Handreichung Online-Prüfungen im SoSe 2020


Auch im Sommersemester 2020 müssen Prüfungen den geltenden Rechtsbestimmungen genügen. Insbesondere sind diese die Allgemeinen Bestimmungen für Prüfungsordnungen von 2018 (ABPO) und die jeweiligen Prüfungsordnungen der Studiengänge. Die Verantwortung regelt § 8a der ABPO.

Aufgaben der Prüfungsausschüsse

1Der Prüfungsausschuss ist unbeschadet der Verantwortlichkeit des Dekanats für die ordnungsgemäße Durchführung der Prüfungen zuständig. 2Er achtet darauf, dass die Bestimmungen der einschlägigen Prüfungsordnung eingehalten werden und entscheidet bei Zweifeln zu Auslegungsfragen dieser Ordnung. 3Er gibt Anregungen zur Reform der Prüfungsordnung. 4Der Prüfungsausschuss entscheidet in allen Prüfungsangelegenheiten, die nicht durch Gesetz, Ordnung oder Satzung einem anderen Organ oder Gremium oder dem vorsitzenden Mitglied übertragen sind. 5Seine Geschäftsstelle ist das Studienbüro der Hochschule.“

Theoretische Anforderungen an Prüfungen

Nach Rolf Dubs „Besser (schriftlich) prüfen“ (in „Neues Handbuch Hochschullehre“ Raabe Verlag, Griffmarke H 5.1) sind folgende theoretische Anforderungen an Prüfungen zu erfüllen.

Validität

Eine Prüfung ist umso gültiger, je besser das geprüft wird, was gemäß den ihr zugrunde liegenden Lernzielen tatsächlich geprüft werden soll. Es kann allgemein in drei Gültigkeitskriterien unterschieden werden:

a)    Inhaltsgültigkeit
Insgesamt überprüfen die Prüfungsaufgaben repräsentativ das Wissen und Können (Kompetenzen), welche die Studierenden den Lernzielen entsprechend beherrschen müssen.

b)    Konstruktgültigkeit
Jede Prüfungsaufgabe ist so konstruiert, dass sie diejenigen Kompetenzen erfasst, die sie vorgibt zu erfassen.

c)    Kriteriumsgültigkeit
Die mittels einer Prüfung erfasste Leistung stimmt mit der Leistung in einer anderen Prüfung überein, welche dieselbe oder eine sehr ähnliche Leistung erfassen soll.

 

Reliabilität

Die Zuverlässigkeit einer Prüfung ist umso höher, je weniger Messfehler die Beurteilung und Bewertung einer Prüfungsleistung verfälschen:

a)    Konstruktion von Prüfungen (Aufbau und Auswahl der Aufgaben)

b)    Durchführung und Auswertung der Prüfung von prüfenden Personen möglichst nicht abhängig und beeinflussbar


Zudem wird allgemein in drei Reliabilitätsfaktoren unterschieden:

a)    Durchführungsobjektivität = Standardisierte und immer gleiche Durchführungsbedingungen

b)    Auswertungsobjektivität = Auswertung der Prüfung anhand von vor der Prüfung festgelegten Regeln und Kriterien. Dabei muss die Auswertung zeitlich (bei Wiederholung der Prüfung) und interpersonell (bei Bewertung durch andere Prüfer) stabil sein

c)    Interpretationsobjektivität = Erzielung von Prüfungsergebnissen, die von der Interpretation der Prüfungsleistungen durch den Prüfer unabhängig sind.

 

Chancengleichheit

Chancengerecht ist eine Prüfung, wenn Sie von allen zu Prüfenden unter Beachtung der angestrebten Lernziele und der vorausgegangenen Lernprozesse unter gleichen Voraussetzungen bearbeitet werden kann.

Ökonomie

Der Konstruktionsaufwand, die Durchführung sowie Auswertung einer Prüfung sollten immer möglichst gering sein. Man unterscheidet in drei Aufwandskategorien:

a)    Konstruktionsökonomie: Zielorientierte Gestaltung der Prüfungsaufgaben unter Berücksichtigung des Aufwands bei der Aufgabenerstellung

b)    Durchführungsökonomie: Erzielung von Prüfungsergebnissen, die von der Durchführung der Prüfung und vom Prüfer unabhängig sind. Sie ist gegeben, wenn alle Testperson den gleichen Anforderungen unter gleichen Bedingungen unterworfen werden.

c)    Auswertungsökonomie: Prüfung ist so einfach wie möglich auszuwerten. Die Prüfer haben dabei möglichst wenig oder gar keinen Einfluss auf die Bewertungskriterien

 

Ganz grundsätzlich gilt für Prüfungen immer:

1. Das Prüfungsergebnis ist allein durch die (vorab durch Kriterien zu definierende) Leistung des Prüflings bestimmt.

2. Bei der Bewertung ist der Ermessens-/Interpretations-Spielraum für den Prüfer eingegrenzt, d.h. die Bewertung erfolgt anhand von vorab definierten Kriterien in (teils) standardisierter Form (Schablonen, Auswertungsbögen, Vordrucken u.ä.).

