Besuch von Princeton-Studenten in Fulda

10.07.2017
Die vier Princeton-Studenten trafen sich an der Hochschule Fulda auch mit Präsident Prof. Dr. Karim Khakzar.
Foto: Hochschule Fulda
Die Studenten informierten sich gemeinsam mit der Leiterin der International Office der Hochschule Fulda, Winne Rosatis (rechts), bei Fuldas Bürgermeister Dag Wehner (links)  und dem Ersten Kreisbeigeordneten des Landkreises Fulda, Frederik Schmitt (dritter von rechts) über die Flüchtlingsversorgung und -integration in der Region.  Foto: Stadt Fulda

Vier Studenten der Princeton Universität haben im Rahmen eines Praktikums in Hessen zwei Tage Fulda besucht, um sich unter anderem an der Hochschule über Flüchtlingspolitik zu informieren.

Das sechswöchige Programm wird gemeinsam von der Princeton Universität mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) durchgeführt.  Im Zentrum des Interesses der Studierenden aus der Kaderschmiede an der Ostküste der USA stand die Frage: Wie hat Deutschland es geschafft, mit der hohen Zahl an Flüchtlingen in den Jahren 2015/16 umzugehen?

Beim Nachspüren dieser leitenden Frage stießen die Studenten auf allen Stationen ihres von der Hochschule Fulda organisierten Programms immer wieder auf das Ehrenamt. So konnten sie sich  – in Princeton studieren sie Geschichte, Mathematik, Politikwissenschaften oder vergleichende Literaturwissenschaften – an der Hochschule Fulda bei der Dekanin des Fachbereichs Sozialwesen,  Prof. Dr. Martina Ritter, über Projekte mit Flüchtlingen in der Sozialen Arbeit wie etwa Perspektiva und Welcome In informieren. In diesen Projekten treffen Studierende der Sozialen Arbeit, die hier ihr Praktikum ableisten, sowie Ehrenamtliche und Flüchtlinge aufeinander und lernen voneinander. Die amerikanischen Studenten erhielten aber auch Einblick in hochaktuelle Forschungsprojekte zur Flüchtlingsfrage im sozialen Raum "Zusammenleben und Integrieren",  einem Teilprojekt des Forschungsantrages,  der von der Förderinitiative "Innovative Hochschule" den Zuschlag erhalten hatte.

Persönliche Begegnungen fördern gegenseitiges Verständnis
Auch Hochschulpräsident  Prof. Dr. Karim Khakzar begrüßte die jungen Gäste an der Hochschule. Er freute sich über ihr Interesse an der Flüchtlingsfrage und dass sie den weiten Weg hierher gefunden haben, um sich persönlich ein Bild von der Situation zu machen. Mit Hinweis auf die Vielzahl an Hochschulkontakten zu internationalen Partnereinrichtungen forderte er die Studierenden auf, die Möglichkeiten zu Kontakt mit anderen Ländern und Kulturen zu nutzen. Die persönliche Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen trägt immer auch zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei und kann damit auch ein wichtiger Beitrag zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander werden, so Khakzar.

Fuldas Bürgermeister Dag Wehner und der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Fulda, Frederik Schmitt, stellten die Eckpunkte der Flüchtlingsversorgung und -integration in der Region Fulda vor. Während Schmitt betonte, dass der "Schlüssel für die Bewältigung der hohen Zuwanderung vor allem die starke dezentrale Organisation und die Bedeutung des Ehrenamtes in Deutschland waren", hob Wehner hervor, dass auch der demografische Wandel und der damit verbundene Mangel an Fachkräften maßgeblich für die überwiegend positive Aufnahme der Flüchtlinge war und ist: "Fulda hat die niedrigste Arbeitslosenquote in Hessen. Die Kehrseite der Medaille ist dabei, dass es mittlerweile allein rund 1.000 unbesetzte Ausbildungsplätze in der Region gibt."

Gelebte Flüchtlingshilfe in "Welcome In"
Ein plastisches Bild von gelebter Flüchtlingshilfe konnten sich die Princeton-Studenten dann am Abend des ersten Besuchstages bei der Initiative "Welcome In" in deren "Wohnzimmer" machen. Das Projekt gründet ausschließlich auf dem ehrenamtlichem Engagement von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und Studierenden der Hochschule Fulda und wegen seines herausragenden Konzeptes mit dem Integrationspreis der Stadt Fulda ausgezeichnet. Jüngst erhielt "Welcome In" als eines der 25 besten sozialen Projekte eines bundesweiten Wettbewerbs einen Preis von Kanzlerin Merkel.
Jochen Schiersch, der geistige Vater des "Wohnzimmer-Konzepts", forderte abschließend die amerikanischen Studenten auf, Wimpel mit dem Wohnzimmer-Logo mit nach Princeton zu nehmen, um so auch dort für die Verbreitung der Idee zu sorgen.

Zum Auftakt des zweiten Tages beschäftigten sich die Studenten mit dem Thema "Kirchen als gesellschaftliche Akteure – auch in der Flüchtlingsarbeit". Hier durften sie gleichzeitig ein Stück gelebter Ökumene erfahren:  Pfarrer Lars Peter Rilke, Leiter der Diakonie in Fulda, hatte einen Gesprächskreis zusammengerufen, der die wichtigsten Perspektiven in der Flüchtlingsarbeit der Kirchen wiedergab: Vertreterinnen von Caritas, Diakonie, Kreuzkirchengemeinde, ehrenamtliche Helferinnen und ein Flüchtling hatten sich eingefunden, um den Gästen von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen zu berichten. Und wieder wurde das ehrenamtliche Engagement – flankiert durch institutionalisierte Arbeit – als eine der wichtigen Säulen der Flüchtlingsarbeit deutlich. Auch das schwierige Kapitel Kirchenasyl wurde thematisiert. Dabei wurde deutlich, vor welche Herausforderung Kirche und Gemeinde hierbei gestellt werden.

Besuch von Point Alpha
Den Schlusspunkt des intensiven  Besuchsprogramms bildete ein Besuch der Gedenkstätte Point Alpha. Auch hier trafen die Studenten aus den USA  wieder auf Geschichten von – diesmal innerdeutscher – Flucht  über die Grenze zwischen den beiden damaligen Machtblöcken während des Kalten Krieges. Zugleich machte dieser besondere Ort auch ein gemeinsames Kapitel amerikanischer und deutscher Geschichte für die Gäste erlebbar.

Von der hohen Motivation der Princeton-Studenten für die Beschäftigung mit der Flüchtlingsfrage zeugte auch, dass sie die Möglichkeiten der persönlichen Begegnung mit Flüchtlingen, die das Rahmenprogramm bot, rege nutzten. Darüber hinaus waren sie auch sichtlich angetan von der Stadt und der Hochschule Fulda. "Diese zwei Tage werden wir sicher nicht so schnell vergessen. Über die vielfältigen Begegnungen mit den Menschen, die in der Bewältigung dieser großen Aufgabe ganz vorn stehen, werden wir auch viel Interessantes an unserer Universität berichten können."  Vielleicht haben im nächsten Jahr wieder ein paar Princeton-Studenten die Gelegenheit, sich im Rahmen des Hessen-Princeton-Praktikumsprogramms von den Qualitäten der Stadt und der Hochschule Fulda zu überzeugen.

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