Herausragender Erfolg für Hochschule Fulda
:
Bürgerinnen und Bürger können aktiv mitgestalten
02.10.2025

Leitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsverbundes eParT aus fünf Fachbereichen (von links): Prof. Dr. Martin Kumm, Prof. Dr. Markus Eckl, Prof. Dr. habil. Birgit Bomsdorf, Prof. Dr. Kevin Dadaczynski (bei Antragstellung FB GW, seit SoSe 2025 Universität Potsdam), Prof. Dr. Ulf Schwalbe, Prof. Dr. habil. Benjamin Ewert, Prof. Dr. habil. Thomas Wiemann, Prof. Dr. habil. Christine Domke.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Spitzenforschung an der Hochschule Fulda erneut mit einem sogenannten „Forschungsimpuls“. Der Forschungsverbund „E-Partizipation für Transformationen nutzbar machen: Erkundung von Anwendungsfeldern, Einflussfaktoren und Wirkungen (eParT)“ erhält in den kommenden fünf Jahren sechs Millionen Euro, um zu untersuchen, wie digitale Partizipation dazu beitragen kann, gesellschaftliche Veränderungsprozesse erfolgreich umzusetzen. Was das Projekt besonders macht: In eParT arbeiten nicht nur Forschende aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen, auch die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wird gestärkt.
Bundesweit hatten sich 77 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) an der äußerst prestigeträchtigen Ausschreibung beteiligt. Im Rahmen eines aufwändigen Begutachtungsprozesses wurden schließlich die besten fünf Anträge ausgewählt. Hessenweit ist die Hochschule Fulda die einzige HAW, die sich durchsetzen konnte. Schon in der ersten Ausschreibungsrunde der DFG vor zwei Jahren zählte die Hochschule Fulda zu den wenigen geförderten HAWs. Bundesweit gelang es neben der Fuldaer Hochschule nur der Technischen Hochschule Nürnberg in den beiden bisherigen Ausschreibungsrunden erfolgreich zu sein.
Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels gratulierte anlässlich der Bekanntgabe der fünf geförderten Hochschulen: „Gerade der Erfolg in einer so wichtigen Förderlinie mit einem harten wissenschaftlichen Wettbewerb und großer Konkurrenz ist ein Beleg für die Forschungsstärke der Hochschule Fulda.“
„Dass wir auch in der zweiten Ausschreibung der Forschungsimpulse der DFG erfolgreich waren, ist wirklich herausragend“, freut sich Hochschulpräsident Professor Dr. Karim Khakzar und zeigt sich überzeugt: „Die inter- und transdisziplinäre Forschung an unserer Hochschule erhält damit einen weiteren großen Impuls. Fünf von acht Fachbereichen sind an dem Forschungsverbund beteiligt, und die Forschenden kommen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen. Darauf sind wir besonders stolz. Ein weiterer Aspekt, der dieses Projekt auszeichnet, ist die Einbeziehung außerwissenschaftlicher Akteure. Die Suche nach Lösungen für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen ist hochkomplex und nur im Zusammenspiel möglich.“
Im Forschungsverbund eParT arbeiten acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Gesundheits- und Sozialwissenschaften, der Elektrotechnik, der Politikwissenschaft, der Angewandten Linguistik und der Informatik zusammen mit dem Ziel, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie E-Partizipation, also digitale Beteiligungs- und Entscheidungsprozesse, die Transformation in den Bereichen Gesundheit, Energie, Mobilität und Bildung fördern kann. Angesichts der wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen und des rasanten Fortschritts digitaler Technologien gewinnt digitale Partizipation zunehmend an Bedeutung. Doch es sind noch viele Fragen offen. So ist unter anderem noch nicht klar, wie sich digitale Beteiligungsformen inklusiver gestalten sowie effizient und langfristig einsetzen lassen.
Öffentlich zugängliche Experimentierräume: Bürgerinnen und Bürger als Mitgestalter der Transformation
Professor Dr. Benjamin Ewert, Sprecher des Forschungsverbundes, erläutert den Forschungsansatz von eParT: „Dem Projekt liegt ein transdisziplinäres Verständnis zugrunde, wir beziehen also auch Ressourcen und Wissen außerhalb der Hochschule ein. Zudem nutzen wir konsequent den Citizen-Science-Ansatz, das heißt, Bürgerinnen und Bürger können aktiv an Forschungsprozessen mitwirken – von der Entwicklung von Fragestellungen bis hin zur Datenerhebung und -auswertung. Und wir verfolgen im Sinne angewandter Forschung das Ziel, praxisnahe Lösungen für Alltagsprobleme zu entwickeln.“
Sogenannte Pop-Up Labs an wechselnden Orten in Fulda und Umgebung sollen Bürgerinnen und Bürgern das Mitmachen erleichtern. Darunter sind zeitlich befristete, reale Experimentierräume an öffentlich zugänglichen Orten in Städten und ländlichen Räumen zu verstehen. Sie dienen als analoge Gegenstücke zu digitalen Partizipationsplattformen und schaffen durch direkte Begegnung und persönlichen Austausch niedrigschwellige Zugänge für eine breite Bevölkerungsgruppe. Hier arbeiten Forschende mit Bürgerinnen und Bürgern zusammen an alltagsrelevanten Fragestellungen, entwickeln Ideen, testen Lösungen und diskutieren Ergebnisse.
„Die Bevölkerung kann ihre Erfahrungen, Perspektiven und Anliegen unmittelbar einbringen, erhält Einblicke in Forschungsprozesse und kann Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen in Bereichen wie Gesundheit, Mobilität, Energie oder Bildung aktiv mitgestalten“, beschreibt Professor Ewert die Vorteile für die Region.
Digitale Beteiligung praktisch nutzen: Erprobung neuer Beteiligungsformate mit Praxispartnern
Darüber hinaus arbeitet eParT mit regionalen Partnern zusammen, die für die Bürgerinnen und Bürger in Fulda wichtige Angebote und Strukturen bereitstellen. Gemeinsam mit den Praxispartnern wollen die Forschenden neue Wege erproben, wie digitale Beteiligung praktisch genutzt werden kann. Auch hier können Bürgerinnen und Bürger die Zukunft ihrer Region mitgestalten.
Über die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAGE) e.V. beispielsweise könnten Bürgerinnen und Bürger über digitale Beteiligungsplattformen mitentscheiden, welche Präventionsangebote in Schulen und Stadtteilen gebraucht werden.
In Kooperation mit der Region Fulda GmbH soll ein Pop-Up-Lab im Stadtzentrum entstehen, in dem Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen zur Gestaltung von Mobilitätskonzepten oder klimafreundlicher Stadtentwicklung einbringen.
Die RhönEnergie Fulda GmbH arbeitet gemeinsam mit eParT an Lösungen, wie Bürgerinnen und Bürger ihre Perspektiven zum Beispiel bei Fragen zur Ladeinfrastruktur für E-Mobilität oder zu Energiesparmaßnahmen in der Region digital einbringen können.
Und mit der Stadt Fulda will das Projekt neue Beteiligungsformate mit Blick auf die kommunale Entwicklung erproben, etwa zur nachhaltigen Stadtplanung oder zu Bildungsangeboten.
Verständlich und frei zugänglich: Praktische Werkzeuge für Bürgerinnen und Bürger
Damit die Ergebnisse des Projekts nicht in der Schublade verschwinden, baut der Forschungsverbund ein Participation Hub, eine digitale Plattform, auf. Ergebnisse, Methoden und Empfehlungen rund um digitale Beteiligung sollen hier leicht verständlich und frei zugänglich gebündelt werden.
Für Bürgerinnen und Bürger in Fulda und Umgebung bedeutet das: Sie können auf einfache Weise erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, sich an Entscheidungen in den Bereichen Gesundheit, Energie, Mobilität oder Bildung zu beteiligen – sowohl online als auch vor Ort. Praktische Werkzeuge, Beispiele und Tipps sollen helfen, eigene Initiativen zu starten oder bestehende Beteiligungsprozesse besser zu nutzen.
Der Participation Hub bringt damit Forschung und Alltag zusammen: Er stärkt die Stimme der Bürgerinnen und Bürger, fördert Transparenz und schafft neue Wege, um gemeinsam gesellschaftliche Veränderungen aktiv mitzugestalten – in Fulda, der Region und darüber hinaus.
Über die DFG-Forschungsimpulse
Die DFG-Forschungsimpulse gelten als Exzellenzwettbewerb zwischen den deutschen HAWs. Das Förderinstrument soll forschungsstarke HAWs dabei unterstützen, ihr wissenschaftliches Profil weiter zu entwickeln, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Konzentration und Ergänzung vorhandener Forschungsansätze zu steigern sowie langfristig die Bedingungen für erkenntnisorientierte Forschung an den Hochschulen zu verbessern. 2023 hatte die Hochschule Fulda bereits für den Forschungsverbund SaFe (Shaping Future Society – The Mutual Constitution of Future-Oriented Practices and Community) eine DFG-Förderung erhalten.