Workshop "Strategien zur Gestaltung von Lebensverläufen"

Die vom Gleichstellungsbüro konzipierte Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Strategien zur Gestaltung von Lebensverläufen" wurde ab dem WS 2014/15 in allen Fachbereichen umgesetzt.

Junge Menschen stehen heutzutage vor der Herausforderung, dass traditionelle Lebensmodelle nicht mehr greifen und der eigene Lebensweg immer wieder neu ausgehandelt werden muss. Um die sich bietenden Spielräume effektiv zu nutzen und Risiken von Entscheidungen im Lebensverlauf klug abzuschätzen, bedarf es einer Lebensgestaltungskompetenz.

Zur Förderung dieser Kompetenz hat das Gleichstellungsbüro Veranstaltungen für Studierende höherer Semester angeboten.

Thematisch gliederte sich die Veranstaltung in folgende Themenschwerpunkte:

1. Rollenbilder und Recht
Im ersten Teil geht es um die Verknüpfung von Rollenbildern und Recht. Durch Recht unterstützte Rollenbilder wirken auf das Entscheidungsverhalten in unterschiedlichen Phasen und Knotenpunkten des Lebens. Das deutsche Rechtssystem ist in seiner Gesamtheit inkonsistent und setzt widersprüchliche Anreize für unterschiedliche Lebensmodelle. Der Übergang in eine neue Lebenssituation kann daher veränderte Anforderungen an eine Person stellen. Studierende sollen Informationen über die rechtlichen, institutionellen und politischen Rahmenbedingungen erhalten und lernen, mögliche Fallstricke für den Lebensverlauf zu erkennen.

2. Erwerbsverhalten im Lebensverlauf
Rollenbilder und die darauf beruhende rechtliche Ausgestaltung beeinflussen das Erwerbsverhalten der Menschen. Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Beschäftigungsumfang, beim Zugang zu Führungspositionen oder auch beim Einkommen sind nur einige Beispiele der ungleichen Teilhabe von Frauen, Männern und nicht-binären Geschlechtsidentitäten am Erwerbsleben. Erwerbsentscheidungen werden nicht losgelöst von partnerschaftlichen und familiären Bindungen getroffen. Studierende sollen erkennen, dass eine partnerschaftliche Aushandlung der Lebens- und Erwerbsgestaltung mit Blick auf den gesamten Lebensverlauf von zentraler Bedeutung ist.

3. Perspektivenvielfalt vs. individuelle Lebensgestaltung
In dem dritten Teil soll es um die Auseinandersetzung mit den eigenen Lebenszielen gehen. Eine zentrale Aufgabe ist es, die unterschiedlichen Zukunftsanforderungen im Lebensverlauf mit den eigenen Lebenszielen zu verbinden. Aus dem Zusammenwirken von bereits existierenden als auch von noch zu erwerbenden Ressourcen ergibt sich eine Auswahl von „Verwirklichungschancen“, die es den Individuen ermöglichen, sich für ein bestimmtes Leben zu entscheiden. Wichtig ist dabei insbesondere die Lebensverlaufsperspektive, die die langfristigen Folgen von Lebensentscheidungen transparenter machen kann. Auf Grundlage des Wissens über sich selbst als auch über die gegenwärtigen und zukünftig zu erwartenden Rahmenbedingungen soll eine Strategie zur Gestaltung des für sich angestrebten Lebens entwickelt werden.

Die tatsächliche Umsetzung und Integration der Veranstaltungsreihe in die Curricula wurde mit den einzelnen Fachbereichen abgestimmt. Der Umfang variierte von einem 90-minütigen Vortrag bis hin zu einem 3-teiligen-Workshop von insgesamt vier Stunden.

Auf Grundlage des Ersten Gleichstellungsberichtes wurde insbesondere in den ersten Lehrveranstaltungen zur Lebensgestaltungskompetenz die Frage nach Handlungsstrategien zur sozialen Absicherung und einer geschlechtergerechten Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit im Ehe-Kontext in den Fokus genommen. Aufbauend darauf und anlässlich des Zweiten Gleichstellungsberichtes wurden diese Handlungsstrategien im Wintersemester 2018/2019 nun in den Fokus von sozialen Verwirklichungschancen gestellt.

Gleichstellung im Rahmen von Lebensgestaltung wurde in der 90-minütigen Veranstaltung in verschiedenen Dimensionen aufgeschlüsselt. Die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen und Ordnungen, Rollenbilder, Identitäten sowie sozialen Erwartungen/erwünschten Lebensentwürfen ermöglicht den Studierenden eine gender- und diversitätskritische Perspektive auf vermeintliche Lebensnormen.

 

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