Ungewisse Zeiten - Wie Transformation die Demokratie herausfordert

VOM 05. BIS 06. NOVEMBER 2025

Gesellschaftliche Transformationen fordern demokratisches Handeln und Strukturen heraus, während anti-demokratische Tendenzen sozial-ökologische Transformationsprojekte unter Druck setzen. Unübersehbare und notwendige Transformationsanforderungen werden so zum Prüfstein für eine demokratische Gestaltung von Zukunft. 

Die Tagung nahm in den Blick, welche Entwicklungen in diesem Spannungsfeld aktuell stattfinden und welche Veränderungen von verschiedenen Akteuren vorangetrieben werden. Über 70 Teilnehmende aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft, aber auch interessierte Studierende und Bürger*innen diskutierten im Austausch zwischen wissenschaftlichen Perspektiven und zivilgesellschaftlichen Expertisen, wie entstehende Transformationskonflikte frühzeitig erkannt werden können und welche Lösungsansätze bereits bestehen oder erarbeitet werden können.

Tagungsflyer hier

05. November

12.30 Willkommen mit Stecafé
13.00 Begrüßung
13.30 

Keynote

Marcel Schmidt (h_da): Sozialökologische Transformation gestalten - Ja, aber wie?

14:30 Kaffeepause
15.00 

Workshops

  • Ilker Ataç (HS Fulda), Silvia Schwarz (HS Fulda), Lefkothea Rizopoulou (HS Fulda), Christiane Leidinger (HS Düsseldorf), Hanna Kaußen (PaSo gGmbH Darmstadt), N.N. (Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Frankfurt): Protest, Partizipation und Profession - Transformative Praxis in der Sozialen Arbeit
  • Sascha Dannenberg (FU Berlin) & Filiz Aksoy (HS Fulda): Gemeinsam Zukunft gestalten? Perspektiven und Methoden
    kritischer Zukunftsforschung
17:00 Pause
17.30 - 18.00 Zusammenführung der Ergebnisse aus den Workshops
19.30 Gemeinsames Abendessen

 

06. November

9.00 

Keynote

Julia Zilles (SOFI Göttingen) & Merle Michaelsen (Aktivistin): Zur Normalitat von Protest in der Transformation - eine Begegnung zwischen Aktivismus und Wissenschaft

10.30 Kaffeepause
11.00 

Workshops

  • Felix Rudolph-von Niebelschütz (Menschen und Medien E.V.): Meinungsbildung und demokratische Teilhabe im Zeitalter von TikTok und Instagram
  • Martin Winter (HS Fulda): Transformationskonflikte im Fokus
13.00 Zusammenführung der Ergebnisse aus den Workshops
13.45 Austausch beim Mittagsimbiss
14.30 Poster-Session
15.30 Ende der Tagung

Transformation lässt sich als Mischung revolutionärer und reformistischer Gesellschaftsgestaltungskonzepte verstehen und impliziert ein ko-produzierendes Zusammenwirken von Bevölkerung, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Hochschule. Das darin enthaltene Demokratieverständnis umfasst den emanzipatorischen Anspruch, möglichst alle Menschen eines Gemeinwesens – und möglichst von klein auf – darin zu unterstützen, sich mit ihren jeweiligen Potentialen, Bedürfnissen und Interessen an der Entwicklung und Gestaltung gesellschaftlicher Transformationsstrategien und -praxen aktiv beteiligen zu können, was Demokratie und demokratische Transformationsgestaltung zugleich immer auch als sozialpädagogisches Projekt ausweist. Es zeigt sich jedoch auch, dass insbesondere privatwirtschaftlich organisierte Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, Infrastrukturen und ganzen Wirtschaftszweigen eher hinderlich sind, um wirklich Einfluss und demokratische Mitgestaltung zu gewinnen an der Transformation ökologischer und sozialer Lebensbedingungen.

Die Keynote bietet einen Überblick, was diesbezüglich aktuell diskutiert und teils praktiziert wird, und ebenso, welche Herausforderungen sich dabei zeigen und was die zentralen, teils noch völlig unbearbeiteten Fragen und Probleme sind, die damit einhergehen. Sie will zum Weiterdenken und -arbeiten anregen.

Redner: Marcel Schmidt (h_da)

Soziale Arbeit steht im Zentrum gesellschaftlicher Transformationsprozesse - als Profession, die sowohl von strukturellen Veränderungen betroffen ist als auch diese aktiv mitgestaltet. In diesem Workshop beleuchten wir, wie transformative Ansätze in der Sozialen Arbeit entstehen und wirken: zwischen kritischer Reflexion bestehender Verhältnisse, aktivistischer Praxis und der Entwicklung alternativer Handlungsformen. Ausgehend von theoretischen Perspektiven zu Protest und sozialen Bewegungen diskutieren wir konkrete Praxisbeispiele kritischer Sozialer Arbeit. Dabei stehen sowohl strukturkritische Ansätze des AKS als auch lokale Demokratieprojekte mit Geflüchteten im Fokus - Beispiele dafür, wie Soziale Arbeit zwischen institutionellen Rahmenbedingungen und emanzipatorischen Ansprüchen navigiert.

