Auftakt der Vortragsreihe "Migration, Gender und soziale Praxis"

04.07.2016

Dr. Heike Niedrig vom Institut für kritische Bildungsforschung gUG aus Hamburg eröffnet die neue Vortragsreihe der AG Gender, Migration und sozialer Sektor.

Die diskursive Konstruktion von "Flüchtlingen" - Gendertheoretische und postkoloniale Analyseperspektiven

Am 30.06.2016 eröffnete die Querschnittsarbeitsgruppe „Gender, Migration und sozialer Sektor“ des Forschungsverbundes für Sozialrecht und Sozialpolitik (FoSS) ihre neue Vortragsreihe mit dem Thema „Die Ordnung des Diskurses in der Flüchtlingskonstruktion: gendertheoretische und postkoloniale Analyseperspektiven“. In Kooperation mit dem Centre of Research for Society and Sustainability (CeSSt) konnte die Gründerin des „Instituts für kritische Bildungsforschung gUG“ Frau Dr. Heike Niedrig aus Hamburg begrüßt werden, die über bestehende Diskurse geflüchteter Menschen im Kontext kultureller Hegemonie referierte.
Das Deutungsangebot der Bildungsforscherin und tätigen Lehrerin erstreckte sich dabei über die Aussagen jugendlicher Geflüchteter zum eigenen Status als „Flüchtling“, bis hin zur, sich daraus ergebenden, Ordnung des Flüchtlingsdiskurses.
Unter Betrachtung postkolonialer Theorien, wie dem „Othering“ sowie dem vorherrschenden Diskursfeld (politisch-rechtlicher, medialer, sozialpädagogischer, wissenschaftlicher und medizinischer Diskurse) bezog Frau Dr. Niedrig die Dichotomie des Ordnungsmusters und das bipolare System der Zweigeschlechtlichkeit ein.
Mit einem besonderen Fokus auf minderjährige Flüchtlinge stellte sie dabei Begrifflichkeiten wie bspw. „Ankerkind“, „Asylsuchende“ und „Armutsflüchtlinge“ dar und übertrug diese, mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse von Zeitungsartikeln (Mbappou-Gleiß:2008), auf das dichotome Konstrukt von Wahrnehmung, Deutung und Handlungsbereitschaft. Eine hergestellte Verbindung mit der bipolaren Zweigeschlechtlichkeit zeigte ihr, dass weibliche Geflüchtete eher als Opfer und männliche Geflüchtete vornehmlich als Täter angesehen werden. Unterschwellige genderisierte Konnotationen führen nach Niedrig zu dem „Flüchtling als unschuldiges Opfer“, welcher überwiegend als „echter Flüchtling“ angesehen und dem „Flüchtling als bedrohlichen Täter“, der männlich konnotiert und als „Asylbetrüger“ wahrgenommen wird. Demnach sollte eine dritte Position in die „Flüchtlingsdebatte“ einbezogen werden, so dass sich eine Täter-Opfer-Retter-Triade bildet und ein angemessener Diskurs entsteht.

Kontakt Fulda

Prof. Dr. habil.

Monika Alisch

Soziologie - Sozialraumentwicklung und -organisation

Gebäude 21 , Raum 107
Prof. Dr. habil.Monika Alisch+49 661 9640-232
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Termine nach Vereinbarung

Kontakt Kassel

Prof. Dr.

Manuela Westphal

Professorin für Sozialisation mit dem Schwerpunkt Migration und interkulturelle Bildung am Fachbereich 01 Humanwissenschaftender Universität Kassel

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Hier erhalten Sie die Vortragspräsentation von Frau Dr. Heike Niedrig sowie den Flyer zur Veranstaltung

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