 

Prüfungsformate

Alle beschriebenen Prüfungsformate sind zulässig, müssen in der Umsetzung jedoch den Vorgaben des Präsidiums der Hochschule Fulda in Bezug auf den Gesundheitsschutz gerecht werden. Bei bestimmten Formaten, insbesondere in Form der digitalisierten Variante, sind Besonderheiten zu berücksichtigen. Die hierzu folgenden Beschreibungen sind als nicht abschließend zu betrachten.

Bei jeder Prüfung ist sicher zu stellen, dass die Person, die geprüft wird, auch die Person ist, die geprüft werden soll. Weiterhin muss gewährleistet sein, dass die Prüfung nur mit den jeweils zulässigen Hilfsmitteln erbracht wird. Beides ist zu dokumentieren und dem Prüfungsprotokoll beizufügen.

Die Beschreibung der Formate basieren teilweise auf Ausführungen des CTL der Universität Wien.

Mündliche Prüfungen

Mündliche Prüfungen können Sie mit Einverständnis der Studierenden als Videokonferenz abhalten. Verwenden Sie nur das durch die Hochschule Fulda zur Verfügung gestellte Cisco Webex. Voraussetzungen für die Durchführung als Online-Prüfung sind, dass die technische Ausstattung verfügbar ist und alle Beteiligten einverstanden sind. Die Prüfung kann als Videochat mit einer prüfenden und einer beobachtenden Personen aus dem Kreis der Lehrenden abgehalten werden (drei Beteiligte). Testen Sie die Machbarkeit vorher, indem sie Kolleg*innen bitten, sich aus dem Home-Office zuzuschalten. Vermerken Sie im Prüfungsprotokoll die spezielle Situation. Zeichnen Sie die Prüfung nur bei ausdrücklichem Wunsch der Kandidat*in auf.

Bitte folgen Sie beim Vorbereiten und Durchführen der Prüfung dieser Checkliste:

  • Durchführung per Videochat und Einverständnis von Lehrenden/Studierenden im Vorfeld abklären und im Prüfungsprotokoll am Beginn der Prüfung vermerken.
  • Identitätsfeststellung über Videochat: Studierendenausweis zeigen lassen, Bild am Ausweis und Person kontrollieren.
  • Ankündigen, dass die Prüfung seitens der Lehrenden abgebrochen wird, wenn der Verdacht besteht, dass unerlaubte Hilfsmittel verwendet werden. Zustimmung des/der Studierenden dazu vermerken.
  • Raum mit Kamera anlassbezogen ausschwenken lassen, Vertrauenspersonen auf Seiten der Studierenden sollen hinter dem/der Kandidat*in im Blickfeld der Kamera und der Prüfer*innen sitzen.
  • Prüfung durchführen und ein genaues Prüfungsprotokoll führen.

Umgang mit technischen Problemen: Studierende*r kann sich nicht einloggen, Verbindung reißt ab: Hier sollte man kulant vorgehen (konsequenzlose Abmeldung oder Möglichkeit der Wiederholung).

 

Schriftliche Prüfungen

Es empfiehlt sich, alle digitalen schriftlichen Prüfungen, soweit möglich, nach dem Open-Book-Format zu konstruieren, d.h. alle Hilfsmittel gelten als erlaubt und dürfen genutzt werden. Auch im Open-Book-Format gelten die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis. Um Missverständnisse und Plagiate zu vermeiden, sind eindeutige Regeln festzulegen, wie mit Literatur umzugehen ist, ob z. B. direkte Zitate erwünscht sind und wie diese zu zitieren sind. Die Prüfung ist von den Studierenden selbständig und ohne Hilfe Dritter zu schreiben. Die abgegebene Prüfung kann einer Plagiatsprüfung (turnitin) unterzogen werden. Darüber sind die Studierenden zu informieren.

Download Kurzanleitung Schriftliche Prüfungen


Take-Home-Exam
Beim Take-Home-Exam bekommen die Studierenden zu Prüfungsbeginn einen Aufgabenbogen. Die Aufgaben sollten vorzugsweise Transferaufgaben enthalten. Die Studierenden haben eine vorgegebene Zeitspanne, in der die Aufgaben zu lösen sind und der Antwortbogen an den Prüfenden zu übermitteln ist. Werden die Lösungen über die Aktivität „Aufgabe“ in Moodle übermittelt, kann direkt eine Plagiatskontrolle mittels „turnitin“ erfolgen.
Es ist zwingend notwendig, dass die Aufgaben im Take-Home-Exam  klar und präzise formuliert sind, um Unsicherheiten bei den Studierenden zu vermeiden. Daher empfiehlt es sich, die Aufgaben von einer zweiten Lehrperson auf Verständlichkeit, Nachvollziehbarkeit und Vollständigkeit gegenlesen zu lassen.

Prüfungsbögen zum Download
Ähnlich wie bei Take-Home-Exams laden die Studierenden einen Prüfungsbogen auf den eigenen Computer und bearbeiten diesen wie eine „klassische“ schriftliche Prüfung mit offenen Fragen. Der Zeitrahmen ist dabei kürzer als bei einem Take-Home-Exam (z. B. 2 Stunden an einem bestimmten Prüfungstag).Studierende laden sich den Prüfungsbogen auf den eigenen Computer, bearbeiten diesen dort und laden ihn bis zu einem bestimmten Zeitpunkt als PDF in Moodle wieder hoch (Aktivität „Aufgabe“). Die Vorgehensweise ist grundsätzlich gleich wie bei Take-Home-Exams, nur die Bearbeitungszeit ist kürzer. Sollten im Rahmen der Prüfung von den Studierenden selbst Zeichnungen, Formeln etc. angefertigt werden, so kann dies auf einem Blatt Papier händisch erfolgen. Das Blatt wird dann fotografiert oder eingescannt und in Moodle hochgeladen (Achtung: Dazu ist es notwendig, dass Sie den Studierenden in der Aufgabe erlauben, mehr als nur eine Datei hochzuladen). Es wird bei diesem Prüfungsformat dringend angeraten, einen Probetest zu machen, der auf die Handhabung der Technik fokussiert ist. Die automatische Plagiatskontrolle „turnitin“ kann in der Aufgabe verwendet werden.

24h-Hausarbeit
Auch wenn die 24 Stunden in der Bezeichnung der Prüfungsform variabel zu verstehen sind, bietet diese Art der Prüfung eine recht zuverlässige Überprüfung der individuellen Lernleistung der Studierenden. Durch die recht knapp bemessene Zeit müssen die Studierenden auf ihre vorhandenen Kenntnisse zurückgreifen. Durch mehrere oder gar individuelle Fragestellungen wird auch die Möglichkeit der Absprachen signifikant reduziert. Der technische Ablauf ist ähnlich dem Take-Home-Exam. Im Betrugsverdachtsfall kann diese Form der Prüfung auch durch ein mündliches Fachgespräch ergänzt werden.

 

Prüfungen direkt in Moodle

Die Möglichkeit Echtzeit-Prüfungen direkt in Moodle durchzuführen (Aktivität „Test“), seien es offene Fragen oder Multiple-Choice-Tests, sollte derzeit nicht genutzt werden. Durch die aktive Nutzung von Moodle ist eine stabile und performante Verbindung zum LMS seitens der Studierenden notwendig. Bei vielen gleichzeitigen Zugriffen kann die Performance der LMS nicht gesichert werden. Die Moodle-Instanzen der Hochschule Fulda sind nicht für den rechtskonformen Prüfungsbetrieb ausgelegt und getestet. Die Anforderungen an Prüfungen hinsichtlich Unveränderbarkeit und Aufbewahrungsfrist ist nicht administrativ gesichert.

E-Portfolio

Als Alternative zur summativen Bewertung von Lernleistungen können auch E-Portfolios genutzt werden. Dabei dokumentieren die Studierenden ihren Lernfortschritt semesterbegleitend in Form von kleineren Produkten.  Aus diesen Produkten wählen sie eine repräsentative Anzahl aus (dabei können auch eine freie Auswahl und Vorgaben seitens der Lehrenden gemischt werden) und beschreiben in kurzen reflexiven Statements, warum gerade diese Artefakte ihre Lernleistung dokumentieren. Die Portfolios können auf dem hochschuleigenen Mahara-Dienst (direkt in Moodle integriert) auch elektronisch geführt, abgegeben und bewertet werden.

Präsentationsprüfung als Abgabe

In Form von Präsentationen abgehaltene Prüfungen lassen sich durch die Aufzeichnung von Präsentationen mit Powerpoint oder anderer geeigneter Software, z.B. OBS in das Online-Szenario überführen. Die Studierenden erstellen ihre Präsentation und laden diese als Video oder kommentierte Powerpoint-Präsentation auf die Lernplattform (bei Dateien größer als 20MB Freigabe des Links auf einen Cloudspeicher, z.B. Hessenbox). Der Prüfende, auch in Verbindung mit den teilnehmenden Studierenden, begutachtet die Präsentationen und diskutiert bzw. gibt Rückmeldung zu den Präsentationen in einem Forum oder bei kleinen Gruppenalternativ auch in einer Videokonferenz.

Kontakt

Hans-Martin Pohl

Abteilungsleiter und Hochschuldidaktik

Gebäude 41 , Raum 107a
Hans-Martin Pohl+49 661 9640-9554