Der Workshop fragt: Wie kann Soziale Arbeit transformative Impulse setzen? Welche Spannungen entstehen zwischen kritischer Haltung und systemischer Einbindung?

Workshopbericht hier

Leitung: Ilker Atac (HS Fulda), Silvia Schwarz-Steinfeld (HS Fulda), Lefkothea Rizopoulou (HS Fulda), Christiane Leidinger (HS Düsseldorf), Hanna Kaußen (PaSo gGmbH Darmstadt), N.N. (Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Frankfurt)

In ungewissen Zeiten kann Zukunft der Hoffnungsschimmer am Horizont sein oder der Ort einer näher rückenden Katastrophe. Dass solche Erzählungen nicht einfach vom Himmel fallen, und welche Auswirkungen sie auf Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse haben, darauf machen Ansätze der Kritischen Zukunftsforschung aufmerksam. Im Workshop gibt es nach einem kurzen Input zu Grundlagen der Kritischen Zukunftsforschung die Möglichkeit, gemeinsam zu erkunden, wie Zukunft bereits im Jetzt gedacht und durch unsere Handlungen und Entscheidungen vorgezeichnet wird. Anhand von Beispielen aus dem Forschungsimpuls "Shaping Future Society" werden wir herausarbeiten, wie Varianten von Zukunft thematisiert oder vernachlässigt, ermöglicht oder ausgeschlossen werden. 

Ziel des Workshops ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Art und Weise, wie wir heute über die Zukunft nachdenken und sprechen, die Gestaltungsmöglichkeiten von morgen beeinflusst. Dieser Dialog ist nicht nur für Forschende relevant, sondern auch für alle, die an der aktiven Mitgestaltung einer lebenswerten Zukunft interessiert sind.

Leitung: Sascha Dannenberg (FU Berlin) & Filiz Aksoy (HS Fulda)

Protestaktionen und ziviler Ungehorsam stören den Alltag, sind disruptiv und reflexartig kommt die Frage auf: Dürfen die Protestierenden das? Was darf Protest? Was ist legal und was legitim? 

Gerade in Transformationsprozessen ist Widerstand und Protest essentiell und übernimmt wichtige demokratische Funktionen. Doch wie reagiert eine Gesellschaft auf Protest? Welche Rolle spielen Politik und gesellschaftliche Institutionen wie Polizei und Gerichte? Antworten aus Politik und den Institutionen beeinflussen wiederum die Dynamiken von Protestbewegungen, sie können den Protest inhaltlich beantworten, ignorieren, delegitimieren oder sogar unterbinden. Dies gilt sowohl für Protestgruppen, die eine schnellere Transformation zum Ziel haben als auch für jene, die Transformation verhindern oder verlangsamen möchten. 

Diese Gesprächsrunde diskutiert gesellschaftliche, politische aber auch juristische Auseinandersetzungen zur Legitimität und Funktion von Protesten.

Rednerinnen: Julia Zilles (Universität Göttingen) & Merle Michaelsen (Aktivistin)

 Videoclips auf TikTok und Instagram prägen zunehmend politische Meinungsbildung, besonders bei jungen Menschen. Algorithmen verstärken Filterblasen und kurze Videoclips stellen gesellschaftliche Themen häufig verkürzt dar. Gleichzeitig entstehen durch sogenannte Micro-Learning-Videos neue Chancen für politische Bildung und demokratische Partizipation.

In diesem Workshop werden Manipulationsstrategien in Social-Media-Videos analysiert und medienpädagogische Ansätze für einen kritischen Umgang mit diesen betrachtet. Anhand des TikTok-Kanals „Fulda Shalom“ werden beispielhaft Möglichkeiten der Bildungs- und Präventionsarbeit auf Social-Media gezeigt.

Leitung: Felix Rudolph-von Niebelschütz (Menschen und Medien E.V.)

Die multiplen Krisen der Gegenwart rufen eine umfassende Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft auf den Plan. Gleichzeitig erzeugen politische Vorstöße, die auf eine sozial-ökologische Transformation zielen, gesellschaftspolitisch enorme Konflikte. Veränderungsimpulse rufen Widerstände und nicht-beabsichtigte Folgen hervor, die soziale Ungleichheiten noch verschärfen oder zu zunehmender Reaktanz führen. Sozial-ökologische Transformation ist gesellschaftlicher Wandel, der mit unterschiedlichen Interessen und Zielen gesellschaftlicher Akteure verbunden ist, dessen Richtung zwischen diesen umkämpft ist. 

In diesem Workshop werden gesellschaftliche Transformationskonflikte aufgezeigt und analysiert. Hierbei wird der Frage nachgegangen, wie mit diesen Konflikten umgegangen werden kann und wie sie bearbeitet werden, ohne dabei die Notwendigkeit gesellschaftlicher Transformation aus dem Auge zu verlieren. 

Leitung: Martin Winter (HS Fulda)

Die Organisation übernimmt das wissenschaftliche Zentrum “Gesellschaft und Nachhaltigkeit” (CeSSt) der Hochschule Fulda in Kooperation mit dem DFG Implus Shaping Future Society (SaFe) und dem wissenschaftlichen Zentrum RIGL.

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