Junge Menschen erklären Kampfpiloten für unschuldig

01/10/2017

Der Film „Terror“ führt zu einer regen Diskussion zwischen Studierenden der Hochschule Fulda und Schülerinnen und Schülern der Wigbertschule

Die ARD zeigte im vergangenen Herbst „Terror“, die Verfilmung von Ferdinand Schirachs Justizdrama. Die Besonderheit an dem Ende des Filmes: Die Zuschauer entscheiden selbst, ob Kampfpilot Lars Koch dafür verurteilt wird, dass er eine von Terroristen entführte Lufthansa-Maschine abschoss, die in die vollbesetzte Allianz Arena gelenkt werden sollte. Die zentrale Frage des Filmes: Dürfen 164 Menschen getötet werden, wenn 70.000 andere dadurch gerettet werden können?

Dieser Frage wollte auch Frau Prof. Dr. Katrin Hesse der Hochschule Fulda im Rahmen ihrer Lehre des Wirtschaftsrechts nachgehen. Spontan bot sich das CineStar Kino in Fulda an, die Räumlichkeiten für eine erneute Ausstrahlung des Filmes zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Angebot eröffnete sich die Option, noch weitere Zuschauer einzuladen und so kam ein kurzfristig organisiertes Projekt zwischen dem Fachbereich Wirtschaft und den Schulkooperationen der Zentralen Studienberatung zustande.      

Rund 30 internationale Bachelor sowie Master Studierende trafen auf 105 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 der Wigbertschule Hünfeld, um „Terror“ gemeinsam anzuschauen, ein Urteil zu fällen und anschließend darüber zu diskutieren. Wie auch schon bei der Ausstrahlung im deutschen Fernsehen, sprachen die meisten den Angeklagten frei. „Das Ergebnis ist nicht ungewöhnlich“, weiß Prof. Hesse. „Umso jünger die Zuschauer, desto eher fällt das Urteil im Sinne des Angeklagten.“ Rein rechtlich sei dabei allerdings ebenso die Verurteilung vertretbar, erläutert die Juristin.

Die Jugendlichen führen im Kinosaal eine angeregte und sehr kritische Diskussion. Sie suchen Antworten auf die Frage, wie Gesetze ausgelegt werden sollten, z.B. wenn es heißt, die Würde des Menschen sei unantastbar. Das Mitgefühl für den Angeklagten ist dabei groß, gleichermaßen schwer wiegt das Unverständnis für andere Beteiligte, die etwa das Stadion nicht räumen ließen, obwohl noch genug Zeit gewesen wäre. Schnell wird klar, dass Gerechtigkeit nicht immer bedeutet, dass am Ende alle Beteiligten zufrieden gestellt werden können.

Das Resümee über die gemeinsame Veranstaltung zwischen Hochschule und Schule ist durchweg positiv. Schülerinnen und Schüler konnten dadurch Einblicke in die Anforderungen eines Studiums erhalten und Hemmschwellen abgebaut werden. Darüber hinaus empfanden auch die Studierenden den lebendig gestalteten Unterricht als sehr bereichernd. „Es ist immer spannend, verschiedene Perspektiven zusammen zu bringen“, so Prof. Hesse. „Wir hatten hier nicht nur Personen, die sich an unterschiedlichen Stellen ihrer Ausbildung befinden, sondern aufgrund der internationalen Studierenden auch verschiedene kulturelle Hintergründe und Werte vertreten. Von einer solchen Diskussion können wir alle etwas lernen und sollten solche Veranstaltungsformate deswegen in Zukunft weiterhin ermöglichen, wenn sich die Gelegenheit bietet.“    

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