Entscheidungen trifft. Größere Entscheidungen besprechen wir und treffen sie gemeinsam. Ich bin primär für den technischen Bereich zuständig, will aber auch operativ mehr mit reinwachsen.

Nico: Ich mache viel Kommunikation und Außendarstellung, koordiniere Themen – und arbeite ebenfalls an der Entwicklung, zum Beispiel am Frontend. 

Georg: Wir haben einen festen wöchentlichen Termin, um zu reflektieren: Was lief gut, was blockiert, wie ist die Stimmung? Das hilft uns sehr.

Nico: Man darf nicht vergessen: Wir arbeiten quasi Vollzeit, schreiben parallel an unserer Bachelorarbeit – und entwickeln dann abends und am Wochenende weiter. Das ist viel, aber wir machen es, weil wir das Projekt wirklich wollen.

FBAI: Hat euch das Studium auf ein Projekt wie Puloro vorbereitet?

Georg: Die Module an sich bereiten nicht automatisch auf „Firma gründen“ vor – das ist auch nicht das Hauptziel. Aber: Die Hochschule als Organisation hat uns sehr geholfen. Wir haben Kontakte gesucht, nachgefragt – und Unterstützung bekommen.

Nico: Ich war positiv überrascht, wie offen und hilfsbereit viele Professor:innen sind. Wir hatten viele Gespräche: Feedback, Hinweise, Risiken, Ideen. Das war extrem wertvoll.

Georg: Und fachlich helfen natürlich einzelne Lehrveranstaltungen: zum Beispiel das Modul Android-Programmierung – auch durch den Austausch mit Lehrenden, anderen Studierenden und den Raum, sich wirklich einarbeiten zu können.

FBAI: Was macht Fulda bzw. die Hochschule Fulda für euch als Studienort aus?

Georg: Für mich war wichtig: Fachhochschule statt Uni, wegen Praxisnähe und persönlicherem Umfeld. Außerdem finde ich die Ausstattung sehr gut – Bibliothek, Labore, Technik.

Nico: Für mich war es ähnlich. Auch ohne klassisches Abi war es für mich machbar, weil es fair ist: Man muss arbeiten, aber man bekommt Unterstützung. Und die Nähe zu meinem Praxispartner ist natürlich ein Plus.

FBAI: Gab es konkrete Module, die euch als besonders praxisnah in Erinnerung geblieben sind?

Nico: Das Modul Cloud Services war stark: eine Umgebung, in der man wirklich praktisch arbeiten konnte. Ohne das hätte ich meine neue Stelle als Cloud Engineer so vermutlich nicht bekommen.

Georg: Auch in IT-Sicherheit gab es sehr praxisnahe Umgebungen. Man merkt, wie viel Arbeit Lehrende investieren, um Praxis wirklich möglich zu machen.

FBAI: Puloro arbeitet mit Standortdaten – wie stellt ihr Datenschutz und Sicherheit sicher?

Nico: Wir hosten in Deutschland, geben keine Daten ins Ausland und verkaufen nichts. Standortdaten sind sensibel – deshalb speichern wir nur, was nötig ist. Wenn man sich unsichtbar schaltet, wird der Standort vom Server gelöscht.

Georg: Wir minimieren auch personenbezogene Daten: Wir speichern bspw. nur den Vornamen, keinen Nachnamen. Was nicht gespeichert ist, kann auch nicht abfließen.

FBAI: Was sind eure nächsten Schritte?

Georg: Uns beschäftigen aktuell zwei große Themen: Unternehmensgründung und wir wollen Puloro in App Store und Play Store bringen, damit die Installation so einfach wie möglich wird. 

Parallel entwickeln wir weiter, auch mit Blick auf die kommende Erstsemesterwoche, wo wir den Erstis mit unserer App helfen möchten, sich leichter zu vernetzen.

Nico: Unsere Beta-Phase verlief leider nicht wie erhofft – unter anderem, weil die App erst zum Semesterende auf einem Stand war, denn wir veröffentlichen wollten. Das war dennoch sehr lehrreich: Ohne Nutzer:innen fehlt Content, und ohne Content kommen Nutzer:innen nicht wieder. Daran arbeiten wir.

Georg: Ein weiterer Schritt ist die Zusammenarbeit mit Organisationen: Ziel ist, dass z. B. die Hochschule oder Initiativen eigene Sidequests und Events einstellen können. So gewinnen Events Sichtbarkeit – und die App bekommt Inhalte.

 

FBAI: Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Puloro zeigt Menschen in der Nähe an, die offen für neue Begegnungen sind.

Weitere Informationen zu Puloro gibt es hier: