Diversität und Sprache

Achten Sie in Sprache und Text auch auf weitere Dimensionen sprachlicher und struktureller Benachteiligung aufgrund von sozialen Zuschreibungen, und seien Sie offen für andere Perspektiven.

Versuchen Sie, diskriminierende Stereotype zu vermeiden, und überprüfen Sie Sprache und Text auf rassistische, klassistische, sexistische sowie heteronormative oder neuro-/psycho- und physionormative Zuschreibungen.

Begriffe und Beschreibungen zu den unten aufgeführten Merkmalen sollten niemals als Schimpfwörter oder zum Zweck von Herabsetzung gebraucht werden!

Ob eine Formulierung beleidigend oder verletzend ist, entscheiden die betroffenen Menschen, nicht strukturell privilegierte Personen

Ethnische Herkunft und rassistische Zuschreibungen

Verzichten Sie auf die Nennung der ethnischen Zugehörigkeit, wenn diese im Kontext irrelevant ist und negative Verknüpfungen herstellt. Wählen Sie treffende, nicht-verallgemeinernde Bezeichnungen und Formulierungen.

Schließen Sie nicht von der ethnischen Zugehörigkeit auf andere Eigenschaften einer Person, und machen Sie sich die Wirkung bestehender Begriffe und deren Implikationen, insbesondere mit Blick auf Ungleichwertigkeiten, bewusst.

Beispiele

Menschen mit internationaler Geschichte statt Ausländer
People of Color [Selbstbezeichnung]

Sinti/Sintiza, Roma/Romnija

internationale Studierende
statt ausländische Studierende
geflüchtete Menschen/schutzsuchende Menschen
irreguläre Migration/undokumentierte Migration
statt illegale Einwanderung

Religion und Weltanschauung

Bemühen Sie sich um eine vorurteilsfreie sprachliche Auseinandersetzung bezüglich aller Religionen und Weltanschauungskonzepte. Formulieren Sie bewusst entgegen Konstruktionen von Feindbildern, und sensibilisieren Sie sich für antisemitische und islamophobe Äußerungen.

Beispiele

Muslimische Menschen, Menschen islamischen Glaubens statt islamische Menschen [2]
religiöse Minderheit statt Sekte

Soziale Herkunft und ökonomische Lebensumstände

Wählen Sie bei Darstellungen und Beschreibungen von sozialer Herkunft, sozialem Status und ökonomischer Lebenssituation ebenfalls vorurteilsfreie und differenzierte Formulierungen.

Beispiele

von Armut betroffen/ökonomisch benachteiligt/in einer prekären Einkommenssituation statt arm
Der Sachverhalt muss verständlich geschildert werden.

     - statt: Der Sachverhalt muss so formuliert werden, dass ihn der kleine Mann von der Straße verstehen kann.
soziale Mobilität statt sozialer Aufsteig/Abstieg

Physische und psychische Beeinträchtigungen und Behinderungen

Geben Sie die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen wieder. Sehen Sie von eigenen Vorannahmen zum emotionalen Befinden oder dem Alltag anderer Menschen ab. Instrumentalisieren Sie Menschen nicht zur Sensationalisierung oder zur Inspiration von Personen, die in der Gesellschaft nicht behindert werden.

Beispiele

Menschen mit Behinderung, Menschen mit Hör- oder Sehbeeinträchtigungen
"mit einer Behinderung leben
" statt "an einer Behinderung leiden/das Leben trotz Behinderung meistern"
barrierefrei
statt behindertengerecht
psychisch beeinträchtigt
statt psychisch krank/gestört

Lebensalter

Achten Sie insbesondere bei Beschreibungen von älteren und jungen Menschen darauf, alle Altersgruppen qualitativ gleichwertig darzustellen. Stellen Sie keine Altersgruppe als Belastung für die Gesellschaft dar.

Beispiele

Studierende statt Studis
junge Frauen
statt Mädels
junge Männer
statt Jungs
ältere Menschen, Menschen im hohen Alter
statt Alte
demografische Entwicklung
statt Überalterung

Sexuelle/Romantische Orientierung und Geschlechtsidentität

Nehmen Sie Abstand von stereotypen Beschreibungen von LGBTIQ+[4] Personen und Heterosexualität sowie heteronormativen Lebensgestaltungskonzepten als gesellschaftliche Norm.

Beispiele

Eltern organisieren die Kinderbetreuung partnerschaftlich.
     - statt: Mutter und Vater organisieren die Kinderbetreuung partnerschaftlich.
gleichgeschlechtliche Paare
statt schwule/lesbische Pärchen
gleichgeschlechtliche Ehe statt "Homo-Ehe"
Sind Sie verheiratet/in einer Beziehung?

     -statt: Haben Sie einen Ehemann/Freund/Ehefrau/Freundin?
transgender[5]/transidentisch
statt transsexuell
Die Geschlechtsidentität unterscheidet sich von dem nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht[5].
     -statt: Die Person war früher eine Frau bzw. ein Mann. / Die Person wurde im falschen Körper geboren. / Die Person ist eigentlich eine Frau bzw. ein Mann.


[4] LGBTIQ+ (engl.) ist ein Sammelbegriff und steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Intersex, Queer und weitere angegliederte Geschlechtsidentitäten und sexuelle bzw. romantische Orientierungen (daher „+“, z.B. pansexuell, asexuell, polyamor, etc.).

[5] Sind die Geschlechtsidentität und das nach der Geburt zugewiesene Geschlecht gleich, wird häufig das Adjektiv "cisgender" zur Beschreibung verwendet. Das Adjektiv "transgender" beschreibt Geschlechtsidentitäten, die sich von dem nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht unterscheiden.

Intersektionalität - mehrdimensionale Diskriminierung

Der Begriff Intersektionalität beschreibt die Schnittstelle (eng. intersection) von zwei oder mehreren Diskriminierungsdimensionen. Die Diskriminierungswirkungen lassen sich nicht einfach aufaddieren. Sie sind in so starker und komplexer Weise miteinander verschränkt, dass es zu spezifischen Diskriminierungserfahrungen kommt, die sich nicht unter die Einzeldimensionen einordnen lassen. Auch sprachlich kann es zu einer Überschneidung und einem Zusammenspiel verschiedener Dimensionen kommen, wenn beispielsweise Frauen einer bestimmten Altersgruppe oder Männer wegen einer bestimmten sexuellen/romantischen Orientierung sprachliche Abwertung erfahren.


Checkliste

Nicht immer gibt es eindeutige Vorgaben oder einheitliche Regelungen. Versuchen Sie, sich in diesen Fällen die Wirkung der Sprache bewusst zu machen, und vermeiden Sie unnötige Verallgemeinerungen oder auf Vorurteilen beruhende Begriffe. Alles, was Sie für eine diskriminierungsfreie Sprache benötigen, sind Sensibilität und Kreativität.

  • Wer soll angesprochen werden? Fühlen sich die Angesprochenen auch gemeint?
  • Sind meine Personenbezeichnungen eindeutig? Ist dort, wo nur Frauen bzw. Männer angesprochen werden, auch nur die jeweilige Geschlechtergruppe gemeint? Sind Titel und Funktionsbezeichnungen korrekt?
  • Werden Frauen und Männer mit gleichwertigen Adjektiven beschrieben? Werden für weitere soziale Zuschreibungen oder Handlungen von verschiedenen Personen qualitativ gleichwertige Formulierungen gewählt?
  • Sind bildhafte Darstellungen ausgewogen und respektvoll?
  • Sind Text und Bild aufeinander abgestimmt und unterstützen sich gegenseitig?
  • Wie unterschiedlich sind bestimmte Menschen oder Menschengruppen von der dargestellten Thematik betroffen? Wo ist besondere Sensibilität gefragt?
  • Gibt es stereotype Bilder oder Beschreibungen in meinem Dokument?
  • Kann das Bildmotiv als sexistisch, beleidigend, abwertend oder gewaltverherrlichend von Dritten gelesen werden?
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